Freitag, 20.07.2018

Viel Spaß, aber auch ernste Gedanken bei deutsch-israelischer Jugendbegegnung

Leserbrief

Goslar/Ra‘anana. Ariel Kraus hat sich für die deutsch-israelische Jugendbegegnung entschieden, weil er neugierig auf Deutschland war. Zudem wollte der 17-Jährige es aus einem anderen Blickwinkel kennenlernen. Elad Newberger war bereits schon einmal mit einem Austauschprogramm in Deutschland. Weil der 17-Jährige dabei so viel Spaß hatte, hat er sich noch einmal beworben.

Das sind nur zwei der Beweggründe, warum 13 Jugendliche mit ihren Betreuern Rachel Zamen und Meir Yadov vor zwei Wochen aus dem israelischen Ra‘anana nach Goslar gekommen sind. Ihre Zeit verbrachten die Schüler in Gastfamilien und erlebten mit den deutschen Austauschpartnern ein vielfältiges Programm.

Attraktion: Foto-Rallye

Ein Highlight auf dem Programmpunkt war eine Foto-Rallye quer durch Goslar. Stadtjugendpfleger Martin Sänger erklärte, dass die Jugendlichen in Stationen die Stadt kennenlernen sollten. Bei der Planung war es ihm wichtig, dass sie jenseits von Touristen-Hotspots verborgene Orte entdeckten.

„Zuerst mussten sie in Gruppen ein Maskottchen basteln und dieses den ganzen Weg beschützen. Dann hatten sie beispielsweise die Aufgabe, ein Foto auf der Marktkirche zu schießen, oder die israelischen Schüler mussten einen Ferienpass kaufen“, erzählt Sänger. Was sich vermeintlich einfach anhört, wurde für die ausländischen Schüler zur Herausforderung. Sie mussten dem Verkäufer auf Deutsch erklären, was sie haben möchten, und das, obwohl sie nur Hebräisch und Englisch sprechen. Am Ende brachte das Team bestehend aus Annika Bischoff, Elad Newberger, Frederik Hädrich und Ariel Kraus ihren bemalten Ballon heil ins Ziel und holte den Titel.

Aufgrund des schönen Wetters verbrachten die Teilnehmer des Austauschprogrammes viel Zeit draußen. Dabei wurde es sportlich: Sie fuhren Wasserski, wanderten auf den Bocksberg und unternahmen eine Kanutour auf der Oker. Viel Spaß hatten sie ebenfalls beim Bubble-Soccer-Turnier, in der TU Clausthal und im Stadion des VfL Wolfsburg.

Bei all dem Spaß, den die Jugendbegegnung bringen sollte, legten die Betreuer Wert darauf, dass die deutsch-jüdische Vergangenheit nicht zu kurz kam. In einer besonderen Stadtführung begaben sich die Teilnehmer der Jugendbegegnung auf Spurensuche. Ein Programmpunkt war der jüdische Friedhof in Goslar mit Grabstellen, die bis ins frühe 17. Jahrhundert zurückreichen. Für die Deutschen, die kein hebräisch lesen konnten, sprang Meir Yadov als Übersetzer der Grabschriften ein. So konnte jeder an den Einzelschicksalen der Verstorbenen teilhaben.

Gemeinsame Zeremonie

Während des Austauschprogrammes haben die Jugendlichen drei Tage in Berlin verbracht. Auf dem Weg dorthin stand ein Besuch des Konzentrationslagers Sachsenhausen an. Martin Sänger erklärte, dass die israelischen und deutschen Jugendlichen dort eine gemeinsame Zeremonie abgehalten haben, indem sie Rosen niedergelegt und jüdische Gebete vorgetragen haben.

„Es ist wichtig das Thema bewusst aufzugreifen“, sagte er. Es gehe nicht darum, dass sich die deutschen Jugendlichen schuldig fühlen. „Vielmehr sollen sie nach vorn gucken und es einfach besser machen“, meinte Sänger.

Mit vielen neuen Eindrücken werden die israelischen Jugendlichen am Sonntag ins Flugzeug steigen und die Rückreise nach Ra‘anana antreten. Liron Sella ist traurig, all die großartigen Menschen hier in Goslar zurückzulassen. Uri Shaked wird seine neuen Freunde vermissen. „Der Austausch war eine besondere und tolle Erfahrung, ein richtiges Abenteuer“, sagt der 16-Jährige.

Nach diesen eindeutigen Aussagen wird es sich wohl um keinen Abschied für immer handeln. Die Jugendlichen werden sich eher ein „Auf Wiedersehen“ wünschen. Im kommenden Frühjahr können sich einige von ihnen wieder in den Armen halten. Dann treten die Deutschen den Gegenbesuch in Ra‘anana an.







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