Freitag, 12.05.2017

Fossile Brennstoffe sind von gestern

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Harz. Die Größte Energiequelle werden Solarzellen. Außerdem wird die Anzahl der Ein- und Zweipersonenhaushalte steigen.

Jens zum Hingst spricht nicht von Prognosen, wenn es um die Energieversorgung im Jahr 2050 geht. Denn natürlich kann keiner voraussagen, ob die Ziele der Energiewende wirklich erreicht werden. Aber Ziele gibt es, die als Orientierung dienen.

Jens zum Hingst ist Abteilungsleiter der Energiesystemanalyse bei Cutec, dem Clausthaler Umwelttechnik-Institut. Sie haben Energie- szenarien für das Jahr 2050 in Zusammenarbeit mit dem Energie-Forschungszentrum Niedersachsen, der Ostfalia-Hochschule sowie der Leibniz-Universität Hannover erstellt. Der Leiter des Gutachter-Teams, Professor Martin Faulstich von Cutec, wies in einer Pressemitteilung darauf hin, dass Strom im Jahr 2050 durch die Energiewende nicht teurer wird, als wenn bis dahin das heutige System beibehalten würde.

Katastrophen vermeiden

Der von den Erneuerbaren Energien gestärkte Klimaschutz würde aber dazu beitragen, dass immense Kosten durch häufigere Umweltkatastrophen vermieden würden. „Die Energiewende ist damit der wirtschaftlich vernünftigste Weg zum Schutz des Klimas,“ sagte Faulstich. Angestrebt wird dahingehend auch, die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 (gegenüber 1990) um 80 Prozent deutschlandweit, in Niedersachsen bis um95 Prozent, zu reduzieren.

Größte Energiequelle soll mit 36,1 Prozent mittels Solarzellen Sonnenlicht sein, das per Photovoltaik in elektrische Energie umgewandelt wird. 30 Prozent der Energie sollen durch Windkraft gewonnen werden. An dritter Stelle steht mit 19,4 Prozent Biomasse als Energiequelle. Fossile und nukleare Energiequellen sind in diesem Gutachten 2050 nicht mehr vorgesehen. Kein unrealistisches Ziel, wie Jens zum Hingst betont: „Das Ziel ist technisch erreichbar, auch mit nicht utopischen Maßnahmen“.

Dafür stellen die Wissenschaftler Forderungen an die Politik und die Industrie, wie eine verstärkte Elektromobilität und den Wegfall von Plastiktüten. Trotzdem sei ihnen bewusst, dass in speziellen Fällen, wie dem Welterbe Goslar, nicht jeder Vorschlag eins zu eins umgesetzt werden könne. So fordern sie Häuserumbauten für die Photovoltaik-Versorgung, die an vielen denkmalgeschützten Gebäuden gar nicht möglich ist.

Jan Mohr, Pressesprecher von Harzenergie, geht aber von Alternativen aus: In Denkmalschutz-Fällen beschwört er ein sogenanntes Nahwärmenetz, an das betroffene Häuser, beispielsweise in Goslars Altstadt, im Umfeld angeschlossen werden. Ziel ist es auch, den Energieverbrauch – gerade hinsichtlich des Gebäudeheizens – deutlich zu vermindern: in dem Bereich um mehr als 60 Prozent allein im Zeitraum zwischen 2012 und 2050. Dafür macht es Sinn, Wohnszenarien der Zukunft zu bedenken.

Mehr kleine Haushalte

Jan Mohr, Pressesprecher von Harzenergie, erkennt eine Tendenz zu 10 bis 30 Prozent mehr Ein- und Zweipersonenhaushalten hier im Harz. Angelehnt an die demografische Entwicklung könnten Drei- und Vierpersonenhaushalte deutlich abnehmen, Fünfpersonenhaushalte fast vollständig verschwinden. Damit dürften einzelne Haushalte weniger Energie benötigen. Auch der Stromverbrauch an sich soll um etwa 18 Prozent laut Gutachten von 2012 bis 2050 verringert werden.

Der Harzenergie-Experte denkt aber auch weiter: „Für die Harzer Unternehmen mit größerem Energiebedarf wird der Strom umweltfreundlich aus Windenergieanlagen gewonnen. Direkt am Erzeugungsort, ob an der Nordsee oder im Windpark Hattorfer Berg, wird der grüne Strom in Methan umgewandelt und mit hohem Druck in die Gasnetze eingespeist. Damit ist der Strom speicherfähig und kann bei Bedarf in der Nähe der Unternehmen wieder in Strom umgewandelt werden – beispielsweise mit Hilfe von Brennstoffzellen.“frn








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