Freitag, 08.02.2019

„Schüler sollen reflektierende und kritische Nutzer werden“

Leserbrief

Harz. Am Goslarer Ratsgymnasium (RG) sorgt ein Elternbrief, den Schulleiter Hans-Peter Dreß verteilt hat, für Gesprächsstoff. In seinem Schreiben bezieht er sich insbesondere auf den Kommunikationsdienst „WhatsApp“ und das Videospiel „Fortnite“ (die GZ berichtete). Lehrer hätten an seiner Schule bemerkt, dass Kinder und Jugendliche übermüdet im Unterricht saßen, weil sie zu lange Computer gespielt hätten. Zudem käme es vor, dass Klassenchats ausarteten. Mit seinem Brief will er Eltern sensibilisieren und aufklären, was ihre Kinder im Netz treiben. Daraufhin hat die Junge Szene bei Schulleiterinnen aus der Region nachgefragt, wie sie an ihren Schulen mit den Gefahren von Medien umgehen und wie sie Aufklärungsarbeit leisten.

Medien im Unterricht

Inga Rau, Schulleiterin am Bad Harzburger Werner-von-Siemens-Gymnasium, spricht das Fach Medien an, das dort von der fünften bis zur elften Klasse unterrichtet wird. „Uns ist es wichtig, dass die Schüler reflektierende und kritische Nutzer von sozialen Medien werden“, sagt sie. In diesem Fach werden auch aktuelle Themen wie „WhatsApp“ und „Fortnite“ besprochen.

Jan Steuernagel, der am „Werner“ für die Medienkonzeption zuständig ist, erzählt, dass sie beispielsweise mit den Schülern Regeln für „WhatsApp“-Gruppen erarbeiten. „Wir empfehlen zwei Gruppen – eine für Hausaufgaben und eine andere für Quatsch-Themen“, sagt er. Aber das müssten die Schüler dann allein regeln, weil Lehrer diesen Gruppen nicht beitreten dürften. Genau wie Schulleiter Dreß beruft sich auch Steuernagel auf das Niedersächsische Schulgesetz. Er und Inga Rau sind sich aber auch einig, dass eine Schule nicht die komplette Erziehungsarbeit leisten könne, denn viel würde zu Hause passieren und darauf hätten die Lehrer keinen Einfluss.

Den Erziehungsauftrag der Eltern spricht auch Jutta Reusing, Schulleiterin der Robert-Koch-Schule in Clausthal-Zellerfeld an, denn „sie können nicht alles an die Schule abschieben.“ Es finge allein schon bei den Umgangformen mit dem Smartphone an, ob Jugendliche beim Mittagessen die ganze Zeit am Handy sind oder nicht. Sie sieht es zudem als Pflicht der Eltern an, dass sie sich schlau machen und hingucken, was ihre Kinder am Handy treiben.

Reusing erwähnt aber auch die Medienkonzepte, die jede Schule entwickeln müsse. „Darin geht es nicht nur darum, wie Medien richtig bedient werden, sondern auch wie ein verantwortungsvoller Umgang mit ihnen aussieht“, erklärt die Direktorin. In der Schule hat sie auch davon mitbekommen, dass einige ihrer Schützlinge „Fortnite“ spielen, aber von den Lehrern hätte sie bislang nicht die Rückmeldung erhalten, dass es bei dem Spiel zu Problemen käme.

Eine Straftat

An den Berufsbildenden Schulen (BBS) Am Stadtgarten sei das Spiel kein Thema, erklärt Schulleiterin Anke Thumann. Viele Berufsschüler seien aber auch älter als die Jugendlichen des RG. Der Direktorin sei aber auch aufgefallen, dass einige ihrer Schüler Lücken bei „WhatsApp“ hätten. „Vielen war zum Beispiel nicht bewusst, dass es sich um eine Straftat handeln kann, wenn jemand etwas im Namen eines Anderen schreibt“, sagt sie. Darum ist es Anke Thumann, wie auch den anderen beiden Schulleiterinnen, sehr wichtig, die Medien in den Unterricht einzubinden und zu zeigen, wie die Schüler sich und andere schützen können.







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