Mittwoch, 20.06.2018

Vom netten Mädchen von nebenan zum Junkie

Leserbrief

Goslar. Knapp vier Stunden, bevor das Musical „Rent“ in der alten Schlosserei am Rammelsberg beginnt, läuft die Arbeit hinter den Kulissen auf Hochtouren. In der Maske werden die Schüler und Studenten so zurecht gemacht, dass sie manchmal gar nicht mehr wiederzuerkennen sind. Eine extreme Verwandlung lässt die 17-jährige Jenny Werner seit Mittwoch jeden Abend über sich ergehen. Aus dem „netten Mädchen von nebenan“ wird ein rebellischer Junkie. Die Junge Szene wagt einen Blick hinter die Kulissen, wo die Elftklässlerin und andere Schauspieler gestylt werden.

Jennys normale Kurzhaarfrisur verwandelt Friseurmeisterin Sabine Frees-Burghardt in einen punkigen Irokesenschnitt. „Dafür werden die Haare an den Seiten zusammengesteckt und der Mittelstrang wird mit Volumenpuder und Haarspray toupiert“, erklärt Jenny. Mit einem schmerzverzerrten Gesicht erzählt sie, dass dieser Part am meisten wehtun würde. Deswegen braucht sie immer ein anderes Crewmitglied, das ihr seelischen Beistand gibt und dessen Hand sie fest drücken kann. Jetzt wird es bunt. Welche Sprühfarben bei Jenny in die Haare kommen? „Na alle“, sagt die Elftklässlerin und hebt eine Kiste mit vielen Spraydosen hoch. Jetzt fehlt nur noch das Glitzerpuder, das Sabine auf Jennys Haarpracht streut. Nach einer knappen halben Stunde ist die Frisur, die mit zu den aufwendigsten des ganzen Musicals gehört, endlich geschafft.

Weiter geht es also mit dem Make-Up. Sabine, die ebenfalls Maskenbildnerin ist, trägt den Glitzer, der bereits flächendeckend auf Jennys Haaren – und dem umliegenden Boden – zu finden ist, nun auch in ihrem Gesicht auf. An diesem Abend haben sich die Maskenbildnerin und Jenny für einen glitzernden Stern um die Augen entschieden. „Wir probieren jedes Mal etwas Anderes aus. Wir toben uns kreativ aus“, sagt Sabine.

"Geht schneller als man denkt"

Was aber passiert mit Jennys Haaren und ihrem Make-up nach der Show? Mit den im Nacken zusammengezwirbelten Haaren könne sie nicht gut schlafen und mit den bunten Haaren zur Schule zu gehen, sei ebenfalls schwierig. Deswegen muss die 17-Jährige, wenn sie um halb zwölf Uhr nachts nach Hause kommt, noch ihre gefärbten und toupierten Haare waschen sowie auskämmen. „Das geht schneller als man denkt. Ich muss zwei bis drei Mal Shampoo nehmen und dann die Strähnen rauskämmen. Das ist nicht so schlimm wie das Toupieren“, berichtet sie.

Auch wenn Jennys Make-up und Haarstyling mit am spektakulärsten sind, sind auch die anderen nicht zu missachten. Während Jenny gestylt wird, sind Filiz Türkülmez, Kosmetikerin, Visagistin und Make-up-Artistin, sowie ihr Kollege Jan Abraham bereits mit weiteren Schauspielerinnen beschäftigt. Filiz schminkt Nora Schönborn, die eine Nachtklubtänzerin spielt.

Dabei wendet sie ihr Lieblingsmotto an, wenn es um ein Theater-Make-up geht. „Mehr Rouge.“ Jan erklärt, warum das so wichtig ist: „Etwa 90 Prozent des Make-ups gehen auf der Bühne verloren. Deswegen soll man lieber etwas übertreiben.“ Make-up-technisch ist bei Stefanie Reiß eine große Veränderung zu sehen, die in die Rolle eines Obdachlosen schlüpft. Dazu wird sie älter geschminkt und ihr Gesicht soll „dreckig und ranzig“ aussehen, sagt Jan. Stefanie ist von ihrer Verwandlung aber ganz angetan. „Es ist spannend zu sehen, wie sich jeder verändert und in eine andere Rolle schlüpft“, schwärmt die 25-Jährige.

Von all den Typveränderungen können sich die Zuschauer noch bis Donnerstagabend selbst überzeugen. Um 19.30 Uhr ist die letzte Aufführung des Musicals „Rent“ in der alten Schlosserei.

 







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