Freitag, 04.10.2019

Bäume vor Sturm schützen, aber wie?

Mit dem Herbst kommen auch wieder Stürme. Immer wieder kommt es dabei zu Schäden an Bäumen, und das nicht nur im Wald oder an den Straßen. Auch Obstbäume sind gefährdet, wenn sie nicht gut gepflegt oder schon altersschwach sind.

Neben den Gefahren für den eigenen Garten muss man auch an möglich Sachschäden beim Nachbarn denken, bricht ein dicker Ast ab oder stürzt gleich der ganze Baum um. Damit das nicht passiert, heißt es, verantwortlich zu handeln und die Pflege von Obstbäumen nicht zu vernachlässigen.

In meinem Garten steht beispielsweise eine Mirabelle, deren Krone ich regelmäßig auslichte. Gerade Mirabellenholz ist auch in gesundem Zustand ziemlich brüchig, so dass das Auslichten unerlässlich ist. Schließlich soll mir nichts auf dem Kopf fallen...

Wer sich den Baumschnitt nicht selbst zutraut, kann Sturmschäden trotzdem vermeiden: Regelmäßige Kontrollen sollten selbstverständlich sein. Befinden sich viele tote Äste in der Krone (zu erkennen am Fehlen von Laub und Früchten), sollten sie von einem Baumpfleger herausgeschnitten werden. Bei Bäumen, die bereits kränkeln, braucht der Gärtner eine gewisse Erfahrung, um einzuschätzen, ob er noch standsicher ist oder lieber gefällt werden sollte. Bei kleineren Bäumen kann man das mit einem einfachen Test feststellen: Als mein alter Apfelbaum krank wurde, habe ich jedes Jahr mehrfach am Stamm geschoben und gerüttelt. Als der Baum immer wackliger wurde, griff ich zur Säge. Das ist natürlich bei einer hochstämmigen Kirsche so nicht zu machen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte einen Baumgutachter hinzuziehen. Dieser kann beurteilen, wie standsicher er ist.

Krone auslichten

Manchmal muss man nicht mehr standsichere Bäume nicht gleich fällen: Es reicht, die Krone auszulichten oder insgesamt zu kürzen, damit sie weniger Windangriffsfläche bietet. Wenn aber schon der Stamm oder die Wurzeln faulen, ist es sicherer, den Baum zu fällen.

Eins ist aber Tatsache: Auch der gesündeste Baum ist nicht vor Sturmschäden sicher. Bäume haben zwar Strategien gegen stark Wind entwickelt wie elastisches Holz, so dass der Stamm im Wind hin und her schwankt. Dadurch werden der Luftwiderstand und der Druck auf den Wurzelballen verringert. Bei Orkanen oder schweren Stürmen reicht das aber nicht immer aus.

Jetzt fragt sich mancher, ob es denn sinnvoll ist, noch im Herbst den alten Obstbaum zu schneiden. Denn althergebrachtes Gärtnerwissen geht davon aus, dass Obstbäume und Sträucher erst im Spätwinter oder im frühen Frühjahr geschnitten werden, weil die Pflanzen dann noch in der Ruhezeit sind und wenig Saft führen.

Dazu hat es in jüngerer Zeit neue Erkenntnisse gegeben. Jetzt gehen Experten davon aus, dass Gehölze und Bäume grundsätzlich zu jeder Jahreszeit geschnitten werden können. Es ist sogar so, dass größere Schnittwunden besser verheilen, wenn der Baum oder der Strauch noch nicht in der Ruhezeit ist. Allerdings dürfen Hecken und Sträucher laut Bundesnaturschutzgesetz zwischen Ende März und Ende September nicht stark zurückgeschnitten oder „auf den Stock gesetzt“, also bodengleich abgeschnitten werden.

Grundsätzlich gilt: Je früher im Winter oder Herbst die Obstbäume geschnitten werden, desto stärker treiben sie im Frühling wieder aus. Dies führt aber zu einer geringeren Blütenbildung und damit zu einem geringeren Fruchtansatz. Deshalb sollten vor allem stark wachsende Apfel-, Birnen- und Quittenbäume erst im Spätwinter geschnitten werden. Kirschbäume werden dagegen direkt nach der Ernte geschnitten, um ihr Wachstum zu bremsen.

Zum Thema Baum- und Gehölzschnitt gibt es im Buchhandel aber auch reichlich Literatur und im Internet ausführliche Anleitungen, unter anderem bei youtube oder auf den Seiten von Gartenmagazinen.