Montag, 31.08.2020

100 Jahre Frauenwahlrecht in den USA

Leserbrief

Am Mittwoch war es so weit: Das historische Datum, an dem das Frauenwahlrecht für alle US-amerikanischen Frauen in Kraft trat, jährte sich zum100. Mal. Ein Anlass, der in den Vereinigten Staaten mit einer Vielzahl an Veranstaltungen und Ausstellungen gebührend zelebriert wird. Der Gouverneur von Maryland hat 2020 sogar zum Jahr der Frau erklärt. Dass die USA heute an diesem Punkt stehen, verdanken sie den Frauen, die über Jahrzehnte nicht ermüdeten, ihr Recht auf demokratische Mitbestimmung einzufordern.

Bereits 1848 ebneten Elizabeth Cady Stanton und Susan B. Anthony den Weg zum Kampf um die Gleichstellung mit dem Mann. Sie organisierten das erste rein weibliche Zusammentreffen, welches das Problem der unzureichenden Frauenrechte im Land behandelte. In den Augen vieler Zeitgenossen war die Seneca Falls Convention im Westen New Yorks ein revolutionäres Ereignis. Doch so mutig dieser Schritt in einer Zeit, in der die Frau als zu Gehorsam verpflichtetes Anhängsel zum Mann verstanden wurde, auch war: Der Weg zum Erfolg war lang.

Hartnäckiger Kampf

1890 gründeten Elizabeth Cady Stanton und Susan B. Anthony die National American Woman Suffrage Association, eine Frauenrechtsorganisation, die im Verlauf der Jahre über zwei Millionen weibliche aber auch männliche Mitglieder gewann und so zur größten Freiwilligenorganisation der USA ihrer Zeit wurde.

Während neun der eher liberalen US-amerikanische Staaten wie Wyoming, Utah, Idaho und Kalifornien bereits bis 1912 das Frauenwahlrecht einführten, stemmte sich der Großteil der restlichen US-Bundesstaaten immer noch gegen das uneingeschränkte landesweite Frauenwahlrecht. Darunter auch Pennsylvania, ein Staat, der sich eigentlich mit seiner demokratischen Tradition brüstete.

So leisteten die Suffragetten, wie die US-amerikanischen Aktivistinnen bezeichnet wurden, weiterhin Widerstand. Sie demonstrierten, hielten Mahnwachen vor dem weißen Haus in Washington, störten offizielle Veranstaltungen und sorgten auch mit Hungerstreiks für Aufsehen. Dass die Frauen auch körperlich bedroht und angegangen wurden, obwohl sie meist nur passiven Widerstand leisteten, blieb oftmals nicht aus.

Noch nicht ans Ziel gelangt

1920 war es schließlich so weit. Am 26. August fand der 19. Zusatzartikel, der Frauen das vollständige Wahlrecht auf allen Ebenen einräumte, Eingang in die US-Verfassung. Ausschlaggebend für die Durchsetzung war die Zustimmung des Staates Tennessee, der ihn als 36. Staat ratifizierte. Ein Ergebnis 42 Jahre langen Durchhaltevermögens und Entschlossenheit.

Afroamerikanische Frauen jedoch wurde bis in die 60er Jahre das Recht, wählen zu gehen, weiterhinverwehrt – einigen sogar mit Gewalt. Andere schwarze Frauen sollten Wahlsteuern zahlen oder mussten Lesetests bestehen, um von ihrem Recht Gebrauch zu machen. Wahllokale wurden außerdem in Gegenden gelegt, die für Schwarze schwer erreichbar waren.

US-Senatorin und Vizepräsidentschaftskandidatin der Demokraten Kamala Harris bei einer politischen Debatte in Las Vegas im Jahr 2019. Foto: Gage Skidmore/ Flickr
Auch heute noch sind Frauen, darunter vor allem afroamerikanische, in der US-amerikanischen Politik unterrepräsentiert. Kamala Harris, Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin an der Seite von Demokrat Joe Biden, ist die erste schwarze Frau, die es geschafft hat, für solch ein hohes politisches Amt in den USA nominiert zu werden.

In einer Sendung des Nachrichtensenders MSNBC zum 100-jährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts betont die Kandidatin: „Auch, wenn es viel zu Feiern gibt, sollten wir uns klar sein, dass wir noch nicht am Ziel sind. Wir müssen noch viel zur Gleichberechtigung der Frau erreichen. Zum Beispiel beim Thema gleicher Lohn.“









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