Freitag, 12.05.2017

Wenn das Telefon die Tür aufmacht

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Harz. Das Telefon der Zukunft zeigt das Gesicht des Besuchers mithilfe einer Kamera an der Außentür an. Über das Telefon kann dann die Tür geöffnet oder der Klingelnde abgewiesen werden. 

Wer kennt das nicht: Es klingelt an der Tür, während man gemütlich auf dem Sofa sitzt und eigentlich gar nicht aufstehen mag. Wie günstig, dass das Festnetztelefon direkt neben einem steht. Wieso? Weil das Telefon der Zukunft (und sogar das ein oder andere der Gegenwart) das Gesicht des Besuchers mithilfe einer Kamera an der Außentür anzeigt. Über das Telefon kann dann die Tür geöffnet oder der Klingelnde abgewiesen werden. Eine coole Erfindung? Es geht noch spektakulärer, auch wenn Datenschützer sicherlich große Ohren bekommen dürften.

Das Thema SmartHome – ein intelligent vernetztes Zuhause – nimmt immer mehr Fahrt auf. Die sogenannte Bus-Technik gibt es eigentlich bereits seit vielen Jahren. Damit kann der gesamte Haushalt miteinander verbunden werden – förmlich kommunizieren. Und das lediglich über zwei Adern bzw. Drähte, die miteinander vernetzt werden, wie Elektriker Bernhard Olbrich erklärt. Das steigende Interesse an solcher Technik zeigt nicht zuletzt eine repräsentative Umfrage des Bundesverbands der Smarthome Initiative Deutschland. Sie befragte 1017 Deutsche zu ihrem Nutzungsverhalten. Die Zahl der Konsumenten ist dabei bereits über die letzten Jahre enorm gestiegen: Während vor knapp sieben Jahren nur sieben Prozent der Befragten die intelligente Technik angeschafft haben, waren es 2012/2013 immerhin schon 26,1 Prozent. Dieser Wert hat sich im darauf folgenden Jahr mehr als verdoppelt.

Mit Chip bewegen

Allerdings steht dabei für nur etwa 50 Prozent der Befragten die Gebäude- und Wohnungssicherheit im Vordergrund. Per Fingerabdruck lassen sich Briefkästen, aber auch Türen öffnen – Kinder können damit Schlüssel erst gar nicht mehr verlieren. Eine Alternative ist ein Chip, der zwar wie ein Schlüssel bei sich getragen wird. Durch einen Code kann man nur mit ihm Zugang zu einem bestimmten Bereich bekommen. Geht der Gegenstand verloren, kann er aber schnell und einfach decodiert werden – anders als bei einem Schlüssel muss also nicht gleich das gesamte Schloss ausgewechselt werden.

Die Zukunft weist sogar ein Chip, wie er schon auf der CeBIT vorgestellt wurde: Er wird bislang in die Hand – meist zwischen Zeigefinger und Daumen – implantiert. Dieser enthält einen verschlüsselten Code, mit dem lediglich der Besitzer des Hauses Türen, seinen Briefkasten oder auch sein Auto öffnen kann. Noch ist das Gerät jedoch in der Testphase, da beim Händeschütteln mit einem anderen Chipbesitzer Daten auch gegenseitig übertragen werden können – ein datenrechtlich katastrophaler Nebeneffekt.

Auch eine Alarmanlage gehört zum smarten Zuhause, wobei diese noch mitder Lichtversorgung gekoppelt werden kann. Sobald sie Alarm schlägt, geht überall im Haus das Licht an – schließlich fürchten Einbrecher nichts mehr, als gesehen zu werden.

Eine überwältigende Mehrheit von 91,6 Prozent der Befragten aus der Umfrage der Smarthome Initiative Deutschland möchte jedoch durch die Technik Energie sparen. Über das Smartphone oder den Computer lässt sich die gesamte Hausbeleuchtung per App steuern – auch von außerhalb. Selbst im Urlaub lässt sich damit der Status der LED-Leuchten überprüfen und eine brennende Lampe über Funk ausschalten. Hält man sich im Haus auf, kann eine sogenannte Szenesteuerung programmiert werden: Wer lesen möchte, kann sich ein anderes Licht festlegen, als jemand, der fernsehen möchte. Über den Zählerschrank als eine Art Technikzentrale lässt sich zudem der Energieverbrauch gezielt sparsamer planen.

Doch nicht nur Hausbesitzer können diese Technik nutzen. Auch Mieter haben die Möglichkeit, die Technik wieder auszubauen und beim Umzug mitzunehmen, erklärt Olbrich.

Bequemlichkeiten unterstützen solche Erfindungen wie der sich selbst auffüllende Kühlschrank. Er wird so programmiert, dass beispielsweise immer zwei Erdbeerjoghurts im Kühlschrank sein sollen, wie Bernhard Olbrich erklärt. Sobald jemand also einen der Joghurts herausnimmt, sendet der Kühlschrank eine Mitteilung an den festgelegten Lieferservice, der nach Online-Bezahlung das bestellte Nahrungsmittel in eine Kühlklappe neben der Haustür wirft.

Die bisher existenten Nutzerzahlen sind aber nicht nur auf den Harz gemünzt. Trotzdem wird sich die Nutzung voraussichtlich auch im Harz ausweiten. Denn aus finanzieller Sicht sind die Techniken immer besser erschwinglich, wie Olbrich erklärt. Schon jetzt sei eine Grundausstattung für etwa 15000 bis 20000 Euro zu erstehen.frn







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