Mittwoch, 06.03.2019

Am Ende zählen nur Medaillen

Die Vögel zwitschern, und das erste Eis in der Sonne ist auch schon gegessen, aber der Winter hat noch ein großes Highlight parat. Auch wenn die letzten Wettkämpfe schon eine gefühlte Ewigkeit zurückliegen, steht der Saisonhöhepunkt im Biathlon noch bevor: Die Weltmeisterschaften in Östersund.

Die Athleten hatten jetzt noch einmal Zeit, sich ganz speziell auf die Rennen vorzubereiten und haben eine ganz entscheidende Trainingsphase eingeschoben. Dafür war die deutsche Mannschaft in Hochfilzen und hat perfekte Bedingungen vorgefunden.

Eine WM im März stellt an alle Beteiligten hohe Anforderungen. Die Trainer müssen den Formhöhepunkt ihrer Mannschaft sehr behutsam timen, und für die Athleten heißt es, den Fokus nach vielen Wettkämpfen und langen Reisen noch einmal an das absolute Limit zu bringen. Wer bisher eine gute Saison hatte, kann das Ganze vielleicht etwas gelassener angehen, da die Grundform passt, aber letztlich starten alle wieder bei null – und am Ende zählen nur Medaillen. So knallhart ist der Sport. Für diejenigen, die bisher mit dem Saisonverlauf noch nicht zufrieden waren, bieten sich dadurch große Chancen, das Ruder noch einmal herum zu reißen.

Ich bin zum Beispiel sehr gespannt auf Martin Fourcade, denn er fällt definitiv in die letzte Kategorie. Durch das Auslassen der Übersee-Weltcups hatte er jetzt sehr viel Zeit, an seiner Form zu arbeiten. Entscheidend wird sein, ob er auch seine Selbstsicherheit zurückgewinnen konnte.

Bei Großereignissen hat man in jedem Rennen nur eine Chance, und es muss alles sitzen, so wie bei Arnd Peiffer im letzten Winter. Viel hängt auch davon ab, wie man selbst in eine WM startet. Wenn gleich im ersten Wettkampf ein Erfolgserlebnis steht, läuft es sich wesentlich leichter, als wenn sich von Tag zu Tag der Druck aufbaut – in erster Linie der selbst auferlegte! Hierbei spielt auch die Stimmung in der Mannschaft eine große Rolle, denn wenn ein Team homogen ist und sich abseits des Stadions gut versteht, kann man die volle Energie in die sportliche Leistung legen.

Das war aus eigener Erfahrung der Schlüssel zum Erfolg, als wir 2015 Weltmeister in der Staffel werden konnten. Eine fest zusammengeschweißte Truppe mit einem gemeinsamen Ziel. Wenn die Jungs und Mädels diesen Teamspirit mit nach Schweden nehmen können, bin ich mir sicher, dass wir einige deutsche Medaillen feiern dürfen. Hinzu kommt, dass in der Vergangenheit das deutsche Team mit zunehmender Saisondauer immer stärker wurde. Hier zahlt sich das jahrelange Grundlagentraining aus, und gerade Arnd wird von dieser Stärke sicher profitieren können. Er hat schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt und kann voller Selbstvertrauen und Lockerheit an den Start gehen. Das ist eine sehr gute Ausgangsposition!

Letztlich erwarten uns wieder packende Rennen mit strahlenden Siegern, enttäuschten Geschlagenen und ganz sicher auch mit der einen oder anderen Überraschung. Hoffen wir, dass es faire Wettkämpfe für alle werden, der schwedische Wind es gut meint und der Frühling noch ein wenig auf sich warten lässt. Meine Daumen sind fest gedrückt!

Daniel Böhm (32) vom SC Buntenbock war Weltmeister mit der deutschen Staffel 2015 und holte 2014 Olympia-Silber. Böhm lebt jetzt in Fischbachau bei Rosenheim und wird für die GZ in lockeren Abständen die Biathlon-Saison begleiten.