Montag, 07.10.2019

Backofen mit der Sondereinstellung Krematorium

Leserbrief
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Eigentlich bin ich ziemlich stolz darauf, eine recht gute Bäckerin zu sein: Ob Kuchen, Torten oder Muffins, meist gelingen sie mir tatsächlich ziemlich gut. Das muss ich bei aller Bescheidenheit mal zugeben. Und Spaß habe ich auch noch dabei, aus ein paar einfachen Zutaten etwas zu zaubern, das dann hoffentlich noch jemand anderem Freude bereitet.

Logischerweise hab ich mich also freiwillig als Bäckerin eines Geburtstagskuchens für einen Kumpel gemeldet, der kürzlich 30 Jahre alt wurde. Dreistöckig sollte er sein, bestehend aus Schokoladenböden, gefüllt mit Karamell-Buttercreme und ummantelt mit einer Schokoladenganache. Allein durch die Beschreibung nehme ich übrigens gefühlt drei Kilogramm zu.

"High-Tech" in der elterlichen Küche

Als Einsatzort hatte ich die Küche meiner Eltern auserkoren. Nicht nur, dass der Herd dort ein wenig mehr „High-Tech“ ist, meine Mutter hat außerdem eine Küchenmaschine, die einem das Rühren abnimmt. Also los ging es, und der erste Boden gelang mir genauso gut, wie ich es mir erhofft hatte. Beim zweiten Durchgang wollte der Teig dann aber irgendwie nicht so wie ich. Obwohl er lange genug im Ofen war, wurde er einfach nicht fest. Ich stieß regelmäßig Spieße rein, um zu testen, ob er nun endlich fertig ist. Doch immer kamen sie mit Teigresten daran heraus. Dann kam meine vermeintlich brillante Idee: Auf einer höheren Schiene und nur mit Hitze von oben dürfte der Kuchen doch innerhalb von wenigen Minuten durchbacken. Fünf Minuten, das reicht sicher, dachte ich, stellte mir einen Wecker und verließ die Küche, um mich kurz um die Katze zu kümmern. Wäre ich doch mal lieber dageblieben, dann hätte ich das Übel vermutlich noch verhindern können. Aber so umsichtig war ich natürlich nicht. Der Wecker schrillte, ich ging zurück zur Küche, öffnete die Tür – und stand gefühlt im Tor zur Hölle. Überall war Rauch, aus dem Ofen qualmte es, ein beißender Geruch hing in der Luft.

Ein kremierter Kuchen

Was ich für die Einstellung „Oberhitze“ gehalten hatte, stellte sich als Grill heraus – oder, wie ich es jetzt nenne, die Krematoriums-Einstellung. Der Kuchen war komplett verbrannt. Ich hielt die Luft an und versuchte, Schadensbegrenzung zu betreiben: Schnell die Fensterbänke leer, die Fenster aufgerissen, Ofen aus, Kuchen raus, und dabei bloß keinen Rauch einatmen. Dann schepperte auch noch der Rauchmelder los, den ich nur mit Mühe und Not ausschaltete.

Nebenbei rief ich noch schnell meine Mutter an und warnte sie vor der Katastrophe. „Na, hoffentlich kommt jetzt nicht gleich die Feuerwehr“, unkte sie. Das hätte mir noch gefehlt, neben einem versauten Kuchen, einer verrauchten Küche und mir als stinkendem Räucherlachs. Zum Glück kam aber kein Einsatzwagen, und nach langem Lüften konnte ich den Kuchen fertig backen. Der kam auch wirklich gut bei meinen Freunden an und ich bekam viele Komplimente dafür. Ende gut, alles gut – auf das Küchendrama hätte ich aber dennoch gerne verzichtet. Eure Marieke








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