Freitag, 19.01.2018

Unser Wasser – ein Schatz in Gefahr

Sauberes Wasser ist für uns so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Wir drehen den Hahn auf und es versorgt uns – warm oder kalt – in bester Qualität und beliebiger Menge.

Mal ehrlich; über unser Wasser machen wir uns nicht allzu viele Gedanken. Wir haben es ja im Überfluss. Wo bitte ist das Problem?

Ja, noch haben wir keine Probleme mit unserem Trinkwasser. Aber wir werden sie bekommen und ein jeder sollte mal darüber nachdenken, was er dazu beitragen kann, dass unser Wasser auch in Zukunft ein bezahlbares Lebensmittel bleibt.

Der Harz ist einer der größten Wasserspender in Deutschland. Dank seiner exponierten Lage als erstes fast 1200 Meter hohes Mittelgebirge in der norddeutschen Tiefebene fängt es viele der atlantischen Tiefausläufer ab. Die Wolken bleiben regelmäßig an den Bergen des Westharzes hängen und regnen sich hier ab. Der Regen füllt Talsperren und die wiederum halten das wertvolle Trinkwasser für den Norden Deutschlands vor. Bis nach Bremen reichen die Rohrleitungen für die Städte und die Industrie.

Wohliges Prickeln

Doch ist dieses Gut zunehmend in Gefahr. Wir alle kennen die Diskussionen über die Düngemittelausbringung der Landwirtschaft im Interessenstreit mit dem Schutz von Trinkwassergewinnungsgebieten. Klar, dass man im direkten Einzugsgebiet unseres Trinkwassers vorsichtig sein muss. Denn es braucht einen großen Aufwand und verursacht erhebliche Kosten, Nitrat belastetes Wasser wenigstens so weit zu reinigen, dass die erlaubten Grenzwerte eingehalten werden.

Neuerdings schlagen aber die Wasserversorger Alarm, weil sie Mikroplastik im natürlichen Süßwasser ausgemacht haben, das sich offenbar durch die Filtersysteme unserer Klärwerke nicht vollständig herausfiltern lässt und somit in unser Trinkwasser gelangen kann. Es sind Kleinstpartikel, wie sie in der Reinigungsmittel- und der Kosmetikindustrie Verwendung finden. Beigemengt, um zum Beispiel auf der Haut einen so genanntes Peeling-Effekt zu erzeugen. Um dieses wohligen Prickelns willen auf der Haut gefährden wir also unser Trinkwasser!

Ebenso problematisch ist unser Gebrauch von Arzneimitteln. Zum einen ist die Zahl der Verschreibungen seit Jahren steigend. Denn wir werden immer älter und mit zunehmendem Alter begleiten uns auch mehr Krankheiten, die wir mittels mehr Medikamenten in Schach halten.

Es besteht also ein direkter Zusammenhang zwischen unserer Lebensdauer und der Belastung des Trinkwassers durch Medikamenten-Rückstände. Um die über die natürliche Ausscheidung ins Abwasser gelangenden Rückstände herauszufiltern, braucht es erheblichen und kostenintensiven Aufwand.

Zeitbombe

Unser Wasser könnte also zur Zeitbombe werden. Der Tag ist nicht fern, an dem wir nicht mehr so selbstverständlich und achtlos mit diesem Lebensmittel umgehen wie bisher. Und eines ist sicher: Sauberes Wasser zu gewährleisten, wird aufwändiger und damit sehr viel teurer werden. Schon heute liegt der Kubikmeter-Preis für Abwasser vielerorts über dem Preis für Frischwasser. Wenn das kein Alarmzeichen ist...

Aber was können wir tun? Der Gesetzgeber kann die künstliche Beigabe von Kleinstpartikeln verbieten, müsste sich aber gegen eine kräftige Lobby durchsetzen. Die EU hat in dieser Woche einen ersten Vorstoß für ein europaweites Verbot unternommen. Und die Verbraucher könnten über den Verzicht auf solche Kosmetik- und Reinigungsmittel Druck aufbauen, denn es gibt natürliche Ersatzstoffe, die aber vergleichsweise kostspieliger sind.

Wir alle sollten aber in Zukunft bewusster und sorgsamer mit dem Lebensmittel Wasser umgehen. Speisefette, Öle und andere problematische Küchenabfälle gehören nicht einfach über die Spüle oder in der Toilette entsorgt. Der Aufwand, diese Stoffe wieder herauszufiltern , ist riesig.

Und Wasser muss Thema werden. Im Schulunterricht, in der Volksbildung, auf allen Ebenen der Politik, in den Medien. „Thema der Woche“ ist ein bescheidener Anstoß dafür. Helfen Sie bitte mit, dass es nicht bei dem berühmten Tropfen Wasser auf dem heißen Stein bleibt.

Schreiben Sie dem Autor unter andreas.rietschel(at)goslarsche-zeitung.de