Freitag, 31.07.2020

Aus dem Reich der Schokolade

Quadratisch, praktisch, gut – dieser Dreiklang bürgt bei einer deutschen Schokoladenfirma seit Jahrzehnten für Erfolg. Auch wenn es werblich anmutet und die meisten an dieser Stelle ohnehin schon wissen, um welche Marke es hier geht, möchte ich sie explizit doch nennen: „Ritter Sport“. 

Und einen Mitbewerber im Kampf um Konsumenten an den Supermarktregalen gleich dazu: Milka. Denn der lila Konkurrent aus den Alpen, der seit Jahren schon zum US-amerikanischen Mondelez-Konzern gehört, hat rund zehn Jahre lang versucht, der deutschen Firma Ritter das Monopol auf die quadratische Version von Schokolade streitig zu machen. Doch vor Tagen entschied der Bundesgerichtshof höchstrichterlich, dass die Quadratform auch künftig der „Ritter Sport“ vorbehalten bleibt, denn die Firma hatte sich dies als dreidimensionale Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt ehedem sichern lassen.

Die geniale Idee für die Schokolade im Quadrat soll Anfang der 1930er Jahre die Unternehmergattin Clara Ritter gehabt haben. Damit wollte die schwäbische Firma vor allem Platz sparen – damit die Tafel Schokolade fortan problemlos auch in jede Sportjacketttasche passt. Ausgerechnet mit diesem Argument versuchte der Mondelez-Konzern nunmehr posthum, Ritter Sport die geschützte Form zu entreißen: Schließlich verleihe die Quadratform der Schokoladentafel doch einen wesentlichen Wert. Und dies wiederum dürfte nach Markenrecht gar nicht geschützt werden, sondern müsse im Sinne der Kunden auch für andere Produzenten nutzbar gemacht werden.

Die komplizierte Chose wogte juristisch hin und her, bis die Bundesrichter vorige Woche sinngemäß urteilten, dass Schokolade auch als Langtafel gut und schmackhaft sein kann. Außerdem, so ließe sich ganz praktisch hinzufügen: Wer schleppt heute noch eine Schokoladentafel butterweich im Jackett mit sich herum? Ich jedenfalls horte sie am liebsten im Kühlschrank, ob nun quadratische Ritter, rechteckige Milka oder runde Mozartkugeln. Und bei einem Stückchen Schokolade stelle ich mir gerade genüsslich und ganz formlos vor, wie der schwäbische David „Ritter Sport“ versucht, dem US-amerikanischen Goliath Kraft/Mondelez in einem Racheakt die Dreiecksform von Toblerone streitig zu machen, mit dem die schweizerischen Erfinder Theodor Tobler und Emil Baumann vor über 100 Jahren für Furore sorgten. Das wäre auch für höchste Richter sicher der Gipfel ihrer Karriere.

Glauben wir der einschlägigen Schokoladenforschung, ist die Form ohnehin völlig belanglos, wenn es um die Wirkung geht. Viel entscheidender sei etwa der Kakaogehalt: Demnach stärkt Schokolade nicht nur die geschundene Alltagsseele, sondern macht auch schlau und hält gesund – vor allem die dunkleren Sorten. Bestimmte Flavonoide als pflanzliche Inhaltsstoffe der Kakaobohne können dabei positive Wirkung für Herz-Kreislauf-System und Gedächtnisleistung entfalten. Jeden Tag ein Stückchen dunkler Schokolade soll deshalb auch zu den Geheimnissen von Jeanne Louise Calment gezählt haben, der legendären Französin, die anno 1997 als damals ältester Mensch im Alter von 122 Jahren starb. Noch mit 100 fuhr sie Fahrrad, zog erst mit 110 in ein Altenheim, gab mit 117 vorübergehend das Rauchen auf, baute bei der Ernährung auf Olivenöl, Knoblauch, etwas dunkle Schokolade – und auch gerne mal ein Gläschen Wein.

Wenn Sie sich an diesem heißen Sommerwochenende bei all den Krisenmeldungen also etwas Gutes tun möchten, dann genießen Sie doch ein knackiges Stückchen Schokolade aus dem Kühlschrank. Aber, wie bei allem im Leben, in Maßen– und nicht in Massen. Sonst passt Ihnen am Ende das gute Sportjackett nicht mehr.

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