Freitag, 27.11.2020

Aus Goslar auf die Bühnen der Welt

Leserbrief

Goslar. Eine aufstrebende Pop-Sängerin, die sich nicht in eine Schublade stecken lässt: Singer-Songwriterin Ava Vegas verzaubert die Musikszene mit ihrem ganz eigenen Stil aus Glamour, Coolness, Nostalgie und Moderne. Die sanften, tiefen Töne, die die 29-Jährige heute in ihren Songs haucht, erfüllten einst auch die Unterrichtsräume der Goslarer Musikschule. Ihre Kindheit verbrachte die studierte Architektin hauptsächlich in der Kaiserstadt.

„Wenn ich nach Goslar komme, ist es jedes Mal wie Urlaub für mich“, schwärmt Ava. Hier in Goslar sei alles ein bisschen „enger“ und reduzierter als andernorts. Anders als die von Studenten überfüllte Unistadt Göttingen, in der sie geboren wurde, anders als das laute Leben auf Ibiza, wohin sie als Teenagerin häufig mit ihren Eltern reiste, anders als das hektische Leben in Berlin, wo sie heute wohnt.

Freundschaft zu Iskin

Nach Goslar kam Ava, damals noch bekannt als die ganz normale Schülerin Sarina Giffhorn, mit sechs Jahren. Für den Städtewechsel entschieden sich ihre Eltern damals, um näher an den in Immenrode wohnenden Großeltern zu leben, und, weil Sarinas Vater eine Professur für Kulturwissenschaften an der Uni in Hildesheim übernahm. Die Wahl für das neue Zuhause sei schnell auf die Kaiserstadt gefallen: „Es gibt einfach keine schönere Stadt im Umkreis“, sagt Sarina.

Als Jugendliche begann die damalige Schülerin des Christian-von-Dohm-Gymnasiums mit klassischem Gesangsunterricht an der Goslarer Musikschule, im Odeon nahm sie Schauspielunterricht und für eine Musicalproduktion von „BühnenReif“ sollte sie eigentlich auch auf der Bühne stehen – wäre die fiese Stimmbandentzündung nicht gewesen.

An der Schule lernte Sarina dann Alexander Iskin, der in diesem Jahr das Kaiserringstipendium des Vereins zur Förderung moderner Kunst erhalten hat, kennen. Bis heute verbindet die beiden eine enge Freundschaft: Ihr erstes Konzert gab Ava in seinem Berliner Atelier und sogar ein Teil ihres Künstlernamens geht auf Iskin zurück: „Ava ist der Vorname der erstgeborenen Tochter der großen Schwester von Alex. Sie war das erste Kind in meinem Umfeld. Mittlerweile bin ich auch so etwas wie ein Vorbild für sie geworden“, verrät die Sängerin.

Gebrochener Glamour

Der Name Vegas ist eine unverkennbare Anspielung auf die US-amerikanische Casinostadt. „Es ist wie ein Parallelort zur Gesellschaft. Las Vegas ist kaputt. Es ist dieser verbotene Ort in der Wüste. Aber auf der anderen Seite fasziniert er so, dass es sich sehr viele Menschen anschauen wollen“, beschreibt Ava. Das Kaputte, Gebrochene schwingt auch in den Songs ihres selbstbetitelten Debütalbums mit. Aber es ist so viel mehr als das. Auf Nostalgie trifft Abgeklärtheit, auf Coolness Eleganz und auf einen 70s-Vibe ein moderner Touch. „Ich wolltenostalgische Traumwelten schaffen. Aber es sollte auch modern und nicht zu sehr aus der Zeit gefallen klingen. Ich wusste von Anfang an, wie sich das anfühlen sollte. Aber es war ein langes Feilen, um genau diesen feinen Grad zu erreichen“, erzählt Ava über ihr Album, in das sie fünf Jahre Arbeit gesteckt hat.

Nach Goslar kehrt Sarina regelmäßig heim, um ihre Eltern zu besuchen. Ihre Mutter ist Lehrerin für Deutsch und Kunst an der Oberschule in Langelsheim, ihr Vater ist Dokumentarfilmer und emeritierter Professor für Kulturwissenschaften. Sarinas Lieblingsort in der Kaiserstadt ist der Marktplatz mit seinen gemütlichen Cafés und Restaurants. Auch ins Mönchehaus Museum verschlägt es die 29-Jährige häufig. Foto: Dämgen
Inspirieren ließ sich die 29-Jährige unter anderem von Werken des Filmregisseurs und Malers David Lynch, Goslarer Kaiserringträger. „Er verwendet Brüche aus Glamour und Weirdness. Dabei wirkt es nie kitschig, weil immer irgendwo ein komischer Charakter auftaucht. Und David Lynch ist nie zu verbissen, etwas schön aussehen zu lassen“, lobt Ava. Das Zusammenspiel aus schillerndem Glamour und Humor wird besonders in Avas Musikvideo zu „Mein Mann“ – wohlgemerkt der einzige deutschsprachige Song des Albums – sichtbar. Das Lied handelt von einer jungen Frau, die ihrem Ex zufällig in einer Bar begegnet. Im Video tagträumt sich die Frau, verkörpert von Ava selbst, direkt auf die glitzernde Bühne in der Mitte der Bar und singt über ihre innere Zerrissenheit aus Wehmut und nüchterner Abgeklärtheit. Zwischendurch fällt sie kurz in Ohnmacht oder es tauchen Dopplungen von ihr auf, die einfach nur apathisch dastehen. Regie in diesem Kunstvideo hat Ava selbst geführt.

Brüche und Konflikt sollen in ihren Songs künftig häufiger auftauchen, erzählt Ava, die schon am zweiten Album arbeitet: „Damals habe ich einfach aus einem intensiven Gefühl heraus geschrieben. Neuerdings fällt das schwerer.“ Ausgenommen in der Zeit, die sie in Goslar verbringe: Hier könne sie sich entspannen. Das Schreiben ginge ihr dann gleich viel einfacher von der Hand.









Weitere Topthemen aus der Region:
  • Archiv
    Durch Zufall zum Amt gekommen
    Mehr
  • Oberharz
    Chaos bleibt aus, Rodler verletzt sich schwer
    Mehr
  • Bad Harzburg
    Notbetreuung - "Die Sache hat sich schon eingespielt"
    Mehr
  • Lutter
    Angebranntes Essen: Junge bemerkt Rauch
    Mehr
  • Goslar
    An der B6 blitzt es alle 20 Minuten
    Mehr