Freitag, 17.05.2019

Beim Thema "Spoiler" kochen die Emotionen

Leserbrief

Das Verb „to spoil“ kann im Englischen viele Bedeutungen haben. Die jüngste ist wohl die umgangsprachliche Verwendung, wenn wir damit ausdrücken möchten, dass uns jemand den Spaß an einem Film, einer Serie oder Buch verdirbt, indem er uns wichtige Details der Handlung verrät – also, eingedeutscht „spoilert“

Denn in die deutsche Umgangssprache hat es das Wort schon seit Längerem geschafft. Die Diskussion darüber, ob spoilern in Ordnung ist oder nicht, dürfte wahrscheinlich so alt sein wie die Unterhaltungsmedien selbst. Dass spoilern körperliche Konsequenz haben kann, musste vor Kurzem ein Kinobesucher in Hongkong feststellen: Er wurde von „Avengers“-Fans verprügelt, nachdem er diesen Spoiler zum aktuellen Film zugerufen hatte. Timing spielt also auch eine Rolle.

Thema mit Grauzonen:

Wie vielfältig und differenziert die Meinungslage zu dem Thema ist, zeigt eine Umfrage bei GZ-Facebook-Usern. So viel kann schon mal vorab verraten werden – es ist gibt viele Grauzonen.

Monika Beuse: Ich meide aktuell montags das Internet, da ich bei „Game of Thrones“ nicht gespoilert werden möchte. Es wäre zwar kein Weltuntergang, aber es selber zu sehen, ohne schon die Hälfte zu wissen, macht natürlich mehr Spaß. Vorsorglich schauen wir die letzte Folge gleich beim Erscheinen, damit wir keine Gefahr laufen, gespoilert zu werden.

Thomas Horn: Spoilern mit Vorwarnung ist okay, wenn die Spoiler erst im geöffneten Beitrag ersichtlich sind. Dann kann jeder für sich entscheiden, ob er luchst oder nicht.

Ronja Schelm: Spoiler machen den Wow-Effekt kaputt. Dieses „Damit hab ich jetzt nicht gerechnet!“ was einen Film/Serie oft ausmacht. Man ist nicht so gefesselt, weil man weiß, dass jemand zum Beispiel in der nächsten Szene stirbt. Das Internet meide ich deswegen nicht.

Tobias Boggel: Also ich bin froh das ich nicht diese Probleme habe, weil ich nach Feierabend was besseres zu tun habe als Fernsehen zu gucken. Außerdem kommt da eh nichts Vernünftiges außer „Hartz4-TV“ wofür ich auch noch viel Geld bezahlen muss.

Die Online-Beiträge wurden, wo nötig, sinnvoll gekürzt und redaktionell bearbeitet.

 

Und das halten GZ-Mitarbeiter von Spoilern:

Marieke Düber muss das Ende immer zuerst wissen

Jetzt muss ich es gestehen: Ich lese tatsächlich Spoiler. Absichtlich. Gerade bei Serien, die viel früher in den USA als in Deutschland gezeigt werden, kann ich nicht widerstehen. Ich bin einfach viel zu ungeduldig und neugierig, um abwarten zu können. Schon als Kind habe ich bei Büchern meist die letzte Seite zuerst gelesen – laut meiner Mutter übrigens eine Eigenschaft, die ich mit meinem Vater teile. Es liegt mir also in den Genen. Und als vor zwei Jahren die Inhalte der siebten Staffel „Game of Thrones“ geleakt wurden, habe ich die Spoiler geradezu verschlungen. Trotzdem verderben mir die Infos nicht den Spaß an Serien oder Büchern, im Gegenteil: Es fasziniert mich, wie sich die Entwicklungen gestalten, wie Charaktere dann an diesem bestimmten Punkt ankommen. Hin und wieder versuche aber auch ich, ohne Spoiler auszukommen. Wie bei der aktuellen Staffel „Game of Thrones“: Ausnahmsweise hab ich mir hier das Lesen von Spoilern verkniffen. Auch wenn das für mich bedeutet hat, jeden Montagmorgen um 6 Uhr aufzustehen und die neue Folge zu schauen, um im Laufe des Tages nicht in Versuchung zu kommen.  Marieke Düber

Hendrik Roß fordert etwas mehr Selbstdisziplin

Spoilern ist einfach nur lästig. Und ich schätze, dass es den meisten Menschen tierisch auf den Geist geht. Das merkt man auch bei der Berichterstattung. Artikel über Folgen der finalen Staffel von „Game of Thrones“ werden nur mit fettem Spoiler-Alarm veröffentlicht. Das ist auch gut so. Ich kann Menschen nicht verstehen, die jahrelang sehnsüchtig immer wieder auf die nächste Staffel und dann wochenlang immer wieder auf die nächste Folge dieser Serie gewartet haben und sich nun, ganz kurz vor dem Ziel, selbst diesen Nervenkitzel nehmen und vorher nachlesen, was passiert. Die Folgen verlieren sämtlichen Unterhaltungswert und die Spannung. Das ist so, als ob man seine Weihnachtsgeschenke selbst kauft oder eine Überraschungsparty für den eigenen Geburtstag plant – bloß nicht zu viel Unerwartetes. Das ist doch langweilig!

Also traut euch, Spoiler zu ignorieren. Etwas Selbstdisziplin schadet auch Serienjunkies nicht. Immer dran denken: Es gibt Menschen, die es schaffen, jeden Samstag die Bundesliga-Ergebnisse nicht zu erfahren, bis die Sportschau anfängt. Und das ist wirklich eine harte Nuss. Hendrik Roß

Svenja Paetzold-Belz will selbst entscheiden

Es geht nicht mit, es geht nicht ohne: Ich habe ein ziemlich gespaltenes Verhältnis zu Spoilern. Einerseits ärgere ich mich, wenn ich ohne Vorwarnung darauf stoße. Dabei geht es mir weniger darum, dass die große Überraschung verloren geht. Ich versuche nämlich gerne, das Ende selbst vorherzusehen. Serienautoren – zumindest gute – nutzen Stilmittel wie Vorausdeutung oder Subtext, um den Zuschauern im Laufe der Geschichte schon Hinweise zu geben, worauf alles hinauslaufen soll. So kommt die Enthüllung zwar überraschend, erscheint dem Publikum im Nachhinein aber plausibel. Diese Hinweise zu finden und zu deuten, macht mir Spaß.

Andererseits können mir fiktive Personen ziemlich ans Herz wachsen. Da fällt es schon schwer, die dunkelsten Stunden meiner Lieblingscharaktere zu ertragen. Besonders, wenn der Autor Stilmittel zur Vorausdeutung so clever eingesetzt hat, dass ich mir über das mögliche Ende unsicher bin. Da kommt es vor, dass ich nachschaue, was passieren wird und freue ich mich, wenn ich richtig lag. Entscheiden, wann ich Spoiler lese, möchte ich aber selbst. Svenja Paetzold-Belz

Julian Belz ist Dr. Spoiler und Mr. Hyde

Spoiler sind für mich hin und wieder echt nervig. Am meisten stören sie mich, wenn ich gerade richtig drin stecke in der Story. Soll heißen: Die eigenen Theorien über Charakter- und Plotentwicklung beschäftigen mich über das Lesen oder Sehen hinaus. Die nächste Gelegenheit, weiter zu lesen etc., kann gar nicht früh genug kommen. Ich diskutiere und tausche mich mit anderen aus, die in der gleichen Situation stecken. Und dann – ob Zufall oder nicht sei dahin gestellt – blökt irgendwer Details aus, die zu viel über die Geschichte und ihren Fortgang preisgeben – spoilert also vom Feinsten. Da möchte man fast das ungute Gefühl, das solche plötzlichen Enthüllungen in der Magengegend verursachen können, mit geschlossenen Händen zurück geben. Das mache ich natürlich nicht, sondern streiche die betreffende Person innerlich von meiner Weihnachtskartenliste. Andererseits habe ich bestimmt auch schon mal jemandem durch zu viel Info aus Versehen eine Story verdorben. Wer weiß? Das Gedächtnis ist ja ein so tolles Sieb, das es die eigenen Patzer durchlässt und die der Anderen auffängt und hervorhebt. Julian Belz

Finn Ole Sattler findet, man sollte nicht wild drauflos spoilern

Spoilern. In Zeiten des Internets ist es jedoch immer schwieriger, ihnen auszuweichen. Gerade in jüngerer Vergangenheit, in welcher wir mit der finalen Staffel „Game of Thrones“ wohl das Fernsehhighlight und mit dem aktuellen Teil der „Avengers“-Saga wohl das Kinohighlight des Jahres beschert bekamen, mussten und müssen wir uns überall vor Spoilern in Acht nehmen. Doch nehmen Spoiler mir wirklich den Spaß an einem Film oder einer Serie? Nun, ich bin im Normalfall niemand, welcher sich freiwillig Spoiler durchliest, und gerade in Fällen, in denen ein gewisser Hype um etwas besteht, fände ich es schade, durch Spoiler im Vorfeld nicht wirklich mit dem Rest einer Zuschauerschaft mit den Figuren mitfühlen zu können. Sie nehmen mir jedoch auch nicht das Vergnügen an einem Film oder Sonstigem, da die Entwicklung zum eigentlichen Klimax der Geschichte, welcher einem eventuell gespoilert wurde, genauso interessant sein kann wie eben dieser Höhepunkt selbst. Trotzdem ist mein Appell: Leute, spoilert nicht einfach wild drauflos, es könnte jemandem den Spaß nehmen.  Finn Ole Sattler








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