Freitag, 12.10.2018

Beängstigende Zeiten (nicht) für Jungs?

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Im Club das Getränk nicht aus den Augen lassen und öffentliche Verkehrsmittel nach 19 Uhr meiden: In ihrem online viral gegangenen Song „A scary time“ singt die Texanerin Lynzy Lab von Ängsten, die sie im Alltag begleiten. Gleichzeitig parodiert sie mit ihrem Lied eine Aussage von US-Präsident Donald Trump. Denn der hatte vor Kurzem gesagt, für junge Männer sei es momentan eine beängstigende Zeit in Amerika. 

Schließlich könnte es ihnen heutzutage schnell passieren, für etwas beschuldigt zu werden, was sie gar nicht getan hätten. Trump bezieht sich damit auf die sexuellen Übergriffe, die mehrere Frauen dem US-amerikanischen Richter Brett Kavanaugh vorwerfen. Es steht Aussage gegen Aussage.

Damit solidarisiert sich Trump mit dem mutmaßlichen Täter, statt der anderen Seite Gehör zu schenken. Mit ihrem Song zeigt Lynzy Lab, wie sehr Trump am Alltag von Millionen Frauen weltweit vorbeiredet. Denn natürlich ist es ein kollektives Ich, von dem die Texanerin da, begleitet von sanften Ukuleleklängen, erzählt.

Vielen Frauen fällt es gar nicht auf, wie sehr sie im Alltag ihre Sicherheit mitbedenken. Auch im 21. Jahrhundert meinen manche noch immer, man könne Belästigungen mit Diskussionen über Kleidung oder Alkoholpegel der Frau relativieren. Solche scheinbaren Kleinigkeiten reiht Sängerin Lab aneinander, um zu zeigen: Es gibt da ein größeres Problem. Sie ist bei Weitem nicht die Erste, der das auffällt. Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass der Hashtag #metoo zur weltweiten Bewegung avancierte.

Unter #metoo liest man nicht nur grauenhafte Geschichten von Vergewaltigungen. Es wird auch deutlich, dass Belästigungen und Sexismus, vor allem gegenüber Frauen, noch immer ein Problem sind – ein strukturelles und ein komplexes. Denn eigentlich geht es in der (Sexismus-)Debatte nicht nur um Grapschen, Pfiffe und angebliche Komplimente, sondern um persönliche Grenzen und Empathie. Wer sich gegen einen Spruch unter der Gürtellinie wehrt, kriegt selten eine Entschuldigung zu hören. Viel öfter dagegen: „Hab‘ dich doch nicht so. Das war ein Spaß.“ Ja. Aber nicht für beide ist er lustig – genauso wenig die Situationen aus Labs Song.









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