Freitag, 15.06.2018

In einer Notsituation ganz laut „Feuer“ rufen

Leserbrief

Goslar. Dass man schnell in eine brenzlige Situation kommen kann, dürfte jedem bewusst sein. Aber trotzdem rechnet eigentlich niemand damit, Zivilcourage zeigen zu müssen oder gar selbst zum Opfer zu werden. Was also tun, wenn ein solcher Ernstfall eintritt?

Gestern drehte sich in den Berufsbildenden Schulen (BBS) Am Stadtgarten alles um diese Frage. In Kooperation mit dem Weißen Ring organisierte die Schülervertretung einen Zivilcouragetag, zu dem sie sich allerhand Verstärkung aus der Politik und dem öffentlichen Leben holten. So erzählte Landrat Thomas Brych, dass es viel Mut erfordere, den ersten Schritt zu wagen. Polizeidirektorin Petra Krischker teilte ihren Respekt denjenigen gegenüber mit, die sich für andere einsetzen und Extremismus-Expertin Kristin Harney zeigte auf, dass es besonders im privaten Umfeld gar nicht so leicht ist, sich zu seiner Meinung zu bekennen.

Botschafter Klose

Nach den Grußworten stellten die Moderatoren des Tages, Christin Schulze und Marc Reimann, den neuen Zivilcourage-Botschafter vor: Dennie Klose. Die beiden Mitglieder der Schülervertretung kamen auf der Bühne mit ihm ins Gespräch und holten sich einige Tipps beim Experten, wie jeder Zivilcourage zeigen kann. „Es geht darum, zu überlegen, was man sich selbst in der jeweiligen Situation von anderen wünscht. Genau so sollte man sich verhalten“, sagte der Comedian und Fernsehmoderator, der unter anderem durch „Upps! – Die Pannenshow“ bekannt wurde.

Anlässlich des Zivilcouragetages entwarfen Schüler eine Umfrage. Sie wollten wissen, ob ihre Mitschüler schon einmal Gewalt erfahren mussten und ob sie selbst Zivilcourage zeigen. Als „erschreckend“ bezeichnete Schülervertreterin Sophie Schulze die Tatsache, dass 17 Schüler angegeben haben, bereits sexuelle Gewalt erfahren zu haben. Als erfreulich sah es Günter Koschig jedoch an, dass fast 80 Prozent der BBS-Schüler schon einmal jemand anderem in einer Notsituation geholfen haben.

Das Thema Zivilcourage zog sich durch verschiedene Stationen, die in der BBS aufgebaut waren. In einem Klassenraum gaben Florian Wildmann und Frank Großklags aus dem Goslarer Krav-Maga-Studio einen Einblick in verschiedene Selbstverteidigungstechniken. Dabei wurde es zeitweise ziemlich laut, denn nur, wer seinen Angreifer anbrüllt, könne weitere Zeugen auf sich aufmerksam machen. „Beim Krav Maga geht es nicht darum, andere niederzumachen, sondern sich selbst aus einer brenzligen Situation zu befreien“, sagt Florian Wildmann.

Wie man ebenfalls Zeugen auf sich aufmerksam machen kann, erzählten Ralf Buchmeier, Präventionsbeauftragter der Polizei Goslar und Günter Koschig. „Am besten ist es, Zeugen direkt anzusprechen. Wichtig ist es auch, den fremden Angreifer nicht zu duzen. Sonst kann der Anschein entstehen, dass man sich kennen würde“, erklärte Buchmeier. Den abschließenden Tipp gab Koschig: „Die Praxis hat gezeigt, dass es besser ist, ganz laut Feuer zu schreien, anstatt nach Hilfe zu rufen.“







Weitere Topthemen aus der Region:
  • Archiv
    Traditionsverein:Fünf Frauen dazugewonnen
    Mehr
  • Archiv
    Neue Feuerwache entsteht am alten Ort
    Mehr
  • Oberharz
    Ortsrat nimmt Sportförderung von der Tagesordnung
    Mehr
  • Oberharz
    Ehrenamtliche heben einmaligen Schatz
    Mehr
  • Lesermeinung
    Hamas wurden von Bevölkerung gewählt
    Mehr