Freitag, 27.03.2020

Anleitung: Wie man Fake News in Social Media und auf Webseiten erkennt

Leserbrief

Harz. Manchmal ist es gar nicht so einfach, herauszufinden, ob eine im Netz verbreitete Information stimmt oder nicht. Wie wohl schon fast jeder hat GZ-Volontärin Sarah Franke es kürzlich erlebt, dass jemand in einer WhatsApp-Gruppe einen Link gepostet hat, hinter dem sich Fake News verbargen. Hier gibt sie Tipps, wie man Falschinformationen in Social Media und auf Webseiten identifiziert.

Angebliche Unwahrheiten

Kommentarlos postet jemand einen Link zu einer angeblichen Nachrichten-Webseite in unsere Familien-WhatsApp-Gruppe. Über dem Text steht: „Corona-Virus: was Merkel den deutschen verschweigt“. Schon der orthografische Fehler in der Überschrift sollte einen stutzig machen.

Inhaltlich fantasiert der nicht namentlich genannte Autor darüber, dass die Regierung Unwahrheiten über die Gefährlichkeit des Corona-Virus verbreite, um „den Shutdown der gesamten Wirtschaft“ zu rechtfertigen. So könne die Regierung eine drastische Währungsreform ohne Gegenwehr der Bürger beschließen und das Bargeld abschaffen.

Analyse statt Plan

Als vermeintliche Quelle wird am Ende des Textes auf eine sieben Jahre alte Drucksache des Deutschen Bundestags verwiesen. Mitnichten plant die Bundesregierung darin, die Deutschen mit einem Virus zu verseuchen, sondern spielt mögliche Katastrophen-Szenarien durch und analysiert deren Risiko. Es geht um Bevölkerungsschutz statt um Manipulation. Doch wer die 88 Seiten lange Drucksache nur überfliegt, kann mit etwas Fantasie tatsächlich den Eindruck bekommen, dass der anonyme Autor gar nicht so Unrecht haben könnte.

Dieses Beispiel aus meinem persönlichen Umfeld zeigt, wie Fake News, also bewusste Fehlinformationen, entstehen, sich verbreiten – und wie schnell man Verschwörungstheoretikern auf den Leim geht, wenn man nicht kritisch hinterfragt, woher eine Information kommt und wie glaubwürdig sie ist. Gerade jetzt in der Corona-Krise sind Falschnachrichten im Umlauf, die uns verunsichern können. Die Junge Szene gibt deshalb Tipps, wie ihr die Glaubwürdigkeit von Informationen im Internet überprüfen könnt.

Impressum checken:

Kommt dir eine Webseite komisch vor, sollte der erste Blick ins Impressum führen. Webseiten, die nicht nur für Familie und Freunde gedacht sind, müssen in Deutschland im Impressum Kontaktdaten des Verantwortlichen angeben. Das ist im Telemediengesetz geregelt. Eine Webseite auf deutscher Sprache hat kein Impressum oder wird aus dem Ausland betrieben? Du hast das erste Indiz gefunden, dass Skepsis gegenüber diesem Angebot angebracht ist.

Quelle prüfen:

Schaue dir das Gesamtbild an und welche Meldungen dort noch verbreitet werden, um besser einschätzen zu können, wie seriös ein Instagram-Profil, eine Web- oder Facebookseite wirklich ist. Außerdem kannst du in Suchmaschinen recherchieren, welche Aussagen andere, der breiten Masse bekannte Medien über das Angebot treffen.

Normalerweise steht zudem der Name des Autors über oder unter einem Text oder im Abspann eines Videos. Wenn diese Angabe fehlt, kann auch das ein Hinweis für mangelnde Glaubwürdigkeit sein. So hat der Leser keine Chance, zu schauen, welche Themen der Autor schon vorher bearbeitet hat und ihn somit einzuordnen. Ihn direkt zu kontaktieren geht so auch nicht.

Wer kommt zu Wort und wie:

Journalisten, wie sie zum Beispiel bei der Goslarschen Zeitung arbeiten, lernen in ihrer Ausbildung, wie wichtig Ausgewogenheit ist. Bei kontroversen Themen beleuchten sie verschiedene Seiten, ohne zu bewerten. Sie machen deutlich, woher ihre Informationen stammen oder wenn sich jemand nicht zu einem Thema äußern wollte, dessen Stimme wichtig dafür gewesen wäre.

Beim Beispiel aus der Familien-WhatsApp-Gruppe hätte also mindestens auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Wort kommen müssen oder zumindest ein Hinweis, dass sie die Nachfragen des Autors unbeantwortet gelassen hat.

Welche Geschichte erzählt wird:

Fake News funktionieren oft nach dem Prinzip „Wir gegen die“. Bei dem Text, den eines meiner Familienmitglieder gepostet hat, geht die Erzählung so: Die mächtige Regierung plant seit Jahren, die naiven Bürger zu manipulieren und so ihre eigenen Zwecke, nämlich die Währung zu reformieren und das Bargeld abzuschaffen, durchzusetzen. Schon beim Lesen dieses Satzes wird klar, dass so ein Vorgehen in einer Demokratie überhaupt nicht möglich ist.

Fakten prüfen:

Zuerst gilt es, zu prüfen, ob in einem Text überhaupt Fakten stehen, die sich beispielsweise anhand von Statistiken oder Lexika beweisen lassen. Wurden Experten zu einem Thema befragt – und welche? Welche Gründe nennt der Autor, warum dieser Experte der geeignete für dieses Thema ist? Zudem solltest du stets mehrere, voneinander unabhängige Quellen checken, um sicher zu gehen, dass eine Information stimmt.

Wem nützt dieser Artikel:

Jeder, der sich an die Öffentlichkeit wendet, hat ein Ziel. Dieses kann gemein- oder eigennützig sein. Der eine Experte möchte vielleicht Informationen deshalb streuen, um möglichst viele Menschenleben zu retten, der andere dagegen steht im Dienst eines großen Pharmakonzerns und will Aufmerksamkeit für ein neues Medikament schaffen. Manche Personen möchten ihrem Ärger Luft machen, etwas verändern oder einmal im Rampenlicht stehen.

Die eigene Filterblase reflektieren – online und offline:

Wir neigen dazu, Informationen automatisch als glaubwürdiger wahrzunehmen, wenn sie uns von jemandem übermittelt werden, dem wir vertrauen. Denn Menschen sind nun einmal emotionale Wesen. Überprüfe, was eine Meldung bei dir auslöst: Ärger, Angst, Zustimmung? Verbreiter von Fake News arbeiten häufig mit Aufregern, oft klassische Stammtischparolen, und wenigen Fakten. Insbesondere, wenn wir uns sehr in unserer Weltsicht bestärkt fühlen, sollten wir lieber den unbequemen Weg einschlagen und kritisch hinterfragen. Wir Menschen sind vielschichtig – die Welt ist es auch.

 DIESE WEBSEITEN HELFEN DIR, FAKTEN ZU CHECKEN

www.mimikama.at: „Zuerst denken – dann klicken“, so lautet der Slogan des Vereins Mimikama, der sich gegen Internetmissbrauch engagiert. Insbesondere, wer wissen will, ob virale Inhalte in Social Media oder Whats-App-Kettenbriefe einen Wahrheitsgehalt haben, wird hier fündig.
www.tagesschau.de/faktenfinder: Der ARD-Faktenfinder liefert Gegeninformationen zu aktuell im Netz populären Fake News.
www.correctiv.org/faktencheck: Das gemeinnützige Recherchezentrum bietet neben dem Faktencheck auch investigative Recherchen.









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