Samstag, 03.10.2020

Betriebspraktika zu Zeiten von Corona

Leserbrief

Alles ist anders seit dem Ausbruch der Pandemie: Nicht nur der Alltag steht Kopf, auch bei der Berufsorientierung wird es einem nicht wirklich leichter gemacht. Es ist auch so nicht einfach, einen passenden Praktikumsplatz zu finden. Zu den klassischen Fragen "Finde ich diesen Beruf überhaupt interessant?" oder "Hat der Betrieb überhaupt einen Platz für mich frei?", kommen jetzt auch noch Sorgen: "Hoffentlich kann ich trotz Corona meinen lang auserwählten Praktikumsplatz auch behalten." 

Hoher Stellenwert

Die Corona-Zahlen steigen und die Betriebe wollen zum Winter auf Nummer sicher gehen. Hygienekonzepte und Sicherheitsmaßnahmen stehen an erster Stelle. Auch die Goslarsche Zeitung hat es nicht leicht: „Praktikanten haben bei uns einen sehr hohen Stellenwert – sowohl Schüler als auch Studenten“, erklärte Jörg Kleine, Chefredakteur unserer Zeitung.

„Schließlich wird es auch für Medienhäuser allgemein schwieriger, junge Menschen für diese Berufe zu begeistern. Die Corona-Pandemie setzt uns aber neue Rahmenbedingungen“, so Kleine. Es gehe um den gesundheitlichen Schutz der Mitarbeiter und der Praktikanten. Deshalb musste sich die Redaktion der Goslarschen Zeitung entschließen, das Angebot für Praktikumsplätze erheblich zurückzufahren, solange die Corona-Beschränkungen erforderlich sind. Das bedeutet, dass maximal ein Praktikantenplatz für die Phasen der Schülerpraktika vergeben werden kann. „Diesen Einschnitt bedauern wir sehr und hoffen natürlich, dass wir diese Phase gemeinsam alsbald überstanden haben“, fügte Kleine abschließend hinzu.

So wird die Suche für Schülerinnen und Schüler zu einer Berufs-Odyssee. Die Berufsorientierung erfolgt in der Oberschule Braunlage in den Klassen 9 und 10 innerhalb des sogenannten AW- und BOM-Unterrichts (Arbeit und Wirtschaft und Berufsorientierende Maßnahmen) sowie im Rahmen eines betrieblichen Praktikums. Nach den Herbstferien wäre es schon so weit, dass das dreiwöchige Praktikum losgehen könnte. Doch noch nicht alle Schülerinnen und Schüler haben einen Platz sicher oder warten noch auf eine endgültige Bestätigung.

Keine Berufs-Messen

Dieses Jahr wären es 28 Kinder beziehungsweise zwei Klassen in der Betreuung, erklärte die AW-Lehrerin, Kirsten Bernhardt. „Ganz zu Anfang kam natürlich die Frage auf, was machen wir dieses Jahr mit den Praktika? Ausfallen lassen wäre eigentlich keine Option. Wichtig ist einfach, dass die Kinder die Möglichkeit bekommen, Praxiserfahrung zu sammeln“, betonte Bernhardt. In der Pflege, in Kindergärten und der Gastronomie käme es zu häufigen coronabedingten Absagen. Die Jahre zuvor gab es die Möglichkeit ein Praktikum auch mal zu stückeln, das bedeutet, eine Woche in einem Betrieb und die anderen Wochen in einem anderen. „Dieses Jahr habe ich keinen Schüler, der es geschafft hat, mehr als einen Betrieb für sich zu gewinnen“, erklärte Bernhardt.

Berufsorientierungs-Messen werden wegen Hygienemaßnahmen teilweise nur online ablaufen, wie die „Vocatium-Messe“, bei der Schülerinnen und Schüler die Chance haben mit Menschen zu sprechen, die genau die Berufe erlernten, für die sie sich interessieren. „Die Hemmschwelle für Kinder ist natürlich groß, sich online mit den einzelnen Betrieben zu verabreden. Wir geben uns aber alle Mühe die Schüler dabei zu unterstützen“, betonte Bernhardt. Das Interesse für Berufe wäre bunt gemischt, von Polizei bis Pflege wäre alles dabei.

Lange Suche

Leah Holtz, Schülerin der Berufsbildenden Schule 1 in Goslar, ist sehr zufrieden, dass sie endlich ihr lang ersehntes Jahrespraktikum, in der Tourist-Information Braunlage, absolvieren kann. Die Suche nach einem Jahrespraktikumsplatz sei zu Zeiten von Corona äußerst schwierig gewesen, erwähnte Leah. Sie habe sich bei rund zehn verschiedenen Betrieben im Bereich Wirtschaft beworben. „Die meisten Absagen habe ich wegen Corona erhalten. Durch die Hilfe meines Stiefvaters habe ich endlich die Praktikumsstelle bei der Touristinformation Braunlage bekommen. Als ich den Arbeitsvertrag unterschrieben habe, war ich einfach nur erleichtert“, erklärt die Praktikantin.









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