Freitag, 13.09.2019

„Weite Entfernungen machen geduldiger“

Leserbrief

Liebenburg/Toronto. „Es war eine unglaublich tolle Sache.“ Die 21-jährige Catharine Rettberg aus Liebenburg saß mit leuchtenden Augen am Küchentisch. Erst vor zwei Wochen kam die junge Frau nach einem dreimonatigen Aufenthalt aus Kanada zurück. Vorgesehen war der Auslandsaufenthalt in ihrer Lebensplanung eigentlich nicht, aber als sich die Gelegenheit bot, nutzte sie ihre Chance, neue Leute, ein fremdes Land und eine andere Kultur kennenzulernen.

Sie hatte ihre Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Volksbank Seesen abgeschlossen und bereits einige Monate im Immobilienmanagement gearbeitet, als sie im Internet von dem Austauschprogramm der Niedersächsischen Landjugend erfuhr. „Ich bewarb mich dort und erwartete zunächst nichts“, erinnerte sie sich.

Ein Feierlicher Akt

Sich zu verkleiden, gehört für Catharine (hockend, Mitte) am Nationalfeiertag dazu.
Umso größer war die Freude, als sie die Einladung bekam, sich bei der Landesversammlung der Niedersächsischen Landjugend vorzustellen. „Da wurde ich ganz offiziell für das Programm ausgewählt und meine Teilnahme bestätigt.“ Ein durchaus feierlicher Akt, denn immerhin würde Catharine Rettberg als Delegierte ihr Heimatland in Kanada vertreten.

Viel Zeit für Aufregungen blieb nicht. Schon am 24. Mai ging der Flieger nach Toronto in der kanadischen Provinz Ontario. „Die Weiten dort sind unvorstellbar. Ontario ist dreimal so groß wie die Bundesrepublik, aber es leben dort nur14 Millionen Einwohner, vornehmlich im Süden, in Grenznähe zu den USA“, sagt Catharine.

Geprägt durch Einwanderer

Kanada besteht aus zehn Provinzen und Territorien. „Mit dem Auto brauchst du drei Tage, um Ontario zu durchqueren.“ Entsprechend groß und geländegängig sind dort die Autos. Geprägt ist Ontario durch deutsche, niederländische und irische Einwanderer.

Die Gruppe der Delegierten, mit der Catharine reiste, umfasste weitere vier junge Erwachsene im Alter zwischen 21 und 26 Jahren. Sie kamen aus England, Irland, Nordirland und Österreich. „Untergebracht waren wir bei verschiedenen Gasteltern. So kamen wir weit rum und erlebten viel.“

Die fünf jungen Leute blieben aber immer zusammen und wurden für drei Monate zu ihrer Familie, erzählt die 21-Jährige. Dabei erlebte sie die Kanadier als sehr höflich. Das zeigten viele Situationen im Alltag, zum Beispiel beim Anstehen am Bus. Wo in Deutschland oft rüpelhaft gedrängelt wird, stehen die Kanadier in einer Reihe an und gewähren anderen Mitreisenden gerne den Vortritt. „Vielleicht machen die so weiten Entfernungen die Leute geduldiger?“, vermutet sie.

Alles ist übergroß

„Wir besichtigten viele landwirtschaftliche Betriebe, darunterauch eine Pilzfarm.“ Maschinen, Farmen, Autos – alles war übergroß, und die Wälder erstreckten sich über riesige Flächen. Am 1. Juli erlebte die Liebenburgerin die Feierlichkeiten zum „Canada-Day“, dem Nationalfeiertag zur Unabhängigkeit vor 152 Jahren.

Den Austausch mit der niedersächsischen Landjugend gibt es bereits seit 70 Jahren. „Bei den Feierlichkeiten habe ich eine 80-jährige Frau getroffen, die vor 60 Jahren am Austausch teilnahm.“ Auch für Catharine Rettberg wird es ein Wiedersehen mit Kanada und vielen neuen Freunden geben. Aber nun will sie erst mal ihr Studium in Göttingen beginnen: Lehramt für Deutsch und Religion.








Weitere Topthemen aus der Region:
  • Braunlage
    Linie immer noch nicht ausgeschildert
    Mehr
  • Lokal-Sport
    Nur die B-Junioren des GSC 08 punkten
    Mehr
  • Bad Harzburg
    Der Verkehrsverein rollt auf die „70“ zu
    Mehr
  • Lokal-Sport
    Vermeintlicher Spieler-Rauswurf führt zu Diffamierungskampagne im Netz
    Mehr
  • Lokal-Sport
    Neues Pferd für Baumgarten
    Mehr