Montag, 11.09.2017

„Wetten, dass...?“ das Wahlkampf ist

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Wolfenbüttel. Notorische Fernseh-Romantiker müssen am 24.September wohl bei den Genossen ihr Kreuz machen: „Wenn die SPD die Wahl gewinnt, moderiere ich noch einmal „Wetten, dass?...“, versprach TV-Entertainer Thomas Gottschalk am Sonntagabend zum Ende einer Wahlveranstaltung in der „Lindenhalle“ mit Johannes Kerner und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel.

Welch eine Resonanz: Wer beim kurzfristigen Reservieren nicht flink genug war, hatte keine Chance. Mehr als 700Menschen genossen zwei durchaus unterhaltsame Stunden, die freilich mehr an alte ZDF-Samstagabende erinnerten, als sich durch politischen Tiefgang auszeichneten. „Heimat: Hollywood, Hamburg, Harz“ war der Dämmerschoppen überschrieben. Aber Hand aufs Herz: Heimat? Politik? Von wirklichem Interesse war an Ort und Stelle doch eher, welcher der Herren die besten Sprüche raushaut – und das Trio hatte viel zu bieten.

Immer wieder Michelle

Zur Musik des Goslarers Jarek Bartoschek wurden Thomas Johannes Gottschalk, Johannes Baptist Kerner und Sigmar Hartmut Gabriel auf die Bühne gebeten. Gottschalk und Gabriel legten ein Tänzchen hin – der Politiker führte. Kerner machte Genossen-Punkte durch seine roten Socken. Dunja Kreiser, Gemeindebürgermeisterin und blonde Wolfenbütteler Landtagskandidatin, schob Fragen des Publikums dazwischen und wurde in ihrer Assistentinnen-Rolle von Gottschalk konsequent Michelle genannt – lieben Gruß an Frau Hunziker.

Einem kleinen Nachwuchs-Fahnenschwenker der Genossen brachte der TV-Profi bei, wie er sein rotes Tuch werbemäßig richtig ins Kamerabild bringt. Zum Rückkehrrecht von Müttern auf Vollzeit habe er fünf Nächte mit Angela Merkel verbracht, erklärte wiederum Gabriel unter Saal-Gelächter. „Sigmar gibt alles“, kommentierte Kerner und erfuhr sofort, dass man der Kanzlerin in langen Verhandlungsrunden mitnichten vorwerfen könne, dass sie nichts vertrage. Rotwein heißt das Zauberwort.

Wahlgeheimnis

Aber sollte es nicht eigentlich um rote Politik gehen? Ging es zwischendurch auch. Sogar sehr ernsthaft. Wenn Gabriel etwa – gar nicht stramm auf Parteikurs – verriet, dass er nicht alle Förderschulen abschaffen würde. Oder zum Diesel-Skandal, „dass von den Jungs in den Vorständen in der Politik keiner eine Woche überlebt hätte“. Aber Deutschland brauche weiterhin „bessere und saubere Verbrennungsmotoren, die wir ja auch schon herstellen“. Und die AfD? „Erstmals nach 1945 werden wieder echte Nazis am Rednerpult im Reichstag stehen“, sagte der Goslarer, wollte aber nicht alle Wähler der Partei verdammen.

Ach ja, was hatte es eigentlich für den Promi-Auftritt gegeben? Keinen Frei-Rückflug nach Malibu im Außenminister-Jet für Gottschalk, keine Steuerhilfen für Kerner, hatte der Thommy anfangs treuherzig versichert. Man kennt sich, man schätzt sich, aber wählt man ihn auch? Es blieb ein Geheimnis. Weder Kerner verriet eine Tendenz, obwohl er in der Nähe zur ehemaligen DDR-Grenze mitunter fleißig Fünf- oder Zehn-Jahres-Pläne der Politik einforderte. Noch sagte Gottschalk, wo er sein Kreuz gemacht hat. Seine Berliner Briefwahl ist schon erledigt – der Abend hätte ihn also nicht mehr in seiner Entscheidung beeinflussen könne. Andere vielleicht?...



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