Montag, 27.07.2020

Ausdauer, Leidenschaft und dickes Fell

Leserbrief

Nachhaltig, ehrlich, unperfekt. Mit diesen Worten beschreibt Isabel Knoche ihren Instagram-Account @iisabelsophie. Ihre Leidenschaft, das Fotografieren, Posten und Texte schreiben, hat sie zum Beruf gemacht: Derzeit folgen der gebürtigen Hamburgerin mehr als 18.000 Abonnenten. Ihnen zeigt Isabel, wie sich das Leben in kleinen Schritten umweltbewusster gestalten lässt, und, wie sie es schaffen, sich selbst zu lieben. Im Interview gewährt sie der Junge-Szene-Autorin Lea Dämgen Einblicke in ihren Berufsalltag.

In deiner Instagram-Bio bezeichnest du dich als Bloggerin. Gibt es einen Unterschied zwischen Bloggern und Influencern?

Wenn man als Influencer arbeitet, mag man den Begriff nicht so gerne. Ich glaube das liegt daran, dass er durch die Medien eher negativ behaftet ist, und, dass es heißt: „Influencer zu sein, ist kein richtiger Job“. Ich persönlich mag lieber den Begriff Contentcreator. Blogger gibt es ja schon viel länger, weil es auch schon länger Blogs gibt als Social-Media. Meistens ist es so, dass Leute, die früher einen Blog hatten, weiter bloggen, aber auch auf Instagram aktiv sind. Es vermischt sich sehr.

Dann formuliere ich meine nächste Frage um. Wie kann man sich den Alltag einer Contentcreatorin vorstellen?

Im Urlaub im Harz besuchte die Instagrammerin den Spiegeltaler Wasserfall.
Bei mir ist es so, dass ein Tag zuerst daraus besteht, Mails zu beantworten. Es kommen Kooperations-Anfragen oder andere Nachrichten rein, die beantwortet werden müssen. Bei Kooperationen läuft es so ab, dass man erst einmal guckt, ob das Angebot zu einem passt. Ich prüfe, ob das Produkt überhaupt nachhaltig und fair hergestellt wird. Wenn alles für mich passt, schicke ich mein Mediakit an die Unternehmen. Es zeigt, welche Reichweite und wie viele Follower ich habe, und, wie oft meine Posts angeguckt werden. Das ist wichtig, weil sich daran die Preise orientieren. Dann muss man die Kooperation ja auch noch fertig stellen. Das heißt, der Tag besteht oft aus Brainstorming. Ich überlege mir, was ich ansprechen möchte und wie. Für Posts muss ich dann noch Fotos und für Storys Videos machen. Ein anderer Teil besteht darin, Kommentare und Nachrichten auf Instagram zu beantworten. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Bei einer Kooperation ist es oft so, dass man dann die Insights an die Unternehmen schickt, also, wie oft die Posts angeguckt und geteilt wurden. Und dann stellt man am Ende eine Rechnung aus.

Kannst du sagen, wie viele Stunden du damit täglich beschäftigt bist?

Durchschnittlich würde ich so sechs bis acht Stunden schätzen.

Wie viel Freiheiten bleiben dir bei Werbedeals ?

Das ist unterschiedlich. Manche haben strickte Vorgaben, wovon ich kein Fan bin. Aber oft ist es so, dass man sich selbst überlegen kann, was man machen möchte und wie man das umsetzt. Aber es gibt oft Vorgaben wie: Das muss verlinkt sein, diese Hashtags müssen benutzt werden und dass es als Werbung gekennzeichnet werden muss.

Was ist das Schönste an deinem Beruf?

Vegan unterwegs: Isabel gibt Kochtipps.
Für mich ist das Schönste, dass ich meine Kreativität ausleben kann, also das tun, was mir Spaß macht. Und, dass ich es mit den Themen verbinden kann, die mir am Herzen liegen, wie das Thema Nachhaltigkeit, und damit andere Menschen inspirieren kann. Und ich mag den Austausch mit anderen Menschen. Dass mir viele auf meine Beiträge antworten oder zu kritischen Themen ihre eigene Meinung schreiben, finde ich sehr wertvoll.

Was möchtest du deinen Followern besonders ans Herz legen?

Da ich ja Themen wie Nachhaltigkeit und so weiter behandle, ist es der Aspekt der Umwelt und vor allem des Klimawandels. Dass man sich zum Beispiel darüber bewusster wird, was man konsumiert, und dass man sich auch mal überlegt, woher das Fleisch kommt, das man isst. Einfach, dass man die Sachen, die man tut, mehr hinterfragt.

Kannst du dir über das Posten deinen Lebensunterhalt finanzieren?

Anfangs habe ich noch zusätzlich an einer Hochschule gearbeitet und dort die Social-Media-Kanäle betreut. Dann sind die Zahlen auf meinem Account immer weiter gestiegen und jetzt ist es so, dass ich davon ganz gut leben kann.

Lässt sich das an Follower-Zahlen festmachen?

Es ist ja so, dass es keine genaue Preisliste gibt. Jeder erstellt seine Preise selber. Daher kann man sagen, dass man schon mit einer kleinen Reichweite viel Geld verlangen kann. Dann ist nur die Frage, ob Unternehmen trotzdem mit dir zusammenarbeiten wollen. Für sie ist es rentabler, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der zwar eine gewisse Reichweite hat, für Werbung aber weniger Geld nimmt.

Wie gehst du mit Hate-Kommentaren um? Hast du Tipps für andere, die damit zu kämpfen haben?

Perfekt unperfekt: Isabel zeigt ihre Beinhaare. Sie hat es satt, es anderen recht zu machen. Screenshot: Dämgen
Das ist natürlich nicht einfach. Vor allem, wenn man mit Themen konfrontiert wird, bei denen man selbst noch unsicher ist. Ich finde es hilfreich, sich das nicht so zu Herzen zu nehmen und dann zu überlegen, dass der Fehler ja nicht bei einem selbst liegt, sondern bei der Person, die so etwas sagt.

In Beiträgen hast du deine Abonnenten mit auf deine Reise in den Harz genommen. Was für Erinnerungen nimmst du von dem Ausflug mit und was hat dir dort am besten gefallen?

Ich hätte gar nicht gedacht, dass der Harz so viele verschiedene Ecken hat. Die Natur im Osten war beispielsweise ganz anders als im Westen. Es war schön, einfach mal wieder aus Braunschweig raus zu kommen. Es gab viele Freizeitangebote. Wir waren zum Beispiel im Kräuterpark bei Altenau, das war auch super schön. Man kann im Harz wirklich so viele verschiedene Dinge machen – nicht nur wandern.

War es eher Urlaub oder Arbeit für dich?

Eher Urlaub. Ich filme und fotografiere sowieso. Und das zu teilen, ist für mich eher ein Hobby. Zwischendurch habe ich zwar Mails beantwortet, aber nicht so umfangreich, wie ich es zu Hause machen würde.

Das zeigt zumindest, dass es als Contentcreator schwer fällt, die Arbeit ganz beiseite zu legen. Wie anstrengend ist das?

Manchmal ist das schon anstrengend. Ich nehme mir jetzt immer einen Tag in der Woche raus, an dem ich nicht auf Instagram bin. Das hilft mir auf jeden Fall, wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Dann kann ich mal Sachen machen, ohne die ganze Zeit im Hinterkopf zu haben: „Ich muss noch etwas aufnehmen und teilen.“









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