Montag, 07.10.2019

„Bam Bam“ wird mit dem Hören stärker

Leserbrief

Deutschlands lässigste Band hat harte Zeiten hinter sich. Doch „Seeed“ lässt sich nicht kleinkriegen und legt mit „Bam Bam“ nach sieben Jahren ein starkes neues Album vor. Wir sprachen mit Co-Frontmann Frank Dellé.

Was macht ein elfköpfiges Kollektiv, wenn es plötzlich nur noch zu zehnt ist? Vor dieser Frage standen die Berliner Jungs von „Seeed“, die seit 1998 zusammen Musik machen und mit Songs wie „Dickes B“ praktisch zu nationalem Kulturgut zählen, als im Mai 2018 Demba Nabé, einer der drei Frontleute der Truppe, unerwartet verstarb. Die Antwort, nach einigen Wochen: Sie machten weiter.

„Wenn ich gegangen wäre, dann hätte ich mir auch gewünscht, dass die anderen die Band weitertragen. Es ist für uns Musiker ein Riesenglück und ein Segen, dass wir über unseren Tod hinaus weiterleben“, sagt Frank Dellé. Und so entschied sich die Band, ihr neues Album „Bam Bam“ mit dem Demba-Solo-Song „Whata Day“, einer herrlichen, berührenden Hymne auf das Leben, abzuschließen. „Dieses Stück, das wir praktisch auf seiner Festplatte gefunden haben, war perfekt, um noch einmal Dembas Stimme zu präsentieren. In 20 Jahren werde ich mir das anhören und sofort wissen: So war das damals.“

Kleiner Tourauftakt

Zehn Tage vor dem offiziellen Tourneebeginn am 11. Oktober haben „Seeed“ zum Aufwärmkonzert in kleinem, idyllischem Rahmen geladen. In die hübsche Halle passen weniger als tausend Leute, und auf der schmalen Bühne ist nicht eben viel Platz zum ausgiebigen Tanzen. Doch das kann der Partystimmung nichts anhaben. Sie spielen eine Handvoll neue Songs, die großen Hits und auch ein paar Solo-Nummern von Pierre, der 2008 als Peter Fox mit seinem Album „Stadtaffe“ noch erfolgreicher war als „Seeed“ selbst. Die Stimmung ist nicht bloß wohlwollend, sie ist euphorisch. Drei Jahre haben sie nicht mehr gespielt. Ganze sieben Jahre sind verstrichen, seit sie mit „Seeed“ 2012 ihr letztes Album veröffentlicht hatten. Das sind im Pop-Geschäft schon fast Epochen, aber jedweden Staub, den die Herren vielleicht angesetzt haben könnten, schütteln und popwackeln sie sich schnell aus den Klamotten. „Seeed“ ist älter geworden, reifer und musikalisch eine Spur ruhiger, und dennoch ist diese multikulturelle Männermeute frisch geblieben.


„Bam Bam“ ist ein Werk, das mit jedem Hören stärker wird. Die Songs knallen nicht mehr so wie die Klassiker vom Schlage eines „Music Monks“ oder „Ding“. Sie verströmen eher eine gewisse Souveränität. Die Singles „Ticket“ und „Lass sie gehen“ etwa klingen eher gebremst-gediegen und nicht so explosiv, wie das Dynamitstangen-Albumcover vielleicht suggeriert. Trotzdem steckt „Bam Bam“ voller Freude und Aufbruchstimmung. Das fünfte Album von „Seeed“, bietet Partysongs wie „Love & Courvoisier“ oder das anschmiegsam-anzügliche „Lass das Licht an“ und mit „No More Drama“ eine echte Aufbauhymne.

Ernst der Lage erkannt

Aber auch der Ernst der Lage wird erkannt und thematisiert. Schließlich ist „Seeed“ die Band, die dazu beigetragen hat, dass viele Menschen hierzulande weltoffener, entspannter und lockerer wurden. „Wir versuchen, mit unserer Musik Stellung zu beziehen“, so Frank Dellé. „Richtige Helden selten. Ich bin auch keiner. Aber gar nichts zu tun, das ist der falsche Weg. Ich versuche, in meinem Umfeld und dort, wo es mir möglich ist, die Menschen positiv zu beeinflussen. Ich will, dass meine Kleinen anständige Menschen werden, und es freut mich zu hören, dass wir Deutschland besser gemacht haben.“

Typisch„Seeed“: Sie meckern nicht oder beklagen die Zustände. Sondern sie gehen das Ganze positiv an. In „Komm in mein Haus“ lädt die Band alle zu sich ein – egal, woher sie kommen oder an welchen Gott sie glauben. Dellé: „Der Song passt sicherlich gerade in die Zeit. Aber die grundsätzliche Aussage ist zeitlos.“








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