Mittwoch, 19.06.2019

Autogramme von Micalef, Lemay, Köppchen und Co.

Leserbrief
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Für die "Aktion Bergretter" der Harzer Falken versteigert die Goslarsche Zeitung ein Trikot aus den besten Zeiten des Braunlager Eishockeys.

Die Autogramme der Stars von einst sollen dazu beitragen, dass das Eishockey im Harz überlebt. Für die „Aktion Bergretter“ der Harzer Falken versteigert die GZ ab sofort eine Rarität aus dem Nachlass ihres früheren Sport-Redakteurs Frank Saigge, der im Dezember 2016 nach schwerer Krankheit viel zu früh verstorben ist. „Es wäre ganz in Franks Sinne, wenn der Erlös dem Verein weiterhilft“, sagt seine Frau Angela Saigge, die eine mit Signaturen der Mannschaft übersäte Spielkleidung aus der Bundesliga-Saison 1998/99 zur Verfügung stellt – ein Trikot, das vorne den Schriftzug „Schierker Feuerstein“ und sonst zahlreiche große Eishockey-Namen trägt.

DEL-Urgestein

Beispiele gefällig? Auf dem linken Ärmel hat ganz oben Patrick Köppchen mit der Nummer5 unterschrieben. Der Verteidiger feiert am Freitag seinen 39.Geburtstag und stand in der vergangenen Saison für die Düsseldorfer EG in der DEL immer noch auf dem Eis. Nach einer Schulter-Operation soll die Entscheidung fallen, ob der zweimalige deutsche Meister mit den Hannover Scorpions und Ingolstadt seine lange Karriere beendet oder weitermacht. Als einer von nur vier Spielern hat das DEL-Urgestein mehr als 1000 Spiele in der höchsten Eishockey-Liga auf dem Buckel.

Weiter unten ziert die Signatur von Girt Ankipans mit der 11 das sportliche Stück Stoff, das die Akteure des Braunlager EHC/Harz in der Bundesliga-Saison 1998/99 bei ihren Partien gegen den SC Riessersee, den EC Bad Tölz oder eben gegen die Düsseldorfer EG überstreiften. Der Lette nahm mit seinem Nationalteam an diversen Weltmeisterschaften und zweimal an den Olympischen Spielen teil.

Tägliche Treffen

Mit dem HK Riga wurde Ankipans viermal lettischer Meister. Seit 2017 ist der inzwischen 43-Jährige General Manager und parallel Cheftrainer von Dinamo Riga, das in der russischen Kontinentalen Hockey Liga spielt – der zweitstärksten Liga der Welt nach der nordamerikanischen NHL. Wer ihn früher nach einem Sieg bei einer Sonderzug-Fahrt erlebt hat, weiß, dass er als Jungspund nicht nur mit dem Schläger, sondern auch mit der Wodka-Flasche flink umzugehen verstand.

Damit Eishockey überhaupt eine Chance in Braunlage hat und junge Spieler vielleicht auch weiterhin am Wurmberg (Welt-)Karrieren starten können, sind derzeit Falken-Verantwortliche vor und hinter den Kulissen aktiv. Mit der „Aktion Bergretter“ sollen möglichst 40.000 Euro eingenommen werden, um im laufenden Insolvenzverfahren die Gläubiger geneigt(er) zu stimmen. Wie berichtet sind bei den Falken rund 200.000 Euro an Verbindlichkeiten aufgelaufen. Mittwoch-Nachmittag wies der Spendenstand eine Summe von 8012,87 Euro aus – es fehlt also noch eine schöne Stange Geld.

Sprecher Devid Wilde lässt sich nicht entmutigen. Die erst jüngst gestartete Werbewelle sollte in diesen Tagen mehr Spenden in die Kasse spülen. Fast täglich seien derzeit Treffen angesetzt.

Der Stanley-Cup-Sieger

Zurück zu den Autogrammen: Es gibt noch Steigerungen. Mit Maurice „Moe“ Lemay hat sich ein leibhaftiger Stanley-Cup-Sieger verewigt. Der kanadische Eishockey-Profi hatte 371 Pflichtspiele in der NHL für Boston, Vancouver und Edmonton bestritten. 1987 gewann der Mittelstürmer an der Seite von Superstar Wayne Gretzky im Trikot der Oilers den Meistertitel. Seine Harzer Nummer war die 22.

Neben Ankipans und Lemay trugen Jens Schwabe (44) und Frank Petrozza (88) noch Schnapszahlen auf Rücken und Ärmeln. Petrozza coachte in der Vergangenheit mit Herne und Duisburg übrigens auch Oberliga-Gegner der Falken und arbeitet in der neuen Saison in Diez-Limburg pikanterweise Seite an Seite mit Ex-Falken-Trainer Arno Lörsch, der als eisenharter Verteidiger noch aus einer Braunlager Eishockey-Generation davor stammt.

Wortkarg und bärenstark

Für Fans von früher vielleicht am wertvollsten dürften die Autogramme von Torwart Corrado Micalef (Nummer 31) und Stürmer Peter Lundmark (10) sein. Micalef war trotz des polnischen Nationaltorhüters Henryk Wojtynek der beste Goalie, der je im Wurmbergstadion zwischen den Pfosten stand. Reaktionsschnell, fangsicher und eiskalt – unvergessen sein Auftritt im offenen Stadion von Regensburg, als er sich im April 1998 im Spiel um die Zweitligameisterschaft unter den gellenden Pfiffen des Publikums so lange seine Schoner richten ließ, bis die blendende Sonne untergegangen war. Der Schwede Lundmark wiederum war zu seiner Braunlager Zeit genauso, wie man sich einen Schweden eben vorstellt: wortkarg und bärenstark. Wer ihm die Hand schüttelte, steckte sie anschließend zur Erholung in einen Schraubstock.

Wer gehörte damals noch zum Kader? Die Eigengewächse Roland „Erna“ Schröder und Tobias Bannach als Backups im Tor und ein blutjunger Björn Naujokat, der Braunlager „Eishockey-Gott“ Marek Gajewski, der resolute Finne Jarno Miikkulainen, Haudegen Toni Raubal und Trainer Peter Gailer. Sie alle können mit ihren guten Namen einen Teil dazu beitragen, dass die (über-)nächste Generation weiter Eishockey in Braunlage spielen kann. Gerade Frank Saigge hätte es sehr gefreut, wenn ein tolles Angebot hereinkommt.

Und so funktioniert es:

Jede(r) kann ab sofort per E-Mail unter dem Stichwort „Bergretter-Trikot“ ein Angebot abgeben: Einfach die Summe einsetzen und die Kontaktdaten (Name, Adresse, Rufnummer) angeben. Das Schreiben geht an die redaktionelle Adresse leser-forum(at)goslarsche-zeitung.de. Die GZ berichtet täglich online und in ihren Printausgaben über das jeweils höchste Gebot. Am kommenden Mittwoch, 26. Juni, um 12 Uhr läuft die Versteigerung aus. Wer zu diesem Zeitpunkt den höchsten Betrag aufgerufen hat, darf das Trikot sein Eigen nennen. Das Geld geht eins zu eins an die „Bergretter“. Gerne nimmt die Redaktion in den Mails auch Kommentare und Hintergründe zum Gebot und zum Harzer Eishockey auf, über die ebenfalls berichtet werden soll.

Wer sonst eine Spende fürs Harzer Eishockey loswerden will, kann das Geld unter den Betreff „Bergretter“ auf folgendes Konto überweisen: Förderverein Harzer Falken, DE38278933590010160161









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