Montag, 19.08.2019

„Es wird eine Elif 2.0 geben“

Leserbrief

Goslar. Die 13. Schicht des Miner’s Rock steht am 1. November an. Zum Auftakt hat das Veranstalterteam ein Doppelkonzert mit den jungen Popmusikern Elif und Benne angesetzt (die GZ berichtete). Im Interview mit der „Jungen Szene“ haben beide Künstler verraten, was die Fans bei den Konzerten erwarten können.

Letzte Woche hat Benne den Anfang gemacht. Heute lest ihr das Interview mit Elif. Die 27-Jährige aus Berlin ist 2009 durch die Sendung „Popstars“ bekannt geworden und hat unabhängig von der Sendung 2013 das Album „Unter meiner Haut“ und 2017 „Doppelleben“ rausgebracht.

In drei Sätzen: Stell dir vor, du müsstest jemandem deine Musik beschreiben, der sie noch nicht kennt.

Meine Musik ist ehrlich. Meine Musik ist tiefgründig und melancholisch, findet aber immer wieder den Weg zum Licht. Ich lasse immer eine Tür auf, wenn es viel zu traurig wird, um da wieder raus zu kommen (lacht). Ach ja, und es ist deutschsprachige Pop-Musik.

Was erwartet die Goslarer Fans bei deiner Schicht am 1. November in der alten Schlosserei? Bringst Du neue Songs mit?

Ich werde höchstwahrscheinlich neue Songs mitbringen, weil ich es gar nicht mehr aushalte, die nicht live zu spielen. Ich werde eine ganz neue Band mitbringen. Deshalb bin auch ich gespannt – Mit den Musikern hatte ich diese Woche den ersten Gig. Es wird sehr viel Neues geben, denn da werden ganz andere Menschen mit mir auf der Bühne stehen. Die Leute können sich auf jeden Fall darauf einstellen, dass es eine Elif 2.0 geben wird. Es wird nicht mehr so akustisch wie früher. Die neuen Songs sind auch sehr, sehr viel moderner. Ich habe aber meine Wurzeln nicht vergessen. Ich komme ja von der Akustik-Gitarre, aber es wird alles etwas elektronischer.

Es ist Schicht 13. Für einige ist die 13 ja eine Unglückszahl. Was meinst du dazu? Machst du dir über soetwas Gedanken?

An manchen Tagen ja, und an manchen Tagen nein. Ich finde, es gibt so Tage, da ist man irgendwie abergläubischer und man möchte daran glauben. Aber ich glaube, wenn ich in Goslar ankomme, dann vergesse ich jeden Aberglauben und dann ist die dreizehn meine Glückszahl.

Die Location im Weltkulturerbe Rammelsberg ist ja schon interessant. Was war für dich bisher die beeindruckendste Bühne, was ist dir bei einem Auftritt besonders im Gedächtnis geblieben?

Die 27-Jährige schätzt traditionelles Essen. Für sie hat es Welterbestatus.
Es gibt ein paar Bühnen, die mir im Gedächtnis geblieben sind: Einmal die Waldbühne in Berlin, weil die einfach so unglaublich groß ist. Da standen 17.000 Menschen vor der Bühne. Berlin ist meine Heimatstadt, und die Waldbühne ist so eine Location, wo man sagt: Das ist ein Lebensziel, da zu spielen. Eine atemberaubende Location ist die an der Lorelei. Da habe ich ganz am Anfang meiner Karriere als Vorband gespielt. Von dort kann man auf den Rhein runterschauen, und da habe ich mir gedacht: Oh, wie schön kann denn Deutschland bitte sein? Was mach ich denn eigentlich in Berlin? Und viel Wein gibt es da natürlich.

Magst du Wein?

Ja, ich gönne mir ab und zu Wein. So streng bin ich auch nicht. Und ich mache sehr viel Sport.

Ja, es muss immer schön alles ausbalanciert sein.

Genau! So Ying und Yang.

Wie findest du das Konzept vom Weltkulturerbe? Also allgemein, weltweit bestimmte Bauwerke, Traditionen, Musik und ähnliches unter besonderen Schutz zu stellen und ihnen einen besonderen Status zu verleihen.

Ich finde es gut, wenn Leute sich darum kümmern, dass etwas nicht zerstört wird. Ich glaube, dass wir Menschen ziemlich gerne vieles platt machen, um da irgendwas aufzuziehen, was noch mehr Geld bringt. Aber manchmal geht es einfach nicht um Geld oder Besitz, sondern darum, dass die schönen Dinge da bleiben. Ich finde gut, dass es Leute gibt, die sagen: „Nee, das bleibt hier jetzt so wie es ist!“, und damit Sachen erhalten. Das ist wichtig.

Was ist für dich Welterbe? Was verbindest du damit?

Mein persönliches Welterbe ist Essen. Wenn ich in ein Land gehe und dort das traditionelle Essen bekomme, dann komme ich dort richtig an und tauche sozusagen in diese Welt ein. Natürlich passiert es mir, dass ich zum Beispiel in Lissabon Sushi esse. Aber ich finde es grundsätzlich toll, wenn die Leute ihre Gerichte und Gewürze schützen und beibehalten. Ich mag traditionelle Dinge sehr gerne. Ich bin in Berlin aufgewachsen und habe türkische Wurzeln. Ich glaube ein Grund, warum ich mich mit diesen Wurzeln verbunden fühlen kann, ist, weil wir zuhause türkisch gegessen haben. Das mag ich übrigens an Istanbul, da gibt es großartiges Essen. Da kann man fast nur deswegen hinfahren (lacht). Oder in Italien, die Pasta und das Eis – das kriegt man nur da so richtig.

Das heißt du reist gerne und auch für gutes Essen?

Ja. Ich finde man muss viel reisen, damit der Weitblick bestehen bleibt.

Goslar – was ist die Stadt für dich? An was denkst du?

Ich kenne Goslar noch überhaupt nicht und freue mich darauf, die Stadt endlich mal kennenzulernen. Ich mache sowas sehr gerne und werde mir auf jeden Fall Zeit nehmen, mir da was anzugucken. Es wäre total traurig, wenn man nur in der Location ist. Vielleicht haben ein paar Leute ja noch Tipps für mich. Ich werde das auf jeden Fall noch posten.

Die Goslarer freuen sich bestimmt, wenn du dich in der Stadt etwas umschaust, angefangen am Rammelsberg, in der Altstadt und natürlich in der Kaiserpfalz. Es gibt hier einiges zu sehen bei uns.

Sehr schön. Ich liebe Kultur. Ich glaube, ich war, was das angeht, eine der spießigsten Schülerinnen. Die Leute denken immer, dass Musiker so einen Rock’n’Roll-Lifestyle leben. Aber ich bin eine kleine Spießerin, die auch Geschichten aufschreibt (lacht).

Dein Song „Doppelleben“ vom gleichnamigen Album, zeigt ja den Konflikt zwischen Zuhause und Draußen und wie du damit umgegangen bist. Was kannst du Jugendlichen in ähnlichen Situationen raten. Und was möchtest du den Eltern sagen?

Den Jugendlichen kann ich nur sagen: Steht zu euch, seid was ihr seid oder sein wollt. Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Leben zu führen, dass man nicht führen möchte. Für mich ist es eines der schlimmsten Gefühle, wenn ich mein Leben für andere lebe. Der Song ist auch eine Bitte an die Eltern, dass sie einen so nehmen, wie man ist. Undzwar genauso, wie man ist und dass sie nicht irgendwas an einem beschönigen oder verändern sollen. Der Song soll einen dazu bringen, darüber nachzudenken, wer man ist. Und er soll die Eltern dazu bringen ihre Kinder nicht zu verstellen. Das hat Folgen, die niemand schön findet. Steht zu euch, stärkt euer Selbstwertgefühl. Jeder ist so wie er ist, es gibt da kein falsch oder richtig. Es gibt nur ein „so wie es ist“. Man kann ja mit einem Menschen erst richtig umgehen, wenn man weiß, woran man ist und wer er ist. Wenn man immer zwei Rollen spielt, wird niemand auf dich eingehen können.

Willst du den Goslarern noch was sagen?

Ich will mich schon mal bedanken bei den Goslarern, dass ich bei ihnen auftreten kann, dass sie Bock auf das Konzert haben und hinkommen. Ich musste Anfang des Jahres einige Konzerte absagen, weil es mir nicht gut ging. Ein Konzert habe ich aber nicht abgesagt, und das ist das in Goslar. Darauf freue ich mich wirklich sehr, sehr doll. Außerdem kann ich es nicht erwarten, euch meine neuen Songs vorzuspielen.








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