Freitag, 31.08.2018

Hebt auf, wenn ihr Harzer seid!

Nein, wir müssen hier nicht gleich Weltpolitik betreiben und dabei den großen Klimawandel bemühen. Es gibt auch kleine Dinge, die einen mächtig ärgern können. Neulich saß ich abends in einem Straßencafé in der Goslarer Fußgängerzone, als ich es aus Richtung Karstadt knirschen und scheppern hörte. Nach und nach kam das Geräusch immer näher, robbte sich sozusagen über rund 50 Meter langsam an mich heran, bis es dann mit einem Fußtritt direkt unter meinem Stuhl landete: ein Plastikbecher.

Ob Frau oder Mann, Alt oder Jung, Arm oder Reich, bieder oder flippig – gefühlt ein Dutzend Passanten hatte also entweder wie Hans-guck-in-die-Luft auf das Stück Plastik getreten oder es sportlich-alternativ durch die Gegend gekickt. Kein einziger aber fühlte sich bemüßigt, den Becher aufzuheben und in einen der umliegenden Mülleimer zu werfen. Diese Aufgabe habe ich dann knirschend übernommen, weil es mich einfach stört, wenn unter meinen Füßen Plastikmüll herumliegt. Und für ein ermittlungstechnisches Einschalten der Polizei, welcher Bösewicht denn nun achtlos den Becher aufs Pflaster geworfen hatte, war mir die Sache einfach zu banal.

An anderen neuralgischen Punkten des Alltagslebens würde ich mir derweil am liebsten versteckte Kameras wünschen, um die Übeltäter auch mal dingfest machen zu können: Ich meine beispielsweise Straßen, die zu den Fast-Food-Ketten führen. In vielen Städten gelingt es inzwischen selbst Ortsfremden ohne GPS und Navi, in traumwandlerischer Sicherheit die weltweit agierenden Schnellrestaurants zu finden. Man muss eben einfach nur dem Verpackungsmüll auf dem Asphalt folgen. Beherztes eigenständiges Eingreifen als Hobby-Entsorger verbietet sich hier indes, weil es einfach blöde wäre, vom Auto überfahren zu werden, nur um die Straße von Hamburger-Pappschachteln und Cola-Bechern zu befreien.

Vielmehr liefert uns da dieser Tage der 68-jährige Goslarer Otto Unruh ein leuchtendes Beispiel. Er sammelt auf seinen bemerkenswerten Wandertouren auf den Brocken auch Leergut am Wegesrand auf - und hat auf diese Weise bislang „by the way“ auch 175 Euro Pfand erlöst.

Die 28-jährige Braunschweigerin Louisa Dellert treibt die Sache mit dem Müll dabei geradezu auf die Spitze. Sie ist Bloggerin und hat nun, nachdem sie sich zunächst als Trendsetterin in Sachen Fitness, Ernährung oder Second-Hand-Mode profilierte, einen Weg gefunden, um Sport und Umweltschutz trefflich miteinander zu kombinieren: „Plogging“ heißt das Zauberwort, das in der Heimat der Ikea-Schränke kreiert worden ist. Denn in Schweden liegt es im Trend, das Joggen und Müllsammeln zu vereinen.

Inzwischen sind Scharen unterwegs, die sich laufend mit Abfallbeuteln auf den Weg machen, um Parks und Bürgersteige sauber zu halten. Hierzulande berichtete auch der Norddeutsche Rundfunk in einem Fernsehbeitrag darüber, wie die Bloggerin als Ploggerin mit einer Gruppe von Joggern durch Braunschweig fegt. „Hier fehlt’s an Mülleimern“, hieß eine tiefgreifende Erkenntnis dabei. Und „andererseits ist das auch ein Ding von Menschen“, fügte die Trendsetterin an. Will heißen: Ob nun ein Mülleimer in der Nähe steht oder nicht – niemand ist verpflichtet, seinen Abfall einfach in die Gegend zu schmeißen. Da sich manche aber in dieser Hinsicht partout als beratungsresistent erweisen, kann es durchaus hilfreich sein, selbst mal Hand anzulegen. Motto: Hebt auf, wenn ihr Harzer seid!

Wie stehen Sie zu dem Thema? Schreiben Sie mir: joerg.kleine(at)goslarsche-zeitung.de