Dienstag, 30.10.2018

Bedrückte Stimmung nach „heftigen Bildern“

Leserbrief

Goslar. Der Film, der mehr Fragen aufwirft als er beantwortet: So kündigte Regisseur Dirk Szuszies die Dokumentation „Wir sind Juden aus Breslau“ an. Deswegen sei es ihm auch so wichtig, mit dem Publikum, insbesondere den Schülern ins Gespräch zu kommen und das Gesehene nachzubereiten.

Nachdem der Abspann des Filmes über die Leinwand flackerte, herrschte im Kinosaal zunächst eine bedrückte Stimmung. Doch bald tauschten sich die Schüler über die Dokumentation aus. Shirley Büchner fand es gut, dass die Dokumentation verschiedene Perspektiven auf den Holocaust zeigt und 14 Überlebende porträtiert, deren Sichtweisen sich auf das Erlebte unterschieden.

„Die Bilder aus den Konzentrationslagern waren heftig“, sagt Michael Exner. Der 22-Jährige fand es beispielsweise krass, dass damals extra Musik gespielt wurde, um damit die Menschenschreie zu übertönen oder dass sich sogar schon Jugendliche lieber mit Gift umbringen wollten, als im KZ zu sterben.

Sophie Liebke
 Schockiert haben Sophie Liebke ebenfalls die „Gruselbilder“ von KZ-Opfern. Der Film verwendete viele Originalaufnahmen von damals, die die Grausamkeiten und die Auswirkungen auf den Menschen ungeschönt zeigten. Larissa Fegebank ist von den Einzelschicksalen berührt und fand es schlimm, wie die Familien auseinander gerissen wurden.

Die Dokumentation hat den Schülern ebenfalls vor Augen geführt, wie weit Antisemitismus auch heutzutage noch in Europa verbreitet ist. „Das denkt man gar nicht“, sind sich die jungen Erwachsenen einig. Die vier stecken gerade in ihrer Ausbildung zum Erzieher an den Berufsbildenden Schulen Baßgeige. Die 23-jährige Larissa erklärt, dass sie in diesem Beruf auch eine Vorbildfunktion den Kindern gegenüber hätten. „Darum müssen wir ihnen Demokratie vorleben“, sagt sie in Bezug auf ihre Verantwortung.

Michael Exner
Michael fasst zusammen, dass der Film ein schwieriges Thema behandelt und uns auch wachrütteln sollte, dass wir vermehrt etwas gegen Rassismus tun müssen. „Gerade wir als junge Generation“, sagt die 20-jährige Shirley. Doch gesagt heißt nicht gleich getan. Die vier stellen fest, dass es nicht immer so leicht ist, gegen Rassismus etwas zu tun. Oft fehle einfach die Zeit, sagen die Azubis.

Parallelen zu früher

Regisseur Szuszies zieht Parallelen zu damals: Den Juden damals wurde oft vorgehalten, dass sie sich nicht richtig gegen den Holocaust gewehrt hätten. Doch dass das auch so leicht war, konnten viele nicht verstehen. Die Schüler, die sich im Goslarer Theater die Dokumentation angesehen haben, werden die Bilder sicherlich noch einige Zeit im Kopf behalten. Vielleicht prägen diese sie auch so weit, dass sie überlegen, sich doch Zeit zu nehmen, und sich für die Vielfalt einzusetzen. cok








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