Freitag, 10.08.2018

Kulturschock im Land der aufgehenden Sonne

Leserbrief

Clausthal-Zellerfeld/Tokio. Menschen, die im Zug nicht nach Parfüm riechen und sich dort nicht unterhalten, sowie Schüler, die im Unterricht schlafen – was für Japaner Alltag ist, löst bei Europäern einen ordentlichen Kulturschock aus. Lea Cronjäger war für zehn Monate im Land der aufgehenden Sonne und konnte sich von den Eigenheiten der fernöstlichen Kultur überzeugen.

Doch wie kam die heute 17-Jährige nach Japan? „Ich fand die Kultur interessant. Die USA waren keine Option für mich, weil ich halt schon Englisch konnte“, sagt Lea. Japanisch hingegen konnte sie vor zehn Monaten noch nicht richtig sprechen. Daher hat sie sich auf ein großes Abenteuer eingelassen. Die Zellerfelderin hat zwar vor ihrem Abflug am Internationalen Zentrum der TU Clausthal einige Grundkenntnisse der asiatischen Sprache erworben, doch die eigentliche Arbeit kam dann erst während ihres Auslandsaufenthaltes auf sie zu.

„Ich habe fast nichts verstanden. Es war schwierig, da die Japaner nur wenige Brocken Englisch sprechen. Nach und nach hat sich mein Japanisch verbessert, und die Verständigung hat besser geklappt“, erzählt sie. Damit Lea die Schriftzeichen lernen konnte, bekam sie Einzelstunden an ihrer Schule. „Das dauerte schon ein Weilchen“, sagt die Austauschschülerin, die sich mittlerweile ohne große Probleme schriftlich und mündlich auf Japanisch verständigen könne.

Je länger sie in Tokio war und je mehr sie verstanden hat, desto größer wurde der Kulturschock für sie. „Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass Tokio als Millionenmetropole ziemlich westlich ist. Doch der erste Eindruck täuschte“, sagt sie. Vor allem die Menschen waren anders: „Es war alles ziemlich hektisch.“

Langer Schulweg

Das fing schon früh morgens an, als Lea ihren Schulweg bestritt. Dazu musste sie knapp eineinhalb Stunden mit der Bahn bewältigen. „Anders als in Deutschland war es im überfüllten Zug aber leise. Die Menschen haben nicht geredet“, berichtet die Schülerin. Besonders auffällig war, dass sie nach nichts gerochen haben, beschreibt Lea. Von ihrer Austauschorganisation wurde ihr für ihre Reise mit auf den Weg gegeben, dass sie kein parfümiertes Deo mitnehmen soll. In Japan würden es die Menschen geruchsneutral bevorzugen.

Aufgrund der Stille war der Zug ein angenehmer Ort, um Schlaf nachzuholen. Manchmal nutzte sie dazu auch den Unterricht. „Das tun ast alle“, sagt die Elftklässlerin. Die 17-Jährige hatte allen Grund, Schlaf nachzuholen, da ihr Alltag in Tokio ziemlich stressig war. Das habe zum einen etwas damit zu tun, dass der Lebensmittelpunkt in der Schule lag. Bis in die Nachmittagsstunden ging der reguläre Unterricht, und danach bot die Schule verschiedene Arbeitsgemeinschaften an. „Es war nicht verpflichtend etwas zu wählen, aber es hat eigentlich jeder gemacht“, erklärt sie. „Wenn du nicht an der Arbeitsgemeinschaft teilgenommen hast, hattest du quasi keine Freunde“, fasst es Lea zusammen.

Eine Arbeitsgemeinschaft, die Lea besucht hat, war das sogenannte Iaido. Vereinfacht gesagt handelt es dabei um einen Schwertkampf. Aber auch ohne die AGs hätte Lea keine Probleme gehabt, Freunde zu finden. „Die anderen Schüler sind oft auf mich zu gekommen und haben mich gegrüßt. Sie fanden mich wohl niedlich“, erzählt die Zellerfelderin. Generell seien die Japaner sehr höflich. Das gehöre zu ihrer Kultur.

Nach der Schule hatte Lea nicht viel Zeit zum Entspannen, denn dann ging es für sie mit Sport weiter. Sie hat eine Mischung aus Karate und Kickboxen betrieben, womit sie in Deutschland schon begonnen hatte. Abends ist sie dann todmüde ins Bett gefallen. Am nächsten Tag ging es wieder los. „In Japan habe ich es am meisten vermisst, auszuschlafen. Meine Familie, Freunde und meine Katze habe ich auch vermisst. Aber das ist ja selbstverständlich. Ohne Heimweh geht es nicht“, stellt sie fest.

Die ganze Zeit auf Achse

Nach der stressigen Zeit in Japan wird das Schuljahr hier in Deutschland eine Umstellung. „Die Ferien waren krass. Ich war es nicht mehr gewöhnt, nicht die ganze Zeit, auf Achse zu sein. Ich freue mich, nach der Schule mal wieder mittags zu Hause zu sein“, erzählt Lea

Ganz ohne Japan und die Sprache kann sie nicht leben. Um ihr Fernweh zu stillen und um ihrer Mutter Astrid ihr zu Hause des vergangenen Jahres zu zeigen, wird sie mit ihr in den Osterferien nach Japan fliegen. Außerdem ist die Schülerin wieder am Internationalen Zentrum und absolviert dort einen weiteren Japanisch-Kurs. „Ich möchte in Übung bleiben. Hier ist es nicht so leicht, Leute zu finden, die Japanisch sprechen“, sagt Lea.








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