Mittwoch, 13.03.2019

Bei Arnd spürt man ständig seine Lockerheit

Was war das für ein Rennen: Dank einer fehlerfreien Leistung am Schießstand hat Arnd Peiffer sensationell die Goldmedaille im Einzelrennen bei der WM in Östersund gewonnen. Für ihn freut es mich ungemein, da er seit Jahren konsequent seinen Weg geht.

Entscheidend war für mich die Ruhe und Gelassenheit, mit der er ins Rennen gegangen ist. Ich will nicht sagen, dass es ein Selbstläufer war, aber seit seinem Olympiasieg im Sprint spürt man ständig seine Lockerheit. Dazu hat sicherlich auch sein privates Glück beigetragen, die Hochzeit und die Geburt seines Kindes haben viel Kraft gegeben. Er wirkt auf mich mit sich im Reinen – das merkt man derzeit bei jedem Rennen.

Dank des Erfolges von Arnd kann sich die Medaillenausbeute schon jetzt sehen lassen. Im Damensprint waren Licht und Schatten nah beieinander, und die Männer haben ein geschlossen starkes Mannschaftsergebnis abgeliefert, nur leider fehlte das letzte Quäntchen fürs Podium.
Das Verfolgungsrennen der Frauen war erneut beste Werbung für diesen Sport und hat gezeigt, wie nah Sieg und Niederlage beieinander liegen. Die Führende Mona Brorsson muss beim letzten Schießen viermal in die Strafrunde abbiegen und am Ende heißt die neue Weltmeisterin Denise Herrmann. Bei aller Freude über diesen tollen Triumph einer Freundin habe ich auch mit der Schwedin gelitten. Ich weiß nicht, wann sie zum letzten Mal vier Fehler geschossen hat, aber auf jeden Fall verdeutlicht es, wie hoch der Druck beim letzten Schießen ist.

Aber noch einmal zu Denise – das war beeindruckend. Sie hat das Rennen von Beginn an offensiv gestaltet, ihre Konkurrentinnen unter Druck gesetzt und am Ende kühlen Kopf bewahrt. So spielt man seine Stärken aus und wird verdient Weltmeister.

Auch Laura Dahlmeier hat mich stark beeindruckt. Sie ist definitiv nicht in Bestform, gesundheitlich angeschlagen und hat ganz konsequent die Mixed-Staffel ausgelassen, um sich dann mit zwei Einzelmedaillen zu belohnen. Laura wusste, dass dies nur über eine tadellose Schießleistung gelingen konnte und hat den Schalter umlegen können.

Bei den Männern gab es den fast erwarteten Favoritensieg von Johannes Bö im Sprint und ein paralleles Nervenflattern beim letzten Schießen. In der Verfolgung haben wir die erste dicke Überraschung gesehen, denn auf Pidrutschnyj hätte wohl kaum jemand gewettet.
Unsere Herren haben sich gut aufgestellt gezeigt, und dank Arnd Gold gewonnen. Bei Erik Lesser habe ich im Verfolger nach dem Liegendschießen schon die Bilder von 2015 im Kopf gehabt, aber in diesem engen Feld darf man sich keine Fehler leisten.

Bei aller Euphorie schwebt ein Thema über dem Wintersport, was ich nicht unkommentiert lassen möchte – Doping. Dazu stelle ich ein paar provokante Fragen: Sind die Testverfahren auf dem neuesten Stand? Werden auch unangenehme Ergebnisse zu 100 Prozent transparent kommuniziert? Ich bleibe optimistisch und hoffe auf starke Aufklärungsarbeit. Restriktives Vorgehen und Sozialkompetenz sind die Wege, die ich sehe, um den Sport das sein zu lassen, was er ist: die schönste Nebensache der Welt!

Daniel Böhm (32) vom SC Buntenbock war Weltmeister mit der deutschen Staffel 2015 und holte 2014 Olympia-Silber. Böhm lebt jetzt in Fischbachau bei Rosenheim und wird für die GZ in lockeren Abständen die Biathlon-Saison begleiten.