Freitag, 30.08.2019

„Tattoos sind eine Lebenseinstellung“

Leserbrief

Heutzutage verzieren viele Leute sich mit kleinen Malereien oder Schmuckstücken, die Rede ist von Tattoos und Piercings. Die Zeiten, in denen Piercings oder Tattoos nur von Mitgliedern einer Gang oder Szene getragen wurden, sind längst vorbei. Viele sehen das Thema nicht mehr so kritisch.

Stephan Wilberz Foto: Hillebrand
Heute ist es schon für manche ein Modetrend, wie Stephan Wilberz (52) von dem Tattoo und Piercing Studio „The Indian Dream“, bestätigt. Der Inhaber des Studios in der Piepmäkerstraße 9 möchte diesen Körperschmuck aber eher weniger als ein Schönheitsideal betiteln „Für Leute, die sich wirklich oft und viel tätowieren, ist es eher so was, wie eine Lebenseinstellung“, sagt der 52-Jährige.

Er bekommt auch mit, dass Tattoos und Piercings mittlerweile in der Gesellschaft anerkannter sind. „Tattoos gibt, es, seit es Menschen gibt“, so Wilberz. Personen, die sich über so was beschweren, seien zunehmend in der Minderheit.

Aber was sagen Arbeitgeber zu dieser Art von Schmuck? Haben es Menschen mit Tätowierungen oder Piercings schwerer auf dem Arbeitsmarkt? Gibt es vielleicht auch Risiken? Die Kunden, die zu Stephan Wilberz kommen, würden wissen, ob sie das mit ihrem Job vereinbaren können. Außerdem ist er so verantwortungsbewusst und tätowiert nur Personen ab 25 Jahren an Stellen, die nicht verdeckt werden können.

„Nicht mehr so verpönt“

Viele Leute denken, dass Bankangestellte gar keine Tattoos oder Piercings haben dürfen. Es würde nicht so seriös wirken. Wie es wirklich aussieht, erklärt die Verantwortliche des Personalwesens der Goslarer Volksbank, Marion Röttger. Da in einer Bank eher lange Hemden und Hosen getragen würden, seien Tattoos und Piercings in diesen Bereichen gar kein Problem, erklärt Röttger.

„Es ist einfach nicht mehr so verpönt, wie früher“, fasst sie die Situation zusammen. Kleinigkeiten am Ohr oder an der Nase sollten auch keine Schwierigkeit darstellen. „Solange es nicht irgendwas Großes im Gesicht ist, ist alles gut“, so Röttger. Verboten seien Tattoos oder Piercings auf jeden Fall nicht.

So wie der Krawattenzwang langsam verschwinde, lockere man sich auch im Bereich Körperschmuck. Offene Tattoos oder Piercings sollten trotzdem noch, wie die AOK Niedersachsen empfiehlt, verdeckt werden. Die Ausbildungsleiterin, Wiebke Kubczak, der AOK Niedersachsen ist der Meinung, dass es sich zwar schon sehr gelockert habe, man es aber immer noch nicht so gerne sehe. Dabei sei es auch vom Arbeitgeber abhängig. Sie gibt den Tipp, Piercings und Tattoos erst mal zu bedecken.

Kein Problem mit Tattoo

Berufe, in denen man sich wohl gar keine Gedanken wegen seines Körperschmucks machen muss, sind Tätowierer oder Piercer. Wobei Tattoos oder Piercings keine Pflicht sein müssen. Überraschend ist jedoch: „Viele der besten Tätowierer der Welt sind nicht tätowiert“, erklärt Stephan Wilberz, der hingegen selbst tätowiert ist.

Und wie sieht es im Bereich Hygiene aus? Michael Weihrich, Pressesprecher des Landkreises Goslar, schränkt die Duldung von Piercings mit Blick auf Hygienevorschriften und den Verbraucherschutz ein. „Wenn jemand einen Beruf mit Lebensmitteln ausüben möchte, gilt die allgemeine Verordnung, jeglichen Schmuck abzulegen – auch Piercings fallen darunter. Das hat auch etwas mit dem Verbraucherschutz zutun“, so Weihrich. Man müsse den Verbraucher vor möglichen Infektionen und Krankheits-Risiken schützen. In Betrieben, in denen der Arbeitnehmer mit Maschinen zutun hat und diese für eine gepiercte Person eine Gefahr darstellen sollten, müsse das Piercing auch entfernt werden. „Die Anstellung einer tätowierten oder gepiercten Personen obliegt jedoch dem Privatrecht“, erklärt Weihrich. Also ist es dem Arbeitgeber überlassen, wen er einstellt. Solange er dabei nicht gegen das allgemeine Gleichbehandlungsrecht verstoße, sei alles gut.

Tattoos und Piercings stellen in der aktuellen Arbeitswelt kein riesiges Drama mehr dar. In einigen Handwerksberufen oder Jobs mit Kundenkontakt sollten jedoch die betroffenen Körperstellen gut zu verdecken sein sowie die Piercings herausnehmbar. Natürlich steht es jedem frei, ob er Tattoos oder Piercings möchte, es sollte jedoch auch gut darüber nachgedacht werden. Von Lena Hillebrand









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