Mittwoch, 22.01.2020

Wie geht das Steigerlied denn nun richtig?

Mehr zum Thema
 
Der Steiger kommt – vielleicht auf die Unesco-Liste
Von „Wache auff“ zu „Glück auf“: Tradition eines Volkslieds seit 1531
Singt uns jetzt das Steigerlied!
Video(s)
 

Goslar/Clausthal. Wie es sich für ein Volkslied gehört, ist auch das Steigerlied in verschiedenen Fassungen überliefert. Aber welche Version soll nun unter Schutz gestellt werden? Als die Mitglieder des Ruhrkohle-Chors ihre Idee entwickelten, die Bergarbeiter-Hymne als immaterielles Welterbe anerkennen zu lassen, gingen sie von der westfälischen Textfassung aus – und erhielten daraufhin prompt Widerspruch aus dem Erzgebirge.

Zwar sei der Vorstoß an sich lobenswert, doch es sollte dann doch bitte die älteste Version unter Schutz gestellt werden, hieß es aus dem sächsischen Landesverband der Bergmannsvereine. Die älteste Fassung reklamiert das sächsische Schneeberg für sich, niedergeschrieben 1678 anlässlich eines Besuchs des Kurfürsten Johann Georg.

"Der Steiger kommt!"

 

Der Herrscher wurde dort von den Steigern, Hauern und Knappen willkommen geheißen: „Vorm Rathaus, wo der Kurfürst tafelte, wurde haltgemacht. Nun ließ der Berg-Chor seine Berg-Reyhen erschallen, und mit voller Stimme zu erst hören: ‚Wach auff! Wach auff! der Steiger kömmt’. Unterdessen war die Menge mit erhobenen Grubenlichtern bis unter die Fenster des Tafelgemachs gerückt und verharrte, während zwanzig Häuer einen Kreis bildeten, darinnen der besagte Berg-Chor unterschiedliche und lustige Berg-Reyhen Hertzjauchzend angestimmet“, so der historische Bericht.

Grundsätzlich gebe es keinen Zoff, hieß es aus Sachsen. Ein Streit sei völlig fehl am Platze. Doch der Status gebühre der ältesten Fassung, nicht der im Ruhrgebiet gesungenen. Und es gehe darum, das „richtige“ Steigerlied zum Welterbe zu machen.

Wer hat‘s erfunden?

In Goslar und überhaupt im Harz wird die Clausthaler Variante bevorzugt. Eine alte Urkunde mit einer früheren Ersterwähnung des Liedes hat die Kaiserstadt zwar nicht zu bieten. Doch erzählt eine alte Sage von einem Harzburger Berghauptmann, dessen Frau der Kaiser begehrte. Der Berghauptmann soll nach Goslar gegangen sein und den Kaiser zum Zweikampf herausgefordert haben, woraufhin der ihn fortjagte. Da sammelte der Bergmann seine Leute um sich, wanderte nach Sachsen aus und gründete dort in Freiberg die ersten Bergwerke. Vielleicht haben sie damals auch schon eine frühe Fassung des Steigerliedes aus dem Harz mitgebracht? Möglich wäre es ja.

Zum Vergleich: Die Clausthaler und die Freiberger Variante des Steigerlieds

Die verbreitesten Varianten des Steigerlieds sind die Clausthaler und die Freiberger Fassung. Wie es bei Volksliedern üblich ist, gibt es aber auch zahlreiche weitere Versionen. Der Text der Clausthaler Fassung lautet:

Glück auf, Glück auf!
Der Steiger kommt.
Und er hat sein helles Licht
bei der Nacht,
und er hat sein helles Licht
bei der Nacht
schon angezünd‘t,
schon angezünd‘t.

Schon angezünd’t!
Das gibt ein’n Schein,
und damit so fahren wir
bei der Nacht
ins Bergwerk ein.

Ins Bergwerk ein,
wo die Bergleut’ sein,
die da graben das Silber
und das Gold bei der Nacht,
aus Felsgestein.

Der Eine gräbt das Silber,
der and’re gräbt das Gold,
doch dem schwarzbraunen
Mägdelein bei der Nacht,
dem sein wir hold.

Ade, nun ade!
Herzliebste mein!
Und da drunten in dem
tiefen finst’ren Schacht,
bei der Nacht,
da denk’ ich dein.

Und kehr ich heim,
zu Liebsten mein,
dann erschallet des
Bergmanns Gruß bei der Nacht,
Glück auf, Glück auf!

Die Freiberger Fassung hat mit der Clausthaler Fassung die erste Strophe gemeinsam, ab der zweiten Strophe weicht der Text dann aber leicht ab. Die Verse lauten:

Hat’s angezünd’t,
das gibt ein’ Schein,
und damit so fahren wir
bei der Nacht
ins Bergwerk ein.

Ins Bergwerk ein,
wo die Bergleut sein,
die da graben das Silber
und das Gold bei der Nacht
aus Felsgestein.

Aus Felsgestein
graben sie das Gold,
und dem schwarzbraunen
Mägdelein, bei der Nacht,
dem sein sie hold.

Und kehr ich heim
zu dem Mägdelein,
dann erschallt des Bergmanns Gruß
bei der Nacht:
Glückauf, Glückauf!

Eine weitverbreitete Strophe, deren Absingen auf Feierlichkeiten gewöhnlich mit Alkoholkonsum verbunden ist, lautet:

Wir Bergleut sein’s
kreuzbrave Leut,
denn wir tragen das Leder
vor dem Arsch bei der Nacht
und saufen Schnaps.

Ferner existieren eine große Anzahl ähnlich aufgebauter Strophen für verschiedenste Gruppen, wie beispielsweise der Hüttenleute, Chemiker, aber auch Hausfrauen. Diese Strophen enden gewöhnlich mit den Worten: „und saufen’s auch“.