Freitag, 07.02.2020

„Jeder, der will, findet seinen Weg“

Leserbrief

Goslar. Der 19-jährige Ganusan Pathmanathan besucht den Vortrag von Buchautor Fadi Saad nun schon zum zweiten Mal. Saads Humor und wie er die Schüler aktiv in seine Veranstaltung mit einbindet fasziniert den Schülersprecher der Berufsbildenden Schulen Am Stadtgarten (BBS). „Er bringt uns zum Lachen.“ Ganusan hat selbst schon Erfahrung mit Diskriminierung gemacht. Zusammen mit der Schülervertretung hat er diese Veranstaltung organisiert.

Auf zwei Tage verteilt finden fünf Lesungen von Fadi Saad in der Pausenhalle der Schule statt. Der40-Jährige wurde bekannt durch sein 2007 erschienenes Buch „Der große Bruder von Neukölln“ und seine Auftritte in Fernsehshows. Mittlerweile ist er Polizist in Berlin.

Ganz nach dem Motto der Goslarer Zivilcourage-Kampagne, die er jetzt schon seit mehreren Jahren begleitet, „Verstecke Dich nicht, zeige Gesicht“, spricht Saad die rund500 Schüler immer wieder gezielt an und bindet sie mit ein. Er fordert sie auf, laut zu sprechen, ganze Sätze zu bilden und ihre Antworten zu begründen. Dadurch kommen sie aus sich heraus – sie „zeigen Gesicht ohne sich zu verstecken“. Mit Jugendslang, witzigen Sprüchen und Herz schafft er es innerhalb kürzester Zeit, die Schüler für sich zu gewinnen.

„Seid weltoffen!“

Neben dem richtigen Zivilcourage-Verhalten bespricht Saad ganz unterschiedliche Themen mit den Schülern. Angefangen bei der Herkunft seines Namens und seiner Eltern, über die Entstehung der drei Weltreligionen, das Zusammenleben in einer Familie bis hin zum Thema Vorurteile. Dass bei der Frage seiner Herkunft keiner der Schüler beantworten kann, wo genau Arabien liegt und aus wie vielen Ländern es besteht, schockiert den Berliner. „Beschäftigt euch mehr mit der Welt! Die ist nämlich größer als ein 7,5 Zoll großes Handydisplay.“

Es geht Saad hierbei nicht darum auf dem fehlenden Wissen der Schüler herumzureiten, sondern anhand dieses Beispiels zu verdeutlichen, wo Diskriminierung bereits anfängt. Nämlich beim Desinteresse für sein Gegenüber. Schließlich würden wir jemanden aus Europa auch fragen, wo genau er denn herkomme. Wenn die meisten jedoch „Araber“ hören, sei für viele schon „alles klar“, und es werde nicht weiter nachgefragt.

Der ehemalige Streetworker sagt, wenn wir über Integration und das Zusammenleben in der Gesellschaft reden, sollten wir mehr auf die Gemeinsamkeiten als auf die Unterschiede gucken.

„Nutzt euer Leben!“

Am Ende spricht er über Gewalt gegen Frauen. Eine Schülerin öffnet sich spontan ganz privat und erzählt vor allen von ihren Erfahrungen mit Gewalt durch ihren Exfreund. Dieses Beispiel zeigt, wie Fadi Saad es innerhalb kürzester Zeit schafft, eine sichere und freundschaftliche Atmosphäre für die Jugendlichen zu schaffen, in der sich keiner verstecken oder schämen muss.

Er verdeutlicht den Schülern am Ende noch einmal, dass sie selber wollen müssen, um im Leben etwas zu erreichen und dass sie niemals aufgeben dürfen. Vor allem macht er ihnen klar, dass sie es nur selbst schaffen können. „Das nimmt euch keiner ab!“









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