Freitag, 17.04.2020

Wie Jugendliche die letzten vier Wochen ohne Schule erlebt haben - und was sie sich jetzt wünschen

Leserbrief

Harz. Vor vier Wochen habe ich mich schon einmal mit ihnen unterhalten: Den beiden angehenden Abiturienten Valerio Conti und Miles Luft, der 15-jährigen Aleyna Dorul, der angehenden Auszubildenden Kimberly Kalischko und mit der jüngsten im Bunde, der siebenjährigen Lena Köth. Wie ist es diesen fünf jungen Menschen in der Zwischenzeit ergangen und fällt ihnen langsam die Decke auf den Kopf?

„Auf Dauer ist das echt zu viel Freizeit und man weiß gar nicht wohin damit“ , sagt Aleyna Dorul. So richtig habe sie die Folgen der Corona-Krise für den Alltag auch immer noch nicht realisiert. „Auf einmal sind materielle Dinge nicht mehr so wichtig und man ist einfach dankbar für das, was man hat und dass die Familie in diesen Zeiten zusammenhält“, erklärt sie.

Ab in die Natur

Aleyna Dorul
Mittlerweile verbringe sie mehr Zeit draußen als an ihrem Handy. Auch nach der „Corona-Zeit“ möchte sie zukünftig mehr Zeit draußen und mit ihrer Familie verbringen. „Ich glaube die Natur holt sich jetzt gerade etwas zurück. Sie hat ein Zeichen gesetzt, auf das wir auch nach Corona hören sollten!“ Aleyna ist immer gerne und viel verreist mit ihrer Familie, aber gerade sei es einfach mal gut, dass die Welt ein Stück weit still steht und die Natur sich ausruhen kann.

Der 19-jährige Valerio Conti verbringt die letzten vier Wochen ebenfalls sehr viel draußen. „Endlich kann ich mich intensiv um meinen Schrebergarten kümmern, den ich mir letztes Jahr gekauft habe“, sagt er. Außerdem habe er sich einen Nebenjob im Supermarkt gesucht.

Keine Angst vorm Abi

Valerio Conti
Der angehende Abiturient würde aber auch gerne wieder zur Schule gehen: „Das würde mehr Rhythmus in den Tag bringen, der einem jetzt manchmal fehlt.“ Der Virus an sich macht ihm keine Angst. „Unsere Welt war schon vorher kaputt, aber jetzt haben wir dazu eben noch einen Ausnahmezustand.“ Auch lernt Valerio die Natur in diesen Zeiten noch mehr zu schätzen: „Ich habe neulich eine größere Wanderung gemacht. Vorher hat einem da oft die Zeit, und irgendwie auch die Lust zu gefehlt.“

Darüber, dass er sein Abitur durch das „Corona-Chaos“ nicht schaffen könnte oder dass er erschwerte Bedingungen dadurch hat, befürchtet Valerio nicht. „Ganz im Gegenteil. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass es hinterher dann heißt, dass meinem Jahrgang das Abitur einfach so geschenkt wurde und sich dann andere Jahrgänge vielleicht benachteiligt fühlen.“

Freiheit schätzen lernen

Auch der 20-jährige Miles Luft würde gerne wieder in die Schule gehen, um sich besser auf seine Abiturprüfungen vorbereiten zu können. Er verbringt wie Aleyna und Valerio gerne Zeit draußen und hofft, dass er im Sommer wieder unbeschwert mit Freunden unterwegs sein kann und schwimmen gehen kann und all das. „In diesen Zeiten lernt man die Freiheit wieder viel mehr zu schätzen“ , erklärt er.

Die 18-jährige Kimberly Kalischko würde ebenfalls gerne wieder zur Schule gehen. Es sei schwierig für sie, ohne Lehrer alle Aufgaben eigenständig zu bearbeiten. „Besonders in Mathe fällt mir das schwer. Ich brauche da jemanden, der mir das erklärt und dann komme ich auch gut mit.“

Noch keine Langeweile

Da muss Kimberly sich wohl noch mindestens bis zum 27. April gedulden. Denn laut aktuellem Stand werden dann in Niedersachsen, zumindest für die Abschlussklassen, die Schulen wieder geöffnet. Ab dem 4. Mai sollen nach und nach gestuft weitere Jahrgänge folgen.

Lena Köth
Auch die siebenjährige Lena Köth wünscht sich, dass die Schule endlich wieder weitergeht. „Ich vermisse meine Freunde und ich möchte so gerne wieder zum Cheerleading und zum Ballett gehen.“ Aber ansonsten langweile sie sich noch nicht. „Jeden Morgen nach dem Frühstück mache ich erst mal meine Schulaufgaben. Mama sagt, dass das wichtig ist für die Struktur.“ Wie Aleyna, Valerio und Miles verbringt Lena ebenfalls viel Zeit draußen an der frischen Luft. „Ich glaube, auf einmal lieben alle die Sonne“ , meint sie.

Von Nathalie Schlie









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