Mittwoch, 18.03.2020

Helfer gesucht: Wer übernimmt Einkäufe für Senioren?

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Goslar. Wegen der Infektionsgefahr möglichst nicht die eigenen vier Wände verlassen, auf der anderen Seite aber die Dinge des täglichen Lebens besorgen müssen: Wie funktioniert das in Zeiten von Corona?

Die Propstei Goslar, die Diakonie im Braunschweiger Land, die Freiwilligenagentur und die GZ starten den ehrgeizigen Versuch, Verbindungen zu schaffen, ohne einen direkten Kontakt herzustellen. Sprich: Freiwillige Helfer zu finden, die jenen Senioren und Menschen aus anderen Corona-Risikogruppen den Einkauf erledigen, die sonst niemand anderen in ihren familiären und sozialen Strukturen für diese Aufgabe haben.

Zettel an den Bäumen, Angebote innerhalb der Nachbarschaft und von Vereinen und Organisationen – vieles läuft bereits. Die Hilfsbereitschaft ist groß, und niemand muss in Zeiten der Not das Rad neu erfinden. Das Vorhaben, zu dem die vier Akteure an dieser Stelle aufrufen, soll und muss in diesen Tagen, in denen sich die Ereignisse überschlagen, schnell und unkompliziert angeschoben werden und kann nur eine Hilfe zur Selbsthilfe sein. Da sind sich Propst Thomas Gunkel, Diakonie-Leiterin Beate Theermann und Marion Bergholz von der Freiwilligenagentur einig. Aber diese Hilfe muss auch einigermaßen strukturiert ablaufen, um ein Mindestmaß an Sicherheit für beide Seiten zu gewährleisten.

Schüler sind im Fokus

In einem ersten Schritt sind deshalb Donnerstag mögliche Freiwillige gefordert, sich per Mail oder Telefon bei der Freiwilligenagentur zu melden. Jede(r) ist willkommen, ein spezieller Fokus liegt aber auf den älteren Schülerinnen und Schülern ab einem Mindestalter von 16 Jahren, die wie alle anderen bis zum 18. April nach Hause geschickt sind und jetzt keinen Unterricht haben.

Jede(r) darf, keine(r) muss: Isabell Lenius, Barbara Reichert und Hans-Peter Dreß, die drei Spitzen von Adolf-Grimme-Gesamtschule, CvD-Gymnasium und Ratsgymnasium, werben für das Vorhaben über den Mail-Verteiler ihrer Schulen und haben ihre Oberstufen zum Mitmachen ermuntert. Warum nur ältere Schüler? Einmal geht es um Reife und Verantwortung. Zum anderen sind aber gerade Kinder und Jugendliche perfekte Überträger von Corona, weil sie selten eigene Symptome zeigen, aber eben hoch ansteckend sein können. Landrat Thomas Brych, der selbst schon zu einer Einkauf-Challenge aufgerufen hatte und voll hinter der Aktion steht, mahnt etwa in diese Richtung.

Es geht um dringenden Bedarf

Wie soll das Einkaufen ablaufen? Einig sind sich alle, dass es nur um den jeweils dringenden Bedarf gehen kann und nur verpackte Lebensmittel eingeholt werden dürfen. Hamsterkäufe und Schnäppchenjagden will niemand. Deshalb ist eine Obergrenze von 50Euro pro Tour festgelegt. „Wir können nur an die Vernunft aller Beteiligten appellieren“, sagt stellvertretend der Goslarer Propst Gunkel.

Die Helfer, die auf eigene Gefahr handeln, aber laut Propst den Versicherungsschutz für Ehrenamtliche der Kirche erhalten, nehmen Kontakt zu den Senioren bzw. Menschen aus den Risikogruppen auf. Ein Termin wird verabredet und ein Umschlag mit Geld und einer Einkaufsliste nach draußen gelegt, sobald der Helfer geklingelt und wieder Abstand eingenommen hat.

Nach erfolgter Tour läuft es genau umgekehrt. Die Ware wird mit Wechselgeld im Umschlag und vielleicht in einem Behältnis wieder vor die Tür gestellt. Klingeln, Abstand einnehmen und warten, bis alles beim richtigen Adressaten gelandet ist – und fertig. Niemand will, dass irgendwo direkter Kontakt entsteht oder sich gar ungewollter Zugang zu Wohnungen verschafft wird. Geld, Liste und Umschlag sollten jeweils noch gesäubert werden.

Start im Stadtgebiet

Weil nachbarschaftliche Hilfsstrukturen in kleineren Orten mutmaßlich besser funktionieren, soll die Aktion zunächst im Goslarer Stadtgebiet starten, kann und wird aber wohl ausgedehnt werden. Auf dem Sprung steht bereits die Bad Harzburger Martin-Luther-Kirchengemeinde, die ebenfalls mit der Diakonie in die gleiche Richtung marschieren will. „Es ist ein Versuch zur Selbsthilfe, mit dem wir Neuland betreten“, sagen Bergholz und Theermann. Er hat aber jene zum Ziel, die jetzt dringend Hilfe brauchen.

Wo und wie diese sich melden können, veröffentlichen wir in der Freitag-Ausgabe. Und vielleicht, so die Hoffnung, lässt sich auf dieser Basis sogar Unterstützung für die Goslarer Tafel hinbekommen. Sie hat wie berichtet ihre Ausgabe in Oker und Bad Harzburg eingestellt und könnte einen Lieferdienst nach gleichem Muster aus dem Helferkreis auf die Beine stellen – sofern der gute Wille einem guten Werden den Weg bereiten kann.

FREIWILLIGENAGENTUR NIMMT MAILS UND ANRUFE AN

  • Wer bereit ist, ab sofort kleine Einkaufstouren für Corona-Risikogruppen möglichst in seiner Umgebung zu erledigen, kann sich jederzeit per E-Mail unter der Adresse info(at)freiwilligenagentur-goslar.de melden.
  • Am Donnerstag, 19. März, ist in der Zeit zwischen 10 und 14 Uhr zusätzlich eine Leitung freigeschaltet, unter der ebenfalls Anmeldungen entgegengenommen werden. Die Rufnummer lautet (0 53 21) 3 98 93 00. Zu beachten: Auch Anrufer aus dem Goslarer Festnetz müssen zwingend die Vorwahl mitwählen.
  • Wer sich dort registrieren lässt, gibt automatisch sein Einverständnis, dass seine Daten – die Adresse, das Alter und die Rufnummer – ausschließlich für die Aktion gespeichert und weitergegeben werden.
  • Die Freiwilligen müssen sich am Freitag zwischen 10 und 14 Uhr in der Freiwilligenagentur in der Goslarer Adler-Passage (Wohldenbergerstraße 22/23) einen provisorischen Ausweis und ein Papier mit Corona-Verhaltensregeln abholen. Mitzubringen ist der Personalausweis. Wer selbst noch nicht 18 Jahre alt ist, muss zusätzlich eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten vorlegen. Achtung: Beim Abholen in Agentur und Passage stets den notwendigen Abstand beachten!
  • Ab Freitag werden die Wünsche der Senioren gesondert gesammelt. Erste Kontakte können hoffentlich bereits an diesem Tag hergestellt werden, um zum Wochenende die ersten Einkäufe ermöglichen zu können.








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