Freitag, 17.08.2018

600 Schüler diskutieren am Zivilcouragetag über Mobbing

Leserbrief

Goslar. „Was haben Mobber davon, wenn sie andere schikanieren?“ Dies war eine der Kernfragen während einer Podiumsdiskussion im Goslarer Cineplex am Zivilcouragetag. „Sie sehnen sich nach Aufmerksamkeit. Wenn sie andere kleinmachen, wollen sie sich besser fühlen und selbst groß rauskommen“, hieß es von den Experten.

Bereits zum fünften Mal veranstaltete die Goslarer Zivilcouragekampagne einen Aktionstag in Kooperation mit dem Betreiberpaar Wildmann vom Cineplex. 600 Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis nahmen an der Veranstaltung teil. Der Tag begann mit der bewegenden Dokumentation „Harte Schule“ (Artikel unten), der zeigt, welche gravierende Auswirkungen Mobbing haben kann.

Ehrliche Redebeiträge

Jill Wildmann, die die Moderation übernahm, musste die emotional berührten Schüler gar nicht groß motivieren, damit sie sich zu Wort melden. Schnell entstand mit den Experten auf der Bühne eine rege Diskussion mit ehrlichen und authentischen Redebeiträgen, wie es Günter Koschig vom Weißen Ring, Organisator des Projekttages, zusammenfasste. Ein Schüler bedankte sich bei seiner Klasse, die ihn nicht ausgegrenzt habe, als er sich vor einigen Jahren als homosexuell geoutet hat. Weitere Schüler sprachen von ihren Eltern, die ihnen in der Not beigestanden hätten. Andere erzählten von einer Arbeitsgemeinschaft, mit der sie betroffenen Schülern helfen.

Unterstützung suchen

Beeindruckend waren die Wortmeldungen von Jugendlichen mit Mobbingerfahrungen. Ein Mädchen teilte ihre früheren Suizidgedanken und erzählte, dass sie Selbstmordversuche hinter sich hatte. „Hätte ich mir keine Hilfe geholt, würde ich hier heute nicht sitzen“, sagte sie und forderte andere auf, sich ebenfalls Unterstützung zu suchen. Bei jeder Geschichte hörten die Schüler gespannt zu und applaudierten am Ende für den Mut, den jeder Einzelne aufgebracht hat, um von seinen Erlebnissen zu erzählen.

Für jede Geschichte hatten die Experten Tipps parat. Christina von Saß, Fernsehjournalistin aus Hannover und das neue Gesicht der Goslarer Zivilcouragekampagne, sagte, dass es immer Leute gebe, die anders sind als man selbst. Die TV-Moderatorin riet den Schülern, dass sie Kontakt zu diesen Menschen suchen sollten. „So können interessante Freundschaften entstehen“, erzählt von Saß.

„Hinschauen und helfen, für die anderen da sein, sind die besten Voraussetzungen, um den Mobbern den Wind aus den Segeln zu nehmen“, erklärte Polizeihauptkommissarin Stephani Gobernack aus dem Präventionsteam. Jutta Sengpiel von der niedersächsischen Landesschulbehörde warnte davor, dass man ungewollt zum Täter werden könne. „Ob Mobbing gelingt, liegt an der Gruppe. Wenn man mitlacht, unterstützt man Mobber“, sagte sie.

Hilfe von Fachkräften

Die Experten sagten, dass Mobbing nicht so einfach aufhöre. Darum sei es wichtig, sich an Fachkräfte zu wenden, wenn man allein nicht mehr weiter weiß. „Nur wer spricht, dem kann geholfen werden“, sagte Jill Wildmann. Ihr Mann Florian ergänzte, dass es im Landkreis ein gutes Netzwerk mit vielen Ansprechpartnern gebe. „Schulen haben Sozialpädagogen, an die man sich wenden kann. Neben dem Weißen Ring hilft die Beratungsstelle beim Landkreis, die Internetplattform „Juuuport“ und die Polizei“, fassen die Experten die Anlaufstellen zusammen. Ihr Ziel ist, dass die Schüler über die Beratungsmöglichkeiten aufgeklärt sind. Jugendliche sollen weder so verzweifelt sein noch keinen Ausweg mehr wissen, so wie es in der Dokumentation gezeigt wurde.








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