Freitag, 15.03.2019

280 Demonstranten bei erster Klimaschutz-Kundgebung

Leserbrief

Goslar. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“, rufen etwa 280 Schüler, als sie Freitagmittag vor dem Rosentor für den Klimaschutz demonstrieren. In der Kaiserstadt ist es die erste Veranstaltung der Initiative „Fridays for Future“, für die freitags weltweit Schüler auf die Straße gehen.

„Es gibt keinen Planeten B“ und „Klimaschutz statt Kohleschmutz“ steht auf etlichen Plakaten, mit denen die Schüler um die Jakobikirche ziehen. Sie wollen sich gegen die internationale Klimapolitik engagieren und für den Kohleausstieg einsetzen.

Jeder kann handeln

Die Initiative „Fridays for Future“ geht auf die 16-jährige Schwedin Greta Thunberg zurück, die seit mehreren Wochen jeden Freitag gegen die internationale Klimapolitik demonstriert und dafür nicht zur Schule geht.

Eine der Organisatorinnen in Goslar ist die 19-jährige Frauke Nickel, die im vergangenen Jahr ihr Abitur am Christian-von-Dohm-Gymnasium abgeschlossen hat. Auf die Straße geht sie aus der Überzeugung, dass sie der letzten Generation angehört, die etwas für das Klima tun kann. „Ich frage mich, wovon ich im Jahr 2050 leben soll, wenn wir die Erde kaputtmachen“, erklärt Nickel. Mit „Fridays for Future“ will sie aber nicht nur Aufmerksamkeit erregen, sondern auch Aufklärungsarbeit leisten. Es gehe darum, was jeder Einzelne für das Klima tun könne. Sie ist überzeugt, dass das Thema auch Kinder interessiert, weil es sie persönlich betrifft. „Wir sollten nicht darauf warten, dass andere etwas tun“, sagt auch Demonstrantin Leonie Fries. Ihre Mitschülerin Hannah Löck ist enttäuscht, dass Politiker wie Christian Lindner sagen, den Klimaschutz solle man den Profis überlassen. „Die Profis machen ja nichts“, sagt die Schülerin. Frauke Nickel ist der gleichen Meinung: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, die Politiker aber nicht.“

Die Kundgebung vor dem Rosentor ist eine offene Plattform: Wer möchte, kann vor den anderen Demonstranten sprechen. Dass endlich etwas getan werden müsse, meinen die Schüler – und dass eine Veränderung bei jedem Einzelnen anfange. Von der Politik fordert die „Fridays for Future“-Bewegung die Einhaltung der Klimaziele wie die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius und einen schnellen Kohleausstieg.

Am Freitagnachmittag spricht auch Hans-Peter Dreß, der Schulleiter des Ratsgymnasiums, bei der Demonstration. „Macht weiter so“, ermuntert er die Jugendlichen. Er ruft sie dazu auf, sich in politischen Parteien und den Ausschüssen der Stadt und des Kreises zu engagieren. Er wolle seine Schüler unterstützen, erklärt der Direktor. „Ich werde die Schulpflicht und Unterrichtszeiten natürlich einhalten. Ich finde es trotzdem ganz toll, dass die Schüler hier sind“, sagt Dreß. Dass Jugendliche für die Demonstrationen die Schule schwänzen, wird in der Politik heftig diskutiert. Für Frauke Nickel ist der Streik „vielleicht illegal, aber nicht illegitim“. Sie sieht ihn als Druckmittel: Wäre die Veranstaltung nicht in der Schulzeit, hätte sie wohl nicht so viel Aufmerksamkeit erregt.

Wachsende Bewegung

In Zukunft soll die Initiative in der Region noch größer werden. „Wir wollen die Schülervertretungen ansprechen und Schüler gezielt mobilisieren“, sagt Frauke Nickel. Mit der ersten Demonstration in Goslar ist sie zufrieden: „Veränderung beginnt im Kleinen.“ Sie freue sich, dass bereits so viele Goslarer Schüler den Mut hätten, offen auf die Straße zu gehen. „Wir dürfen nicht aufgeben und wollen auch in Zukunft klar äußern, wofür wir stehen“, erklärt Nickel.







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