Dienstag, 12.02.2019

Bienenfreundlich bis smart: Neue Gartentrends

Manchmal tut man unbewusst genau das Richtige und liegt damit auch noch im Trend: Schon immer dürfen in meinem Garten bestimmte heimische Wildstauden wachsen, wo es ihnen behagt. Das dient nicht nur dazu, Arbeit zu sparen, weil diese Pflanzen meistens genau die Lücken in den Beeten besetzen, für die ich im Gartencenter nichts Passendes finde.

Sondern es freut auch Hummeln, Wild- und Honigbienen, viele Schmetterlinge und andere Insekten, wenn sie aus diesen Pflanzen Nektar und Pollen holen können. Und die Samen und Beeren bieten im Herbst den Singvögeln und anderen Kleintieren Nahrung.

Wie kleine Laternen

Nebenbei bilden viele der einheimischen „Vagabunden“ (siehe auch den Buchtipp unten) wunderbar hübsche Blüten, und das auch noch reichlich. Die Nachtkerze etwa schickt in der Abenddämmerung ihr für Nachtfalter unwiderstehliches und für menschliche Nasen angenehm süßes Parfüm in die Luft. Die gelben Blüten leuchten im schwindenden Licht wie kleine Laternen.

Diese Art zu gärtnern, ist ziemlich entspannt und liegt, wie gesagt, im Trend. Denn naturnahe Gärten sind immer auch insektenfreundlich. Und das ist, wenn man den einschlägigen Fachmagazinen folgen will, eine der Richtungen, in der immer mehr Hobbygärtner tätig werden. Damit verbunden machen sich immer mehr Gartenfreunde Gedanken über umweltfreundliches Werkeln. Sie verzichten bei der Anzucht von Pflanzen auf Plastiktöpfe und setzen auf selbst gemachte Töpfchen aus Zeitungspapier oder auf kompostierbare aus Kokosfasern. Sie meiden chemischen Pflanzenschutz und setzen lieber Brühen aus Schachtelhalm oder Brennnesseln an.

High-Tec-Trend "Smart GArden"

Ein weiterer Trend ist sehr high-tec: der Smart-Garden. Mähen und Gießen werden auf Knopfdruck erledigt und über Apps fürs Handy gesteuert. Auch in meinem Garten hat im vorigen Herbst die Technik Einzug gehalten. So kontrolliere ich Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus mittels eines Fühlers, der seine Daten per Funk an mein Handy sendet. Via App lässt sich so schnell entscheiden, ob bei sehr frostigen Nächten noch eine Zusatzheizung nötig ist. Das ist ganz schön praktisch.

Der vergangene Sommer, der mit extremer Trockenheit und Hitze aufwartete, führte dazu, dass Hobbygärtner sich vermehrt Gedanken machen, ob sie eine trockenheitsverträgliche Bepflanzung wählen, wenn sie ihren Garten oder auch nur einzelne Beete neu gestalten. Daher haben der Präriegarten, Kies- und Steingärten sowie einzelne Pflanzen wie die hitzetolerante Distel – aktuell die „Staude des Jahres 2019“ – immer mehr Sympathien gewonnen. Statt der Kulturformen (Kugel- und Edeldistel) werde ich persönlich es aber wohl mit der Karde versuchen. Übrigens vertragen die Disteln zwar hohe Temperaturen und sollten daher sonnig stehen, aber an den „Füßen“ mögen sie es frisch und feucht.

Grünpflanzen fürs Zimmer

Und wer keinen Garten hat, kann sich in der neuen Saison bei den Grünpflanzen fürs Zimmer umschauen. Denn die Beschäftigung mit Zimmerpflanzen, neudeutsch „Indoor Gardening“, liegt auch im Trend. Und passend zur neuen Welle der „Greenery“ (warum muss eigentlich immer alles mit englischen Wörtern benannt werden?), die die Innenarchitekten schon im vergangenen Frühling ausgerufen hatten, bestückt der trendbewusste Zimmergärtner seine Wohnung jetzt mit Grünpflanzen. Fröhliche Wiederkehr feiern gerade großblättrige Pflanzen, die meine Oma auch schon liebte: Gummibaum und Fensterblatt (Monstera). Gesundheitsbewusste achten bei der Auswahl der Zimmerpflanzen auch darauf, dass diese nicht nur gut aussehen, sondern gleich noch die Raumluft verbessern helfen. Ums regelmäßige Lüften kommt man aber natürlich trotzdem nicht herum. Denn magische Kräfte, mit denen sie die Luft rein halten könnten, besitzen Pflanzen nun mal nicht.

Von der Gesundheit zu Ernährungstrends ist es kein weiter Weg: Angesagt sind für die nächste Saison Beerenfrüchte als kulinarischer Gartentrend. Besonders Blaubeeren gelten ja als Superfood, also als supergesunde Nahrung. Wer solche Sträucher im Garten setzen will, sollte zwei Pflanzen verschiedener Sorten auswählen. Dann tragen sie reicher. Außerdem hält man Blaubeersträucher besser in Kübeln mit sauerer Rhododendronerde, falls man nicht ohnehin im ganzen Garten Moorboden hat. Meine Blaubeersträucher liefern schon seit Jahren ausreichend Früchte, um damit das Frühstücksmüsli und in den Hochzeiten auch mal eine Torte zu bereichern. Und pflegeleicht sind sie auch, weil man sie kaum mal beschneiden muss. Der Anbau lohnt sich also.

Bewährtes, das sich umzusetzen lohnt

Es gibt bei all den neuen Entwicklungen im Gartenbereich auch Bewährtes, was sich lohnt, umzusetzen. Beispielsweise bietet ein Gartenteich, und sei er noch so klein, nicht nur einen Ruhepol für den Hobbygärtner. Das Plätschern des Wassers und die Pflanzen rings um ein Wasserbecken locken viele Tiere an, unter anderem holen Bienen und Hummeln dort Wasser zum Kühlen ihrer Nester. Auch die Kräuterspirale und das Hochbeet für Gemüse und Kräuter bleiben weiterhin eine gute Möglichkeit, auf kleinem Raum viel zu ernten, und das auch noch rückenfreundlich. Viel Spaß und Spannung beim Planen der neuen Saison sind also schon garantiert, oder?

Die Autorin freut sich über Kritik, Anregungen und Fragen per E-Mail an christina.borchers(at)goslarsche-zeitung.de.