Freitag, 26.04.2019

Bei den tanzenden Hexen sind sich die Länder schon einig

Leserbrief

Goslar. „Nachdem wir gestern Abend angekommen sind, haben wir uns noch etwas in der Stadt umgeschaut“, erzählt Deimante Riepsaite in tadellosem Englisch. Sie und drei weitere Jugendliche sind auf Einladung von Pulse of Europe Goslar in die Kaiserstadt gekommen. Die Stadt sei schön, vor allem die alten Häuser und sehr sauber, fasst Nojus Gipas den abendlichen Ausflug zusammen.

Am folgenden Morgen waren sie zwar noch recht müde, doch die Begegnung mit den Schülern am Christian-von-Dohm-Gymnasium habe wach gemacht. Einige Stunden Unterricht haben die Vier dort mitgemacht, begeistert waren sie vom Fach Politik. „Die deutschen Jugendlichen sind dadurch politisch sehr gut informiert und auch interessiert. In Litauen gibt es das Fach nicht. Politik ist Teil des Geschichtsunterrichts und wird eher am Rand behandelt“, vergleicht Riepsaite die Schul-Systeme.

Viele Gemeinsamkeiten

Und dafür sind die Jugendlichen aus Litauen nach Goslar gekommen, um andere junge Europäer und ihren Alltag kennenzulernen, ihre Sichtweisen auf Europa auszutauschen und Inspiration für das eigene Engagement daraus zu ziehen. „Wir schätzen die EU und wofür sie unserer Meinung steht: für Einheit, Solidarität und Sicherheit“, sagt die 16-jährige Luka Ramantuskaite.

Goslars vielfältige Vergangenheit wird bei der Stadtführung lebendig.

Bei einer Stadtführung besuchen sie die Kaiserpfalz, die Domvorhalle und Großes Heiliges Kreuz. Mit dabei sind auch Teilnehmer des YouTube-Projekts des Jugendzentrums B6, die die litauischen Jugendlichen auf dem Marktplatz interviewen. In den Souvenir-Läden fallen die vielen Harzer Hexen auf – der unvermeidbare Hinweis auf Goethes „Faust“ und den sagenhaften Hexentanz zu Walpurgis auf dem Brocken, auch genannt Blocksberg, fällt. Da zeigen sich auf einmal ganz andere europäische Gemeinsamkeiten: „In Litauen haben wir auch einen Hexen-Tanz-Berg. Bei Klaipeda, in der Nähe von Joudkrante (zu Deutsch „schwarze Küste“, auch Schwarzort) liegt er auf einer großen Düne auf der Kurischen Nehrung“, berichtet Nojus Gipas. Wie es scheint, sind sich die europäischen Hexen schon einig. Und mit denen sollte man sich bekannterweise ja nicht anlegen.








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