Freitag, 24.11.2017

Stilfragen in Goslars CDU

Kein guter Stil, so lässt sich bündeln, wie CDU-Vordere ihren erfolglosen Landtagskandidaten Ralph Bogisch Ende vergangener Woche behandelt haben. 

 Partei-Vize Armin Nitsche, ein erfahrener CDU-Recke und der noch mit dem Flaum führungspolitischen Novizentums behaftete Chef der Goslarer CDU, Axel Bender, beklagten zusammen mit Gudrun Pfeiffer (Mitglieder-Beauftragte) und Pascal Bothe (Vorstand) in der GZ, dass bei der hausinternen (die Medien waren ausgeladen) Analyse der krachend verlorenen Landtagswahl der Kandidat gefehlt habe. Bogisch habe kurz vor Beginn der Veranstaltung abgesagt, was sich anhört, als habe er gekniffen. Was sie nicht sagten: Er hatte an diesem Tag eine Behandlung im Krankenhaus und dies den „Parteifreunden“ auch mitgeteilt. So sagt es Bogisch auf Nachfrage, verweigert aber eine Bewertung dieses für seine Partei eher peinlichen Umgangs miteinander.

Es zeigt einmal mehr, dass der Begriff „Parteifreund“ eher aus dem Bereich der psychologischen Kriegsführung kommt und weniger eine Herzensangelegenheit zweier Menschen mit dem gleichen Parteibuch ist. Gleichwohl scheint mir bei dem oben beschriebenen Ablauf eine wichtige Grundregel missachtet: die der Aufrichtigkeit. Gemeint ist in diesem Fall, dass der Vorstand – ob er es nun glaubt oder auch nicht – die Absage Bogischs hätte akzeptieren müssen und den Grund nicht hätte unterschlagen dürfen. Bender dazu gestern: „Da kann ich Ihnen nicht ganz unrecht geben.“

Der Wahlkampf des Herrn Bogisch war in der Tat nicht erfolgreich, aber war das nicht auch ein Stück weit logisch? Weil er viel weniger Zeit bekam, sich im Wahlkreis bekannt zu machen. Dass die überraschend vorgezogene Landtagswahl ihn erheblich unter Zeitdruck setzte, wird man ihm ja wohl kaum zum Vorwurf machen können.

Und noch etwas sollte man erinnern: Er war von seiner Partei offiziell als Landtagskandidat nominiert worden. Will heißen, die Partei hatte ihm den Auftrag erteilt, für die CDU anzutreten. Ich meine, es ist kein guter Stil, sich anschließend öffentlich von ihm zu distanzieren.

Und noch etwas: Wenn man wegen der Analyse des CDU-Wahlkampfes die Medien erst auslädt, weil man hinter verschlossenen Türen Tacheles reden möchte, dann ist es erneut schlechter Stil, hinterher in Abwesenheit des Betreffenden öffentlich darüber zu berichten, dass sich Mitglieder über ihn kritisch geäußert hätten (GZ vom Samstag, 18. November). Ewig gilt: Wenn der Erfolg ausbleibt, steht ein Kandidat am Ende immer ziemlich alleine da. Nur der Erfolg hat viele Väter....

Sie werden es bemerkt haben: Der Zustand der CDU in Goslar ist gegenwärtig nicht der Allerfeinste, seit die Partei bei der Kommunalwahl 2016 vom Wähler derart abgestraft wurde, dass sie sich davon offensichtlich bis heute nicht erholt hat. Damals blieb die kritische Nachlese (trotz Ausschluss der Öffentlichkeit) fast vollkommen aus.

Unter dem ehemaligen Vorsitzenden Carlos Mateo vorübergehend zu Kraft und Größe gelangt, stellt sie heute zwar den Oberbürgermeister und einst auch die größte Fraktion im Stadtrat. Doch hatte Don Carlos wohl ein ausgeprägtes Gespür dafür, wann es gut ist, aufzuhören. Er gab den Vorsitz auf dem Höhepunkt seines Wirkens in andere Hände.

Vieles lief seitdem nicht gut. Ihm folgte Ralph Bogisch (der den Vorsitz schnell wieder hinwarf), dazu kam ein parteipolitisch überdrehender Oberbürgermeister, hinzu der Abschied einiger Stimmenbringer aus der Fraktion, bis zuletzt Axel Bender übernahm. Der müht sich nun um Konsolidierung und hofft auf das Wahljahr 2021. Bis dahin will er die CDU wieder auf Vordermann gebracht haben.

Was ihm vorerst nicht gelungen ist. Den verständlichen Frust über die verlorene Wahl mit dem Blitz provinziellen Zornes allein auf Bogisch abzuleiten, greift zu kurz und ist kein guter..., aber das hatten wir schon. Der schöpferische Bedarf der CDU an Katharsis hat fraglos viele Gründe und ist gegenwärtig die einzige Erkenntnis, die man vorbehaltlos mit der vorerst erschöpften Partei teilen könnte.

Schreiben Sie dem Autor unter andreas.rietschel(at)goslarsche-zeitung.de