Freitag, 15.09.2017

Wähler sind politisiert wie selten zuvor

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Ach ja Herr Rietschel , eigentlich sehr sehr schlimm ,dass Sie als guter Journalist ,Ihre Abneigung gegenüber der AFD in dem Artikel nicht verbergen (...)

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Deutschland vor der Wahl: Es gibt Hoffnung, dass das Interesse an der Bundestagswahl am 24. September größer sein wird als vor vier Jahren. Woran ich das zu erkennen glaube? Eine Umfrage unserer Zeitung mit Fragen zur Bundestagswahl hatte hohe Resonanz und zeigte: Unsere Leser sind hochinteressiert an den wichtigen Wahlkampfthemen. Dies wird auch von Meinungsforschern gestützt, die ein hohes Politikinteresse ausgemacht haben. Es gibt aber noch einen anderen Grund, der nicht jedem gefallen mag: Mit der Kandidatur der AfD fühlen sich Menschen angesprochen, die bislang zu den Wahl-Verweigerern gehörten. Dennoch; es wäre schön, wenn sich bis zum 24. September 18 Uhr viele aufmachen, ihre Kreuzerl zu setzen. Für die Kandidaten mit der Erststimme, für die Partei mit der Zweitstimme.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die AfD in den nächsten Bundestag einziehen. Das ist zu respektieren, weil es der Wille eines Teils der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes ist. Aber nicht akzeptieren muss man, mit welcher Methode manche AfD-Promis Wahlkampf machen: Es ist die Methode der Skandalisierung und der persönlichen Herabsetzung des politischen Gegners. Ein Beispiel dafür lieferte die Europa-Abgeordnete Beatrix von Storch bei ihrem Besuch in Goslar. Obwohl die AfD über ein strammes Parteiprogramm verfügt, spielte das in ihrer Rede kaum eine Rolle. Nein, sie verspottete lieber die Medien, die anderen Parteien und deren Repräsentanten. Die AfD setzt bei ihren Anhängern erkennbar auf die Verstärkung der in der Wählerklientel verankerten Vorurteile. Das ist nicht Wahlkampf, das ist Demagogie. Die AfD-Spitzenfunktionäre setzen Populismus und Diffamierung bewusst ein, um mit von Vorurteilen vergiftetem Zuckerwasser ihre Honigbienen an die Wahlurne zu locken.

„Wenn ich dann Kanzler bin“, sagt Martin Schulz dieser Tage verdächtig häufig. Das klingt für mich ein wenig wie das Pfeifen im finsteren Walde und erinnert mich an das Musical Anatevka, in dem der Milchmann Tevje singt: „Wenn ich einmal reich wär....“

„Weil ich noch mal vier Jahre Kanzlerin bleibe“, könnte Angela Merkel ihm antworten und sich zurücklehnen. Denn um den seit Wochen stabilen Vorsprung der Union gegenüber der SPD aufzuholen, bedürfte es einer Katastrophe biblischen Ausmaßes oder eines moralischen Desasters im enttarnten Doppelleben der Kanzlerin.

Dann wäre da noch die Niedersachsenwahl am 15. Oktober, nur drei Wochen nach der Bundestagswahl. Für viele ist das verwirrend, auch weil in unseren Wahlkreisen die Kandidaten (Bund und Land) nicht selten gemeinsam auftreten. Wen wähle ich wofür, wenn alles ein wenig durcheinander wirbelt? Wir können bei der Berichterstattung eine kleine Hilfe anbieten: Schauen Sie stets auf das eingeblendete Wahl-Logo, das beide Ereignisse unterscheidet. Und schauen Sie sich neben der Zeitungslektüre doch mal auf www.goslarsche.de unsere umfangreichen Informationen zu den Wahlen in Bund und Land an.

Mag sein, unter dem Schock der sich überstürzenden Ereignisse und unter dem plötzlich auf der Regierungskoalition in Hannover lastenden Druck verspricht die amtierende Landesregierung bei einer Fortsetzung der rot-grünen Koalition eine Milliarde Euro. Diese Riesensumme soll klammen Kommunen zufließen. Wer also in den letzten Jahren verschwenderischer als andere Geld ausgegeben hatt und kräftig Schulden machte, der kann nun Erwartungen an rot-grün richten, sofern die Koalition am 15. Oktober bestätigt würde.

Vor fünf Jahren verhielten sich die niedersächsischen Sozialdemokraten noch gemäßigter; da waren es 100 Millionen Euro für ein Südost-Niedersachenprogramm und eigentlich war es nur die Hälfte: Denn in den 100 Millionen, die in der Region fraglos positiv gewirkt haben, waren jeweils 50 Prozent des Anteils der jeweiligen Antragsteller eingerechnet. Erfahren haben wir das aber erst nach der Wahl. Ob sich das bei der versprochenen Milliarde wiederholen würde...?

Schreiben Sie dem Autor unter andreas.rietschel(at)goslarsche-zeitung.de







Kommentare
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Thomas Doering schrieb am 22.09.2017 19:19

Ach ja Herr Rietschel , eigentlich sehr sehr schlimm ,dass Sie als guter Journalist ,Ihre Abneigung gegenüber der AFD in dem Artikel nicht verbergen können. Velleicht sollten Sie mal über die Äußerungen eines Herrn Stegner berichten ,der offen dazu aufruft Kandidaten der AFD zu attackieren. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht ,dass immer mehr Leser derartige einseitige Berichterstattung satt haben? Ich würde mir auch mal über die Ursache einer ständig rückläufigen Auflage Gedanken machen.Liegt das velleicht auch an der Art der Berichterstattung? Allerdings ist es sehr genüßlich anzusehen ,dass trotz medialen Trommelfeuer die AFD als mindestens drittstärkste Kraft in den Bundestag einziehen wird.

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