Dienstag, 09.05.2017

Doppelte Alterung

Leserbrief
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Harz. Wir werden älter. Und dabei hat schon 2013 der Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen Unrühmliches festgestellt: Osterode am Harz ist mit einem Durchschnittsalter von 47,6 Jahren der älteste Landkreis in Niedersachsen. Dem unmittelbaren Nachbarn Goslar bleibt keine Zeit für Schadenfreude, denn mit 47,4 Jahren ist man nur unwesentlich jünger.

Können wir noch älter werden? Sterben Orte wie Schulenberg – vor der Fusion mit Altenau lag in der Oberharzer Gemeinde das Rekord-Durchschnittsalter bei stolzen 56,8 Jahren – langsam, aber sicher aus?

Die Prognosen jedenfalls sprechen dafür. Prof. Birgit Apfelbaum, Demografie-Expertin an der Hochschule Harz, spricht etwa von einer „doppelten demografischen Alterung“ – eine steigende Lebenserwartung bei gleichzeitig sinkender Geburtenrate. Bundesweit würde das eine Verdreifachung der über 80-Jährigen bedeuten. Diese Überalterung hat nicht nur einen Anstieg der Pflegebedürftigen zur Folge, sie wirkt sich laut Apfelbaum auch auf das Umfeld der Menschen aus: Fachkräfte fehlen, zivilgesellschaftliche Unterstützungsstrukturen fallen weg, die Infrastruktur bröckelt.

Dies sind aber alles nur vorsichtige Schätzungen. Auch auf den Tabellen, die mit Zahlen in die Zukunft blicken, können zwar Tendenzen abgelesen werden, aber keine sichere Vorhersage getätigt werden. Nimmt man jedoch etwa die Zahlen der Bertelsmannstiftung, die 2012 für den Landkreis Goslar berechnet wurden, kann man die Richtung schon erahnen.

Zählte der Landkreis rund um die Kaiserstadt laut Bertelsmann 2015 noch etwas mehr als 135000 Bewohner, wird deren Zahl im Jahr 2020 nur noch knapp 131000 betragen. 2025 rechnet die Stiftung dann mit knapp 125000, die Prognose endet im Jahr 2030 mit rund 122000 Einwohnern. Die Zahlen der NBank und des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen (LSKN) fallen etwas drastischer aus: 2020 rechnet man mit rund 125000 (126000) Einwohnern, 2025 mit circa 115000 (118000) und 2030 schlussendlich mit knapp 106000 (110000) Menschen.

Gemeinsam haben aber alle drei Prognosen, dass die Bevölkerung im Landkreis Goslar deutlich abnehmen wird. Den größten Unterschied in 15 Jahren hat dabei die NBank mit rund 30000 Einwohnern prognostiziert. Rechnet man mit dieser Tendenz – laienhaft wohlgemerkt – weiter und 20 Jahre drauf, fallen bis 2050 grob geschätzt noch mal rund 35000 Einwohner weg. Damit würden in 33 Jahren nur noch circa 71000 Menschen im Landkreis Goslar wohnen.

Diese Zahlen mögen erschreckend klingen, sie sind aber mehr Fiktion als Berechnung. Denn vieles bleibt unberücksichtigt in den Prognosen, die oft schon mehrere Jahre alt sind. Was ist etwa mit den Flüchtlingen, die in naher Zukunft im Harz leben werden? Und wie sehr werden Projekte fruchten, welche die Regionen wieder attraktiver machen sollen? Unbeachtet bleiben auch Entwicklungen in Technologie, Klima und Tourismus. Denn: Ja, wir werden älter. Aber auch weiser ...msr








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