Dienstag, 21.01.2020

Musik besteht aus Wissen und Können

Goslar. Am Samstag, 25. Januar,  ist wieder Pfalzkonzert-Zeit: Ab 19.30 Uhr gastieren die Hildesheimer Philharmoniker des Theaters für Niedersachsen in der aula regia und gestalten Werke von Johann Christian Bach, dem jüngsten Sohn des Leipziger Thomaskantors, und Wolfgang Amadeus Mozart, der den „Londoner Bach“ sehr verehrte. Die Leitung hat eine lebende Legende: Prof. Reinhard Goebel.

Lebende Legende

Lebende Legende? Goebel steht auf dem gleichen Standpunkt wie Prof. Dr. Dr. Elmar Budde, der ebenfalls schon vor Jahren bei seinen Seminaren in den Konzertarbeitswochen in der Welterbestadt postulierte: „Musik soll und muss verstanden werden.“ Und das, so sind Goebel und Budde gleicher Ansicht, geht eben nur, wenn der heutige Interpret nicht nur die Noten aus seiner eigenen Lebenssicht gestaltet, sondern eben auch weiß, was zu des Komponisten Lebenszeit bekannt, gang und gäbe und en vogue war.

Hochvirtuose Interpretationen

Goebel antwortete auf eine Interviewfrage, ob man, wenn man eine Musik gut könne, gleich alle kann, so: „Nein, das kann man eben nicht. Beltracchi (der bekannte Kunstfälscher), der kann das, der kann in allen Stilen arbeiten. Aber Musiker können das eben nicht.“ Und so hat sich Goebel, der 1973 als Geiger mit seinem Ensemble „Musica Antiqua Köln“ durch lebendige und hochvirtuose Interpretationen der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts die Musikwelt revolutionierte, der Barockwelt und der Wiener Klassik verschrieben. Er gilt, wie auch Elmar Budde, international als profunde Koryphäe.

Nun haben die Hildesheimer Philharmoniker Goebel eingeladen, sie an seinem Wissen teilhaben zu lassen. Die Musikerinnen und Musiker, allesamt ja Hauptberufler, lassen sich und ihr Spiel auf die Interpretationswelt Goebels ein. Dazu hat der in Salzburg lehrende Professor die vorhandenen schriftlichen Zeugnisse der Zeit von Johann Christian Bach und Vater und Sohn Mozart studiert und daraus Folgerungen für den reinen Notentext gezogen.

Frischer und knackiger

Diese gibt er an die Musiker weiter. Und so verändert sich durch diese höchst intensive Kenntnis der Komponisten-Lebensumstände, deren musikalisches Denken und der historisch belegbaren Aufführungspraxis natürlich auch die nun im Konzert zu hörende Musik – oft wird sie frischer und knackiger. Wie die Hildesheimer Musiker sich davon haben anstecken lassen, wird sich im Konzert zeigen.

Karten ab acht Euro aufwärts sind im Pressehaus der GZ und an der Abendkasse erhältlich.