Montag, 02.07.2018

Au revoir France, hallo Deutschland

Leserbrief

Goslar/Bordeaux. Dass sieben Monate die komplette Zukunftsplanung ändern können, zeigt das Beispiel der 24-jährigen Mathilde Cossec aus dem französischen Bordeaux. Die Studentin kam nach Deutschland, um als Fremdsprachen-Assistentin am Goslarer Christian-von-Dohm-Gymnasium (CvD) zu arbeiten. Ursprünglich wollte sie im Mai nach Frankreich zurückkehren, doch jetzt ist alles anders: Sie möchte in Deutschland bleiben, in Göttingen studieren und Lehrerin werden.

„Mir war eigentlich immer klar, dass ich unter keinen Umständen Lehrerin werden möchte“, sagt Mathilde, deren Mutter und Schwester als Lehrerinnen in Frankreich arbeiten. Die 24-Jährige studierte bereits vier Jahre Geschichte in ihrer Heimat und plante, später im Tourismusbereich zu arbeiten. Die Französin kam nur nach Deutschland, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Doch ihre Erfahrungen als Fremdsprachen-Assistentin haben ihre Meinung komplett verändert.

Viele Freiheiten

In den sieben Monaten am CvD konnte sie eigene Unterrichtsthemen vorbereiten und so den Schülern ihre Muttersprache Französisch näherbringen. Dabei habe sie viele Freiheiten gehabt und irgendwann festgestellt, dass der Beruf der Lehrerin doch zu ihr passen könnte, meint Mathilde.

Aber warum möchte sie nicht in ihrem Heimatland Lehramt studieren und dort den Beruf ausüben? Das habe vor allem mit den verschiedenen Schulsystemen in Deutschland und Frankreich sowie mit den Beziehungen zwischen Schülern und Lehrern zu tun. „Ich habe das Gefühl, dass die Schule in Frankreich viel mehr als Wettkampf gesehen wird und der Konkurrenzkampf zwischen den Schülern groß ist“, sagt sie. Das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern sei außerdem eher kühl und distanziert, jedenfalls nicht so freundlich, wie sie es in Deutschland kennengelernt habe.

Zudem könne Mathilde dem Sprachunterricht in Frankreich nicht allzu viel abgewinnen. Dort würden sich die Schüler größtenteils nur schriftlich mit der Sprache beschäftigen: „In Deutschland hingegen wird großer Wert auf das Sprechen gelegt. Das finde ich sehr wichtig, damit sich die Schüler auch mündlich in der fremden Sprache verständigen können“, erzählt sie.

Aus diesen Gründen plant sie, zum Wintersemester mit einem Lehramtsstudium für Geschichte und Französisch zu beginnen – vorausgesetzt, sie besteht am 19. Juli einen Deutschtest. Davor habe sie etwas Angst, wie sie sagt. „Ich bereite mich aber gut darauf vor und lerne sehr viel“, berichtet die Französin. Wenn sie den Test jedoch nicht bestehen sollte, weiß sie noch nicht ganz genau, was sie dann macht. „Vielleicht würde ich nach Frankreich zurückkehren“, sagt sie, obwohl sie an einen solchen Fall gar nicht denken will.

Mathilde genießt lieber die Zeit, die sie hier in Goslar hat. Was ihr aber trotzdem zu schaffen macht, ist die Distanz zu ihrer Heimat und ihrer Familie. Seit Weihnachten war sie nicht mehr zu Hause in Bordeaux und so langsam wächst das Heimweh in ihr. Weil Mathilde zurzeit auf der Steinberg Alm arbeitet, um sich ihr Studium zu finanzieren und erst einmal keinen Urlaub hat, wird sie wohl frühestens im September nach Frankreich fahren und dort ihre Familie sowie ihre Freunde besuchen können.

Gut eingelebt

Ihr hilft aber, dass sie sich gut in Goslar eingelebt hat und ihr die Stadt gut gefällt. „Hier ist es so schön. Ich liebe den Harz. Er passt sehr gut zu mir“, sagt sie. Am liebsten wandert sie durch die Landschaft oder fährt Fahrrad, erzählt sie.

Um ihre Heimat nicht ganz zu vergessen, lässt sie Frankreich auch in ihre Küche. Sie backt besonders gern und hat im vergangenen Jahr oft ihre Schüler, natürlich auch die CvD-Lehrer, mit ihren französischen Spezialitäten erfreut.







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