Dienstag, 26.03.2019

Arnds Konstanz war unglaublich

Eine lange und aus deutscher Sicht sehr erfolgreiche Biathlon-Saison liegt hinter uns. Nun möchte ich die Gelegenheit für einen Rückblick nutzen.

Aus Harzer Sicht gab es sehr viel Licht, aber auch ein wenig Schatten. Arnd Peiffer hat wieder einmal eine herausragende Saison gezeigt und sich den WM-Titel im eigentlich von ihm nicht sonderlich geliebten Einzelwettkampf gesichert. Diese Goldmedaille sticht sicher hervor und wird in den Statistiken den höchsten Stellenwert haben, aber mich hat wieder einmal Arnds unglaubliche Konstanz beeindruckt.

Vor ein paar Jahren noch musste er oft auf den Jahreswechsel warten, bis die volle Leistungsfähigkeit zum Vorschein kam. Aber mittlerweile ist der Name Peiffer vom ersten Rennen bis zum Saisonende unter den Favoriten zu finden. Dieses hohe Niveau über eine gesamte Saison zu zeigen, zeichnet einen Weltklasseathleten aus – und der zweite Platz im abschließenden Massenstart von Oslo war eine Bestätigung dessen!

Schade, dass Arnd bei den Übersee-Weltcups krankheitsbedingt aussetzen musste, denn sonst wäre auch im Gesamtweltcup sicherlich der Sprung unter die Top 3 möglich gewesen. Aber das ist jetzt ein Jammern auf ganz hohem Niveau, es muss ja auch noch Luft für das nächste Jahr bleiben…

Gedankenkarussell

Bei unseren beiden Damen im Weltcup lief die Saison leider nicht ganz so, wie erhofft. Sowohl Franzi Hildebrandt als auch Karo Horchler werden sich nach einem vielversprechenden Herbst mehr ausgerechnet haben. Bei Franzi hatte ich nach den starken Ergebnissen in Canmore und Soldier Hollow große Hoffnungen für die WM, doch leider konnte sie sich selbst nicht belohnen.

Für eine fundierte Analyse bin ich viel zu weit entfernt, aber ich glaube, dass es hier oft an der Summe von Kleinigkeiten gelegen hat. Die zentrale Rolle spielt der Kopf, denn die physische Grundlage war sicher nicht schlecht. Hier ein Fehler zu viel, dort wieder Probleme mit der Muskulatur am Schienbein – und schon fährt das Gedankenkarussell los, in dem man nur Passagier ist. Leider ist es Franzi nicht gelungen, die Kontrolle wieder zurückzuerlangen, aber das sind sicher lehrreiche, wenn auch harte Erfahrungen.

Grundsätzlich denke ich, dass sich das deutsche Team sowohl bei den Damen als auch bei den Herren stark präsentiert und wieder einmal Werbung für eine tolle Sportart betrieben hat. Durch Ausfälle von Leistungsträgern wie Simon Schempp oder Laura Dahlmeier haben sich wieder Chancen für junge Athleten aufgetan, die gerade im männlichen Bereich durch Roman Rees oder Philipp Nawrath gut genutzt wurden.

So bleibt weiter Dynamik in der Mannschaft, niemand darf sich auf seinen Erfolgen ausruhen. Hier mache ich mir wenig Sorgen, denn trotz einiger personeller Veränderungen nach den Olympischen Spielen habe ich den Eindruck, dass nach wie vor ein hervorragender Teamgeist herrscht und man sich gegenseitig bei der Weiterentwicklung unterstützt. Exemplarisch sehe ich hier das zu Saisonbeginn doch ab und zu gescholtene Damentrainer-Duo, was rückblickend bei den gezeigten Leistungen keinen schlechten Job gemacht haben kann.

Vorbereitung startet bald

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir wieder einmal gesehen haben, wie abwechslungsreich Biathlon ist. Ein entthronter Martin Fourcade, ein Rekorde jagender Ausnahmeathlet Johannes Thingnes Boe und mit Dorothea Wierer die erste Gesamtweltcupsiegerin aus Italien.

Es wird dynamisch bleiben, die Italiener werden mit großem Selbstvertrauen in Richtung Heim-WM 2020 in Antholz gehen, Martin Fourcade wird meiner Meinung nach sehr stark zurückkommen, und im deutschen Männerteam wird der Kampf um die Plätze hinter der Stammmannschaft weitergehen. Das kann für die Jungs nur gut sein – und mit Danilo Riethmüller haben auch wie Harzer ein heißes Eisen im Feuer.

Jetzt haben sich Fans und Sportler aber erst einmal eine Pause verdient und freuen sich auf den Frühling. Nach zwei Wochen Urlaub und Entspannung stehen die Zeichen dann aber wieder auf Vorbereitung, das Spiel geht wieder von vorn los. Ich freue mich drauf und hole auch schon mal das Rennrad aus dem Keller!

Daniel Böhm (32) vom SC Buntenbock war Weltmeister mit der deutschen Staffel 2015 und holte 2014 Olympia-Silber. Böhm lebt jetzt in Fischbachau bei Rosenheim.