Freitag, 08.01.2021

Auf Hagel und Hitze folgt milde Herbstsonne

Der Juni bringt mittendrin noch eine böse Überraschung: Ein Unwetter mit großen Hagelkörnern haut fast allen Pflanzen große Löcher in die Blätter, sie sehen ganz zerzaust aus. Auch danach gibt es immer noch kein sommerliches Wetter. Die Nächte bleiben sehr kühl bis in den Juli hinein, dann folgt wieder große Hitze und Trockenheit. Stress für die meisten einheimischen Pflanzen. Nur den mediterranen Kräutern und den Tomaten gefällt’s.

Aber ohne das eine oder andere Problem(chen) kommt wohl kein Pflanzenliebhaber durchs Jahr. Mein Rosmarin zeigt im Juli deutlich erkennbar gelbe Nadeln. Normalerweise kenne ich gelbe Blätter an Pflanzen als Zeichen von Nährstoff- und/oder Wassermangel. Geregnet hat es zuvor aber genug. Und die Recherche im Internet zeigt, dass der Rosmarin nicht zu wenig, sondern zu viel Wasser erhalten hat, weil ich ihn regelmäßig goss. Das Wetter ist in diesem Jahr zumindest nachts bis weit in den Juli hinein zu kühl. Dafür dreht der Sommer im August richtig auf, und selbst im Oktober sitze ich nachmittags noch oft draußen im Garten und trinke meinen Nachmittagskaffee. Mein Blick fällt dabei auf einen prächtig blauen Enzian und ein blenden weißes Alpenveilchen. Archivfotos: Borchers (5)/ pixabay

Das Würz- und Heilkraut wächst in seiner Heimat an sonnigen und trockenen Felshängen. Und dort ist das Wasser eben doch deutlich knapper als am Nordrand des Harzes. Der Rosmarin deckt seinen Wasserbedarf aus der Luft. Selbst an trockenen Felshängen schafft er das, denn er „trinkt“ sozusagen den Morgentau. Und weit verzweigte, tief reichende Wurzeln sorgen ebenfalls dafür, dass die Pflanze nicht verdurstet. Also stelle ich das Gießen ein. Nach einigen Wochen hat sich die Pflanze erholt.

Im August laufen meine Tomaten auch in diesem Jahr zur Hochform auf. Bei dem Unwetter im Juni hat es zwei meiner Tomatenpflanzen zwar besonders hart getroffen, weil sie genau in Windrichtung stehen. Zwar handelt es sich um die Sorte „Balkonzauber“, die ohnehin nicht besonders hoch, sondern eher breit und buschig wächst. Dennoch sind die Blätter nach dem Hagel so zerzaust, manche Stiele abgeknickt und gerade angesetzte Früchte von den drei Zentimeter dicken Hagelkörnern abgeschlagen worden, dass es Wochen dauert, bis sich die Pflanzen davon erholen.  Erst zum Ende der Saison im November wird mir klar, dass Auberginen zur gleichen Pflanzenfamilie wie Paprika gehören und besser nicht direkt nebeneinander im Beet stehen sollten.

Inzwischen habe ich aber die ersten Tomaten schon lange geerntet und daraus auch gleich Samen fürs nächste Jahr entnommen. Bei samenfesten Sorten kann man das jedes Jahr aufs Neue tun, denn die daraus entstehenden Pflanzen bringen garantiert wieder schmackhafte, saftige Früchte hervor. Dazu entnehme ich die Samen übrigens immer aus den Tomaten, die als erste rot werden (oder im Fall der OSU blue oben dunkelblau und unten orangefarben).

Bis in den September dauert die Hochsommerhitze. Ein Grund mehr, sich mit dem Thema Sitzplätze im Garten zu beschäftigen. Selbst in meinem kleinen Garten gibt es mehrere Sitzplätze: die mit Stegplatten überdachte Terrasse direkt am Haus, eine Pergola im Zentrum des Gartens, einen kleinen Schattenplatz zwischen Schuppen und Hochbeet und einen am Kräuterbeet. Die Pergola hat sich gut bewährt, als es im August einige Wochen lang heiß und schwül war. Besonders am Abend haben wir dort gesessen, weil wenigstens ein kleiner Luftzug die Haut angenehm kühlte.

Noch im Dezember steht der Palmkohl auf dem Hochbeet.
Eine Wasserstelle gibt es auch: Es ist ein Mini-Teich in einem in der Erde versenkten Maurerkübel, direkt am Kräuterbeet. Der tut übrigens auch Insekten, Vögeln, Igeln und anderen Nützlingen gut. Sie können dort trinken oder sich mit einem kurzen Bad abkühlen.

Auch der Oktober bringt noch milde Tage und vergleichsweise warme Nachmittage, an denen ich unter der Pergola meinen Nachmittagskaffee trinke. Und weil die Stauden und Sommerblumen jetzt schon ein blasses Bild abgeben, habe ich mir einen leuchtend blauen Enzian, ein weißes Alpenveilchen, ein Silbergras und eine Mühlenbeckia gekauft, sie in einer alten Emailleschüssel dekoriert und sie auf den Gartentisch gestellt. Dazu noch einige kleine Semperviven, mit Steinen und Muscheln garniert, und schon ist ein ansprechender Sitzplatz für den Herbst fertig.

Als die Saison im Gemüsegarten Anfang November schon fast herum ist, fällt es mir auf: Ich habe Auberginen in direkter Nachbarschaft zu Paprika angebaut. Kein Wunder also, dass sie erst nicht so richtig wachsen und dann auch lange nicht so viele Früchte hervorbringen wie sonst immer. Eigentlich hätte es mir vorher klar sein müssen: Beide gehören zur Familie der Nachtschattengewächse. Und verschiedene Pflanzen aus einer Familie sind sich eben spinnefeind im Beet. Unerwartetes Ernteglück habe ich dagegen mit meinen 25 Tomatenpflanzen. Mitte Oktober nehme ich die letzten grünen Tomaten ab, um sie im Haus nachreifen zu lassen – es sind elf Kilogramm. Aber es gibt in meiner Erntebilanz auch durchschnittliche bis niedrige Erträge, besonders von heimischen Pflanzen. Die sind im Sommer mit der Hitze nicht so gut klar gekommen.

Mein Ehrgeiz bezüglich eines perfekten Gartens hält sich bekanntlich in Grenzen. Stattdessen konzentriere ich mich darauf, auch im tiefsten Winter noch frische Salate und Gemüse auf den Tisch des Hauses zu bringen. Das gelingt mir immer besser, je länger ich mich mit dem Thema des Wintergärtnerns befasse. In diesem Jahr habe ich Palmkohl und Pastinaken sowie Rucola auf dem Hochbeet. Die Endivien habe ich allerdings vor dem ersten Frost im Dezember in die Sicherheit meines neuen Gewächshauses gebracht. Die samt Wurzelballen ausgegrabenen Salatköpfe habe ich vorsichtig in Zeitungspapier gewickelt und nebeneinander in einen großen Topf gestellt. So steht auch Heiligabend und Silvester jeweils ein frischer Salat auf dem Tisch, und nicht nur dann ...