Montag, 01.04.2019

24 Stunden lang in die Zukunft blicken

Leserbrief

Goslar. Was bewegt den Journalismus der Zukunft? Welche Mittel, außer der klassischen Zeitung und einer guten Website, sollten Reporter und Verlage wählen, um eine größere Leserschaft zu erreichen? Fragen über Fragen, die nicht nur Medienhäuser im Allgemeinen beschäftigen, sondern auch ganz konkret den journalistischen Nachwuchs.

Denn wir sind diejenigen, die auch noch in zwanzig, dreißig Jahren in einer Branche arbeiten wollen, in der es die gedruckte Zeitung – so wie wir sie heute kennen – vielleicht ja gar nicht mehr gibt.

Vier GZ-Mitarbeiter dabei

Zu der Tagung „24 Stunden Zukunft“, die vom jungen deutschen Journalisten-Verband (DJV-Jung) organisiert wurde, brachen daher am Wochenende mit Svenja Paetzold-Belz, Silja Meyer-Zurwelle und Sebastian Krause drei Nachwuchsredakteure sowie mit Sarah Franke eine Volontärin der GZ nach Hamburg auf. In dem lichtdurchfluteten Glasbau des „Spiegels“ an der Ericusspitze kamen zu Workshops, Podiumsdiskussionen und Vorträgen 170 Journalisten unter 35 Jahren aus dem ganzen Land zusammen.

Schon die Keynote, also die Startpräsentation des Seminars, stand für einen vielversprechenden Beginn. Mit „Spiegel-Online“ (SPON)-Chefredakteurin Barbara Hans hatte der DJV Jung eine starke Rednerin gefunden. Sie zitierte einige Sprüche, die ihr im Laufe ihrer Karriere bereits mit auf den Weg gegeben worden waren. Schnell wurde deutlich: Nicht alle davon hatten die Absender gut gemeint, sondern oft geradezu herablassend formuliert.

So nutzte Barbara Hans die Gelegenheit, manch entmutigendes Zitat aus dieser Sammlung in einen positiven Appell umzuwandeln. Sätze, wie „Nicht jeder, der die Macht hat, hat Recht“ waren es, mit denen sie ihren Zuhörern Mut mit auf den Weg gab, sich nicht unterkriegen zu lassen und, die sicher so manchem aus der Seele sprachen.

Thema „Claas Relotius“

Und natürlich war auch der ehemalige „Spiegel“-Journalist Claas Relotius, der Ende vergangenen Jahres aufgeflogen war, etliche seiner preisgekrönten Reportagen erfunden zu haben, immer wieder ein Thema. Die stellvertretende DJV-Bundesvorsitzende Kathrin Konyen begrüßte ihre jungen Zuhörer mit klaren Worten dazu: „Die Pflicht zur Wahrheit, kombiniert mit dem Anspruch, Themen gut lesbar und verständlich aufzuschreiben, ist aufwendig. Diesen Aufwand kann nur leisten, wer im Redaktionsalltag genug Zeit dafür hat und in der Freiberuflichkeit ausreichend honoriert wird. Es sind also nicht nur Journalisten und Journalistinnen in der Verantwortung, sondern auch die Auftraggeber in den Medienhäusern“, lautete ihre Forderung.

Unter dem Motto „Deine Geschichte in allen Kanälen“ konnten die Teilnehmer sich anschließend in den unterschiedlichsten Workshops fortbilden. Von der besten Aufbereitung eines Snapchat-Videos bei der stellvertretenden Leiterin des „Spiegel“-Snapchat-Teams, Angela Gruber, bis zu einem Lehrgang mit Yasemin Yüksel, die beim „Spiegel“ das Ressort „Audio“ leitet und eindrücklich darstellte, wie der Politik-Podcast „Stimmenfang“ produziert wird.

Eine große Fläche

Nicht nur die intensiven Runden in den Workshops, auch der Austausch mit anderen jungen Journalisten war motivierend. Erneut wurde aber auch klar, dass nicht alle Formate in der Lokalzeitung so schnell umsetzbar sind, wie etwa beim „Spiegel“. Allein für Snapchat hat dieser nämlich ein festes Team von sieben Redakteuren – plus freie Mitarbeiter. Auch hier herrschte ein Konsens zwischen den jungen Redakteuren und Volontären: Im Lokal-Journalismus muss man manchmal acht Arme haben, um das Pensum zu schaffen. Jeder soll möglichst alles können und trotzdem noch sein Spezialgebiet haben. Das ist keine leichte Herausforderung, aber spornt auch an.

Noch dazu, wenn es so viele Möglichkeiten gibt, gut recherchierte Beiträge zu veröffentlichen: Zusätzliche Kanäle wie Instagram, 360-Grad-Videos, Podcasts und Facebook bieten bei aller Schwierigkeit, immer alles zu bedienen, eine große Fläche, Themen von ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu zeigen. In Zeiten von „Fake-News“-Vorwürfen – das war eine weitere, wenn auch nicht ganz neue Erkenntnis – hat diese Vielfalt der Möglichkeiten, offenzulegen, wie guter Journalismus gemacht wird, einen höheren Wert denn je.








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