Mittwoch, 06.02.2019

„WhatsApp“ und „Fortnite“ in der Kritik

Leserbrief

Goslar. Übermüdete Schüler, die die halbe Nacht „Fortnite“ gezockt haben und am kommenden Morgen dem Unterricht nicht aufmerksam folgen können. Klassenchats bei „WhatsApp“, in denen Jugendliche schon lange den guten Ton verloren haben – diese Dinge sind an Schulen leider keine Seltenheit mehr. Immer häufiger werden Lehrer darauf aufmerksam, sind am „Puls der Zeit“, wie Hans-Peter Dreß, Schulleiter des Goslarer Ratsgymnasiums (RG), es formuliert.

Doch was können Schulen dagegen tun? Verbote gegen „Fortnite“ und „WhatsApp“ aussprechen? „Sicherlich nicht“, meint Dreß: „Wir können nur aufklärend und orientierend wirken.“ Deswegen setzt der Pädagoge auf die Unterstützung durch die Eltern am RG. Mit einem Brief will er sie auf die Gefahren des aktuellen Medienkonsums hinweisen. Doch was sind seiner Meinung nach die Probleme?

Kein Verbot

In seinem Schreiben zitiert er das Niedersächsische Schulgesetz. Aus datenschutzrechtlicher Sicht sei der Einsatz von „WhatsApp“ für schulische Zwecke nicht zulässig. „Der Messenger darf deshalb auch innerhalb der Schule nicht genutzt werden“, schreibt der Schulleiter. Generell sei es am RG nur erlaubt, auf dem Schulhof das Handy zu verwenden, erklärt er. Im Gespräch mit der Jungen Szene macht der Rektor auf das Schulinformationssystem „Iserv“ aufmerksam, mit dem die Ratsgymnasiasten untereinander über das Internet kommunizieren können. Auch wenn er zugibt, dass dies zwar nicht so „bequem und schnell“ wie „WhatsApp“ sei, soll die Plattform, die auch an anderen Schulen verwendet wird, intensiver genutzt werden.

Der zweite Punkt, den er in seinem Brief aufgreift, ist das Spiel „Fortnite“ – ein Videospiel, das sich nach seinen Aussagen „in ungeahnter Geschwindigkeit verbreitet“, vor allem, weil der Download kostenlos ist. Es übe eine Suchtwirkung aus, und „das Ziel des Spiels ist es, sich gegenseitig umzubringen“, schreibt der Schulleiter. Gefährlich wäre zudem, dass die Schüler online gegen Spieler jeden Alters antreten können, was vor allem Ältere ausnutzen könnten.

Nicht die Medien verteufeln

Mit seinem Elternbrief will Dreß aber gar nicht die Medien verteufeln, „denn unser Leben ist inzwischen durchgehend medial geprägt“, schreibt er. Es sei aber unerlässlich, dass Kinder solchen Angeboten nicht hilflos ausgeliefert seien, weswegen er die Eltern um Mithilfe bittet.

„Überwiegend war die Resonanz auf das Schreiben gut“, sagt der Direktor. Die Erziehungsberechtigten mussten mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass sie es zur Kenntnis genommen haben. Einige Eltern hätten zusätzlich noch eine Notiz mitgeliefert, in der sie sich für den Brief bedankt haben, berichtet Dreß. Bei den Schülern kam die Information größtenteils auch gut an, obwohl einige Jugendliche schnell mit Dreß ins Gespräch gekommen sind, um ihren Unmut über einige Punkte auszudrücken.

Hans-Peter Dreß ist aber auch klar, dass „WhatsApp“ und „Fortnite“ nicht die einzigen Risikofaktoren sind. Soziale Medien wie „Instagram“ und „Snapchat“ fallen ihm dabei ebenso ein, über die noch mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden müsse. „Vielleicht gibt es bald noch einen zweiten Elternbrief“, überlegt der Schulleiter.








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