Freitag, 09.03.2018

Von Herzen unwillkommen!

Erinnerung an ein Jahrzehnt in Nordbayern: Unweit Bayreuths, im hohen Fichtelgebirge trafen sich Jahr um Jahr Ende April einige tausend Angehörige der harten Neo-Nazi-Szene, um mit einem Marsch durch die Stadt Rudolf Hess, dem Stellvertreter Hitlers, die Ehre zu erweisen. Wer es je erlebte: Eine schockierende Demonstration der Verachtung unseres Verfassungsstaates, eine gruselige Zurschaustellung von Gewaltbereitschaft dieser Männer und Frauen, die den Staat nicht respektieren, ebenso wenig, wie sie Menschen anderer Hautfarbe, anderen Glaubens , anderer Gesinnung achten.

Diese Verirrten um den Hamburger NPD-Anwalt Rieger hielten damals Nordbayern in Atem. Weil überall da, wo sie auftauchten, eines erkennbar war: Sie wollten sich dort festsetzen, sich dort eine Bastion errichten, von der aus sie ihre Fühler nach weiteren Gleichgesinnten ausstrecken konnten. Deshalb kauften sie Häuser, denn damals zumindest hatten sie noch die Mittel dazu.

So im beschaulichen Erholungsort Warmensteinach im Fichtelgebirge. Dort aber wachte die Bevölkerung auf und mobilisierte alle gesellschaftlichen Gruppen gegen diese neuen „Nachbarn“. Dem schloss sich die Politik an und der Landkreis nahm sein Vorkaufsrecht für eine von den Nazis vorvertraglich zugesagte Immobilie in Anspruch und erwarb das Haus selbst. Später in Gräfenberg im Nürnberger Land der nächste Versuch, sich festzusetzen: in der Kleinstadt marschierten Woche um Woche einige hundert Neonazis aus ganz Deutschland auf, um vor einem Kriegerdenkmal in der Stadt Ehrbezeugungen fragwürdigster Art abzulegen. Bis auch hier die Bevölkerung aufstand und sich mit friedlichen Mitteln eindrucksvoll wehrte.

In allen genannten Orten ist es gelungen, dass sich die Gegner des Verfassungsstaates dort nicht festsetzen konnten. Auch im damals arg gebeutelten Wunsiedel ist heute der braune Spuk vorbei. Weil dort nach einem Bürgermeisterwechsel eine Initiative entstand, die unter dem Namen „Wunsiedel ist bunt“ europaweit bekannt wurde. Die vor allem von jungen Menschen getragene Initiative setzte Vielfalt gegen die Einfältigen, setzte Fröhlichkeit gegen die versteinerten Mienen der Marschierer, setzte Zukunftsoptimismus gegen die Geschichtsleugner.

Warum Goslar? Ist es die ehemalige Reichsbauernstadt, die diese Wissensüberforderten reizt? Oder wollen sie ganz einfach provozieren, weil hier ein liberaler Oberbürgermeister früh sein Willkommen für Flüchtlinge formulierte? Oder, weil hier eine Initiative – das Bündnis gegen Rechtsextremismus – seit Jahren warnt und wacht, dass diese Stadt nicht in die Fänge von menschenverachtenden Menschen gerät?

Letztlich sind deren Motive einerlei, wenn nur eines verhindert wird: Dass sie sich in Goslar einnisten. Das darf nicht passieren, denn es steht für die Stadt und ihre Bürger viel auf dem Spiel: Wenn Goslar zu einem regelmäßigen Treffpunkt der braunen Szene würde, ginge Vieles von dem verloren, was viele von uns an Goslar schätzen: Eine offene Stadt mit tausenden Besuchern übers Jahr. Wovon Hotels und Gastronomie profitieren. Eine Stadt, die gerade dabei ist, ihrem charmanten Alter junge Entwicklungen an die Seite zu stellen. Goslar bietet Raum für junge Familien, ist offen, hat Lebensqualität. Handel, Handwerk und Dienstleistung profitieren von dieser Offenheit. Zukunftsgewandte Unternehmen ebenfalls.

Das alles wäre gefährdet, geriete Goslar in den Ruf, die neue Heimat der Neonazis zu sein. Und genau darum geht es am 2. Juni in Goslar. An diesem Tag wollen mehrere hundert Rechtsextreme aus ganz Deutschland in Goslar einmarschieren. Wollen hier eine Kundgebung abhalten, wie wir das bereits im kleinen Maßstab vor dem Hotel Achtermann erlebt hatten. Mit ihnen werden zahlreiche Autonome, Chaoten, Linksextreme in die Stadt einziehen und unter dem Deckmantel der Gefahrenabwehr von rechts auf Randale spitzen. Beide Gruppen, ob Rechtsextreme oder Linkschaoten, sind uns von Herzen unwillkommen!

Dazu soll am nächsten Mittwoch, 14. März, ein Informationsabend im Lindenhof dienen. Das Bündnis gegen Rechtsextremismus hat in Medienpartnerschaft mit der Goslarschen Zeitung ab 19 Uhr in den Lindenhof eingeladen. Es ist wichtig, dass sich die gesamte Stadtbevölkerung angesprochen fühlt. Deshalb der Appell an alle Goslarer Bürgerinnen und Bürger, Gruppen und Institutionen: Haken Sie sich gegenseitig unter und lassen sie nicht zu, dass der braune Mob unsere Stadt besetzt.

Schreiben Sie dem Autor unter andreas.rietschel(at)goslarsche-zeitung.de.