Montag, 23.09.2019

Adam Green: „Krieg, aber in witzig“

Leserbrief

Der schlurfige New Yorker Indie-Pop-Bursche mit den anzüglichen Songtexten, der um 2005 herum mit lässigen Liedern wie „Emily“ oder „Jessica“ sehr beliebt war, ist nach einer eher ruhigen Zeit und drei Jahre nach seinem Kino-Musik-Projekt „Aladdin“ wieder zurück. Sein neues Album „Engine of Paradise“ ist ein selbstironischer Spaß mit dem einen oder anderen ernsten Unterton. Wir unterhielten uns mit Adam Green, mittlerweile 37 Jahre alt und Vater von zwei kleinen Töchtern, in einem Café in London.

Adam, war es deine Absicht, dein zehntes Album „Engine Of Paradise“ so klassisch abgehangen klingen zu lassen?

Adam Green: Voll und ganz. Ich war auf der Jagd nach musikalischer Eleganz, mit Streichern, immensen Arrangements und erhabenen Melodien. Das hier ist wohl mein Serge-Gainsbourg-Album. Ich habe mit einem sagenhaften mazedonischen Violinisten und Cellisten zusammengespielt, wir haben alles bei mir in Brooklyn auf analogem Tape aufgenommen. So wie früher. Ich habe schon eine Weile keine Musik mehr am Computer gemacht.

Wie hat sich Florence von Florence and the Machine auf dein Stück „Cheating on a Stranger“ verirrt?

Wir haben gemeinsame Freunde, die uns quasi zusammengebracht haben. Florence hat so eine Geisterstimme in dem Song, sie weckt bei mir Phantasien von schottischen Inseln und italienischen Kleinstädten. Weiß auch nicht, warum.

Das neue Album soll geprägt sein von der Spannung zwischen Menschen und Maschinen. Wie ist das zu verstehen?

Alles, was ich tue, ist voller Kontraste. Ich mache einen Film über Aladdin, aber mit Kartons aus dem 3D-Drucker. Ich liebe handgemachte Dinge und zeichne gern, dabei fühlen sich der Stift oder die Kreide so an wie eine Gitarre. Die Gefühle fließen beim Kreieren durch mich durch und über mich hinweg, auch die Worte. Viele meiner Songs handeln von nichts, die Inhalte sind weniger konkret als etwa bei einem Buch. „Aladdin“ war mein erster Versuch, ein Gesamtkunstwerk im Sinne Richard Wagners zu schaffen, es spricht alle Sinne an außer dem Riechen. Schweife ich ab?

Sowas von.

Sorry, wenig Schlaf. Als Familienvater verändert sich dein Leben: Du wirst verbindlicher, freundlicher zu den Nachbarn, aber auch müder. Außerdem kommst du nur noch zu zwei bis drei Stunden konzentrierter Arbeit pro Tag.

Und was ist jetzt mit der künstlichen Intelligenz?

Meine Frau arbeitet bei Google, am Küchentisch haben wir zusammen einen Comic gezeichnet: „War and Paradise“. Da geht es um den Krieg zwischen Menschen und künstlichen Insekten, aber in witzig.

Werden die Maschinen uns umbringen?

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie uns ersetzen. Aber da wir sie geschaffen haben, sind wir ja in diesen Wesen. Und wer sagt, dass Leben immer aus Genitalien entstehen muss? Ich glaube, die nächste dominante Lebensform wird auf Gefühlen und Gehirnen basieren.

Das neue Album von Adam Green „Engine of Paradise“ ist am 20. September erschienen.







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