Donnerstag, 19.03.2020

Aktion in Corona-Zeiten: Wer benötigt eine Einkaufshilfe?

Goslar. „Ich bin so happy, dass sich so viele Menschen gemeldet und ihre Hilfe angeboten haben.“ Leiterin Marion Bergholz hat Donnerstagachmittag in der Freiwilligenagentur ebenso glücklich wie erschöpft ein erstes Fazit der Aktion Nachbarschaftshilfe gezogen, die ihre Einrichtung gemeinsam mit der Propstei Goslar, der Diakonie im Braunschweiger Land und der Goslarschen Zeitung auf den Weg gebracht hat – und die schon an weiteren Orten Nachahmer findet.

Vier Stunden lang waren Bergholz und Frank Hoppe nicht vom Telefon weggekommen. Am Ende hatten sie mehr als 50 Anrufe von Menschen angenommen, die bereit sind, in der Corona-Krise Senioren und anderen Risikogruppen der Krankheit, die niemanden sonst für diese Aufgabe haben, Einkäufe für die täglichen Dinge des Lebens abzunehmen. Zu den Anrufern summieren sich noch einmal mehr als 40 Mails, sodass bereits nach einem Tag mehr als 90 Menschen verzeichnet sind, die jetzt und schnell helfen wollen.

Unkomplizierte Hilfe

Und das sollen sie auch: Deshalb sind ab heute diejenigen aufgerufen, die eine Einkaufshilfe benötigen, sich per Mail oder telefonisch bei der Freiwilligenagentur zu melden, um ihre Daten durchzugeben. Der Grundgedanke der Aktion ist, möglichst schnell und unkompliziert, aber doch mit einem Mindestmaß an Sicherheit für beide Seiten zu helfen. Verbindungen schaffen, ohne einen direkten Kontakt herzustellen – dieses Kunststück soll in Zeiten der Corona-Ansteckungsgefahr gelingen.

Wer hat sich bislang als Helfer gemeldet? Sehr viele Frauen, aber auch ein paar Männer, bewährte Kräfte aus der Flüchtlingshilfe, aber auch Geflüchtete, die ihrerseits helfen wollen, und auch ein bemerkenswerter Anteil an Schülern. Isabell Lenius, Barbara Reichert und Hans-Peter Dreß, die Spitzen von Adolf-Grimme-Gesamtschule, CvD-Gymnasium und Ratsgymnasium, hatten in ihren Oberstufen per Mail um Unterstützung geworben – offenkundig mit Erfolg.

Projektausweis abholen

Wer sich als Helfer registrieren lassen hat, muss sich jetzt noch einen sogenannten Projektausweis in der Freiwilligenagentur in der Goslarer Adler-Passage abholen, der ihn als Teilnehmer an der Nachbarschaftshilfe für Goslar und Umgebung identifiziert. Er erhält dort zudem ein Papier mit Corona-Verhaltensregeln. Wer selbst noch nicht 18 Jahre alt ist, muss zusätzlich eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten vorlegen. All dies kann erstmals heute und fortan an jedem Wochentag von Montag bis Freitag in der Zeit zwischen 10 und 14 Uhr erledigt werden. Ein halbes Dutzend Helfer legte gestern einen Frühstart hin und hat dies bereits hinter sich. Zwei Anfragen von Senioren, die Hilfe wünschen, liegen laut Bergholz ebenfalls schon vor.

Wie soll das Einkaufen ablaufen? Einig sind sich alle, dass es nur um den jeweils dringenden Bedarf gehen kann und nur verpackte Lebensmittel eingeholt werden dürfen. Ham-sterkäufe und Schnäppchenjagden will niemand. Deshalb ist eine Obergrenze von 50 Euro pro Tour festgelegt.

Mit dem Goslarer Fleischermeister Henning Kluß kam zudem jemand in der Agentur vorbei, der darauf hinwies, dass auch Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte einen Servicedienst anbieten – diese sollten nicht vergessen werden.

Kurstadt zieht nach

Einige Adressen von Freiwilligen wollte Bergholz gleich nach Bad Harzburg weiterleiten. Dort startet die Diakonie im Braunschweiger Land mit der Luthergemeinde im Prinzip das gleiche Projekt. Und mit dem früheren Ersten Kreisrat Claus Jähner hat sich ein Bad Harzburger gemeldet, der auch an Menschen im vorgerückten Alter aus den Risikogruppen appelliert, sich zu engagieren und sich etwa für notwendige Telefondienste anzubieten. „Das haben meine Frau Angelika und ich getan – ich wollte schon immer einmal Call-Center-Agent werden“, fügt der Sektionsleiter der Gesellschaft für Sicherheitspolitik augenzwinkernd hinzu. Warum denn auch nicht?...

 FREIWILLIGENAGENTUR NIMMT HILFSWÜNSCHE ENTGEGEN

  • Wer wie die Senioren zu einer Corona-Risikogruppe gehört, seine eigenen vier Wände vorerst nicht mehr verlassen will und einen notwendigen Einkauf erledigt haben möchte, kann sich jederzeit per E-Mail unter der Adresse info(at)freiwilligenagentur-goslar.de melden.
  • Ab Freitag, 20. März, ist jetzt an jedem Wochentag von Montag bis Freitag in der Zeit zwischen 10 und 14 Uhr zusätzlich eine Leitung freigeschaltet, unter der ebenfalls Anmeldungen entgegengenommen werden. Die Telefonnummer ist (0 53 21) 3 98 93 00. Zu beachten: Auch Anrufer aus dem Goslarer Festnetz müssen zwingend die Vorwahl mitwählen.
  • Wer sich dort registrieren lässt, gibt automatisch sein Einverständnis, dass seine Daten – die Adresse, das Alter und die Rufnummer – ausschließlich für die Aktion gespeichert und weitergegeben werden.
  • Freiwillige Helfer können sich ab Freitag, 20. März, ebenfalls an jedem Wochentag von Montag bis Freitag zwischen 10 und 14 Uhr in der Freiwilligenagentur in der Goslarer Adler-Passage (Wohldenbergerstraße 22/23) einen provisorischen Ausweis und ein Papier mit Corona-Verhaltensregeln abholen. Mitzubringen ist der Personalausweis. Wer selbst noch nicht 18 Jahre alt ist, muss zusätzlich eine Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten vorlegen. Achtung: Beim Abholen in Agentur und Passage nitte stets den notwendigen Abstand beachten!