Montag, 20.05.2019

Auf ein Eis mit den Bürgermeister-Kandidaten

Leserbrief

Bad Harzburg. In entspannter Atmosphäre mit den Jugendlichen über die kommende Bürgermeisterwahl reden, dazu ein Eis – soweit so gut. Die Kandidaten Ralf Abrahms und Thomas Ebert wirken am Sonntag bei der Podiumsdiskussion auf Einladung der Stadtjugend im „Oldie“ entspannt. 

Allzu sicher sollten sich die Politiker allerdings nicht fühlen, denn die nächsten Generationen von Harzburgern ist kritisch, gut informiert und stark daran interessiert, wie es mit ihrer Heimatstadt weitergehen soll – vor allem natürlich, was die Belange der Kinder und Jugendlichen angeht.

Kandidaten an der Bar

Die Idee der Moderatoren Emanuel Berger und Steffen Linke, die Kandidaten hinter der Theke zu befragen, während diese gleichzeitig in die Rolle von Barmännern schlüpfen, führt direkt zur ersten Publikumfrage, auf die keiner der Beiden eine Antwort parat hat: „Welche Sorten Fassbrause gibt‘s denn?“ Zugegeben: Die Frage gehört nicht zum Thema.

Auf politische Fragen müssen die Kandidaten allerdings nicht lange warten. Und wie sich in der weiteren Diskussion zeigt, herrscht angesichts derer leichte aber wortreiche Verlegenheit. Herausforderer Ebert möchte visionär „die Jugend mehr einbinden und abholen, da wo sie ist“, während Abrahms pragmatisch einlädt „jeden Tag zu mir ins Büro zu kommen, wenn es etwas gibt“. Wie man Jugendliche mehr in Entscheidungen der Stadt einbinden könne, wollen beispielsweise die Moderatoren wissen. Während Ebert so etwas wie ein beigeordnetes Jugendparlament vorschwebt, um den regelmäßigen Dialog zu fördern, berichtet Abrahms, er würde ohnehin jüngere Leute ansprechen, wenn diese „irgendwo rumlungern“ würden oder „mal ’ne Bierflasche stehen ließen“. Von einem Parlament hielte er wenig: „Da gibt es Beispiele wie etwa in Cuxhaven, wo so etwas nicht funktioniert hat.“ Er baue vielmehr auf die Eigeninitiative der Jugend, die auf ihn zukommen solle.


Eigeninitiative scheint eine der Kernforderungen Abrahms an die nächste Generation zu sein. Ist ein Bolzplatz in schlechtem Zustand? Bescheid sagen und erst mal auf einen anderen ausweichen, die Stadt würde hier einen hohen Standard aufweisen.

Alter oder Interesse?

Ebert könnte sich zumindest vorstellen, die Sport- und Bolzplätze durch mehr ehrenamtliches Engagement zu optimieren. Auf die Frage zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs winken beide nur ab: Viel sei vorstellbar, finanziell jedoch nur wenig Spielraum. Ebert schlägt deswegen alternative Transportvarianten wie Ruftaxen oder „Mitfahrbänke“, eine Art offizielle Haltestelle, für das Fahren per Anhalter, vor. Eine tatsächliche Wahlagenda, speziell für Jugendliche scheinen aber beide nicht wirklich zu haben.

Auf die finale Frage „Warum sollten wie Sie wählen?“ antwortet Ebert: „Als junger Vater kann ich Kinder und Jugendliche gut verstehen und sie da abholen, wo sie sind.“

Abrahms hingegen verweist auf sein jahrelanges Engagement als amtierender Bürgermeister und legt nonchalant nach: „Etwas für die Jugend zu tun, ist keine Frage des Alters, sondern des Interesses – und das habe ich.“








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