Montag, 04.02.2019

Avril Lavigne: „Ich hatte das Gefühl, dass ich ertrinke“

Leserbrief

Nach gesundheitlich desaströsen Jahren ist Avril Lavigne (34) nun weitestgehend wiederhergestellt und heiß darauf, auf „Head Above Water“, ihrem ersten Album seit mehr als fünf Jahren, musikalisch vom Drama ihres Lebens zu künden.

Avril Lavigne ist auf die ganz harte Tour erwachsen geworden. „Eines Nachts habe ich geglaubt, ich sterbe. Und irgendwie hatte ich meinen Frieden mit dem Tod gemacht“, sagt sie, mehr als drei Jahre nach dieser traumatischen Erfahrung. „Meine Mutter lag neben mir im Bett und hielt mich fest. Ich hatte das Gefühl, dass ich ertrinke.“ Mit letzter Atemkraft habe sie zu Gott gebetet, dass er ihr helfen möge, ihren Kopf über Wasser zu halten. „In diesem Moment“, so Lavigne, „begann mein Songwriting für das neue Album. Es war so, als wäre ich auf eine sprudelnde Quelle gestoßen. Das war ein unerwarteter Moment der großen Befreiung. Die Worte und Melodien sprudelten ab diesem Zeitpunkt unablässig durch mich durch.“

Verwegene Schilderung

Nun klingt die Schilderung, in einem Moment mit dem Leben abgeschlossen zu haben und im nächsten gleich wieder an die Arbeit zu denken, etwas verwegen. Aber so erinnert sich die 34-Jährige nun einmal an das Geschehen, und so wird sie nicht müde, es zu erzählen.

Man muss etwas ausholen bei der Geschichte von Avril Lavignes sechstem Album „Head Above Water“: Lavigne war sehr krank. Während ihrer Tournee 2013 muss sie eine Zecke gebissen haben, sie fühlte sich schwächer und schwächer. Doch bis die Diagnose „Lyme-Borreliose“, eine Form der Hirnhautentzündung, Ende 2014 endlich feststand, verging viel Zeit. „Ich war erleichtert, als ich endlich wusste, was los ist“, sagte sie jüngst dem britischen „Guardian“, aber sie sei auch verärgert gewesen, dass man die Krankheit nicht früher festgestellt hatte.

Langsame Genesung

In den folgenden zwei Jahren verbrachte sie einen Großteil ihrer Zeit zu Hause in Beverly Hills im Bett, umsorgt von ihrer Mutter. Die Genesung schritt in Trippelschritten voran, es dauerte, bis die Antibiotika wirken.

„Aber die Zwangspause hat mich wirklich zur Ruhe kommen lassen und mir geholfen, meine Gefühle zu Papier zu bringen. So wie früher, als ich Tagebuch schrieb. Das war ein tröstendes Gefühl und sicher eine Form der Heilung.“

Am Komponieren beteiligt

Sie schleppte sich ans Piano, wann immer sie konnte. Avril Lavigne war – entgegen der verbreiteten Überzeugung – nie ein Plattenfirmen-Püppchen, sondern immer schon maßgeblich am Komponieren der eigenen Lieder beteiligt. So federführend wie bei „Head Above Water“ jedoch war sie noch nie. „Vor allem empfinde ich die Songs als sehr ehrlich und aufrichtig“, sagt Lavigne. „Ich hatte so viel Zeit, dass ich mir selbst wirklich sehr nah gekommen bin. Ich verheimliche nichts, ich erzähle darüber, wie es mir in den vergangenen Jahren ergangen ist, was in meinem Leben passiert ist.


Die neuen Lieder haben nicht mehr viel mit der alten Avril gemeinsam. Mit der Avril, die 2002 noch nicht ganz volljährig war, als sie mit ihrem Debüt „Let Go“ sowie den Singles „Complicated“ und „Sk8ter Boi“ für Millionen vor allem weiblicher Teenager eine lebensnähere Identifikationsfigur abgab als etwa eine Britney Spears.

Keine Teenager-Hymnen

Das ging noch ein paar Jahre gut, irgendwann allerdings klaffte die Schere zwischen Teenager-Hymnen wie „Girlfriend“ (2007, ihre einzige Nummer Eins in den USA) oder „Here’s To Never Growing Up“ zu weit auseinander. Avril verrannte sich in dem Bemühen, in ihrer Musik für immer 17 zu bleiben und in ihrem Leben schon lange kein Kind mehr zu sein.

Auf „Head Above Water“ ist die Unbeschwertheit der bisherigen Avril verschwunden. Auch die Berufsjugendlichkeit ist passé. Endlich klingt ihre Musik nicht mehr halb so alt, wie sie ist.








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